Beirat


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Für die Sensibilisierungskampagne medienbewusst.de – kinder. medien. kompetenz. ist ein fachlicher Beirat tätig, mit dessen Unterstützung die Inhalte des Informationsportals noch stärker an die Bedürfnisse und Interessen der Leserinnen und Leser ausgerichtet werden. Der Beirat von medienbewusst.de soll den kontinuierlichen fachlichen Austausch innerhalb der redaktionellen Arbeit gewährleisten, um so die Qualität des Beratungsangebotes aufrechtzuerhalten und ständig zu verbessern.

Eltern, Erziehende und Pädagogen müssen sich darauf verlassen können, dass alle Nutzungstipps und Empfehlungen von medienbewusst.de – kinder. medien. kompetenz eine fachliche Grundlage haben. Der medienbewusst.de-Beirat prüft diese Empfehlungen daher auf ihre Richtigkeit. Darüber hinaus steht er den ehrenamtlichen Redakteuren für alle fachgebundenen Fragen jederzeit zur Verfügung.


Prof. Dr. Jeffrey Wimmer

Jeffrey Wimmer„Computerspiele sind als Leitmedium unserer Gesellschaft in aller Munde, auch wenn sie vielfach im öffentlichen Diskurs allein unter den Aspekten des Jugendschutzes sowie des Sucht‑ und Gewaltpotentials verengend diskutiert werden. Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive ist vor allem der Umstand interessant, dass es sich beim Computerspielen um ein höchst komplexes kommunikatives Phänomen handelt, das in einer weltweiten, vielschichtigen und zumeist oft nur virtuellen Spielkultur verwurzelt ist. Darüber hinaus gehören Computerspiele und insbesondere die Vielzahl an Online‑„Spielplätzen“ mittlerweile zu denjenigen Kommunikationsmedien, mit und durch jene wir an unserer Gesellschaft teilnehmen.

Der Begriff „Computerspielen“ verweist dabei nicht nur auf ganz verschiedene Handlungsmodi, die nicht immer trennscharf voneinander zu trennen sind, wie vor allem regelbasiertes Spielhandeln („to game“), zweckfreies Tun („to play“), entlohntes Handeln (Arbeit) oder leistungsorientiertes Handeln („E-Sport“). Gerade Onlinespiele und virtuelle (Spiel‑) Welten stellen vielmehr aufgrund ihrer vielfältigen und komplexen Möglichkeiten nicht nur für interpersonale sondern auch für öffentliche Kommunikation und der dabei erfolgenden Informationsselektion, –vermittlung und –aneignung Kommunikationsräume dar, die gerade in der Lebenswelt der jüngeren Spielerinnen und Spieler den Stellenwert und Funktionalität von massenmedial vermittelter Öffentlichkeit einnehmen können. Im Spezifischen bedeutet das auch, dass Computerspiele zu einem ernstzunehmenden Faktor für die Persönlichkeitsentwicklung als auch gesellschaftlich-politischer Sozialisation geworden sind, gleichwohl wir noch sehr wenig über die höchst unterschiedlichen Computerspielkulturen wissen.

medienbewusst.de wirft daher einen notwendigen, kritischen Blick u.a. auf die Kultur des Computerspielens, vor allem auf die Erlebnisqualität und den alltäglichen Umgang mit Spielen, auf die Macherinnen und Macher etc. Das trägt dazu bei, die komplexen Prozesse besser zu verstehen und die Öffentlichkeit, Eltern und SpielerInnen bezüglich der Wirkmacht der Computerspiele zu sensibilisieren. Diesen Blick möchte ich mit meiner Expertise weiter schärfen.“

Prof. Dr. Jeffrey Wimmer ist Juniorprofessor am Institut für Medien‑ und Kommunikationswissenschaft der TU Ilmenau. Er ist Sprecher der DGPuK-Fachgruppe „Soziologie der Medienkommunikation“ sowie der ECREA-Section „Communication and Democracy“. Er forscht und veröffentlicht unter anderem zu virtuellen Welten und digitalen Spielen.

Prof. Dr. Norbert Schläbitz

Norbert Schläbitz„Für Kinder und Jugendliche ist die Musik das Medium, innerhalb dessen sie ein eigenes Persönlichketisprofil ausprobieren und ausbilden können. Musik ist die Klammer, die Sprache, Gesten, Moden und auch Bildwelten zusammenführt und die als verbindendes Element Jugendlichen hilft, einen eigenen jugendspezifischen Stil auszuprägen. Musik ist also immer mehr als das reine Klangerlebnis. Sie drückt das Individuum übergreifende Werthaltungen aus, bietet Orientierungen und Identifikationsangebote in einer Gesellschaft, die – als Risikogesellschaft oder auch als Informationsgesellschaft deklariert – verbindliche Orientierungsangebote seriös kaum mehr anzubieten imstande ist.

Produktions‑ und Distrubitionsmedien wiederum verändern generell die Wertschätzung Kulturgütern und somit auch der Musik gegenüber. Wenn Kinder und Jugendliche Musik bspw. heute weitgehend als kostenloses Gut wahrzunehmen gelernt haben, so ist das der digitalen Medienwelt geschuldet, die eine solche Vorstellung nahelegt und transportiert. Medien verändern Vorstellungen, Wahrnehmungs‑ und Verhaltensweisen. So wenig wie man „nicht nicht kommunizieren“ kann, so wenig kann sich zu Medien nicht nicht verhalten. Sie prägen. Wo Kinder und Jugendliche in einer umfassend nicht nur von Musik-Medien umstellten Welt aufwachsen, gilt es sie zu begleiten, aber abzugrenzen von einer Bewahrpädagogik vergangener Zeiten. Bewahrpädagogische Bemühungen vergangener Jahrhunderte (!) versuchten, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene vor den je neuen Medien zu schützen und scheiterten kläglich. Die früher gegenüber Buch (!), Zeitung und später dem Fernsehen gemachten Klagen waren stets dieselben: Entsinnlichung, Verfall der Kultur durch Massenunterhaltung, Aufbau von Scheinwelten und Realitätsverlust. Schließlich wurden all diesen Medien ein aggressionsförderndes Potential bescheinigt.

Heute sind es die digitalen Medien, die mit denselben Vorwürfen und Vorurteilen zu kämpfen haben. Bewahrpädagogische Medienabstinenz ist keine Lösung, sie produziert bestenfalls Opfer. Statt Kinder und Jugendliche vor Medien zu schützen mit Argumenten, die durch die Zeit hindurch jedem neuen Medium angeheftet wurden und nicht hielten, was sie versprachen, gilt es Kinder und Jugendliche zu begleiten, sie anzuleiten zu einem medienkompetenten Umgang, der sich kritisch-reflexiv schreibt, damit Kinder und Jugendliche wissen, was sie tun, wenn sie den Computer einschalten, im Internet surfen, einen spezifischen Umgang mit Musik pflegen oder sich selbst darstellen im Internet. Für den Raum Musik/Hörbuch möchte ich das Projekt medienbewusst.de in diesem Sinne begleiten und meine Erfahrungen zur Verfügung stellen.“

Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Norbert Schläbitz ist Medientheoretiker und Pädagoge. Seit 2004 leitet er das Fach Musikpädagogik als Geschäftsführender Direktor des Instituts für Musikwissenschaft und –pädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seine Forschungen konzentrieren sich unter anderem auf die Themen „Neue Medien und Musik“ und „Neue Lernformen im Musikunterricht“.

Dr. Christine Feil

Christine_Feil„Obwohl immer mehr Kinder in immer früheren Alter ins Internet gehen, ist es doch so, dass Mütter und Väter, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer noch unzureichend über die Internetangebote für Kinder, über die Lernchancen, die das Internet bietet, aber auch über die potenziellen Gefahren, denen Kinder im Netz ausgesetzt sein können, informiert sind. Ein besonderes Problem stellt darüber hinaus der wechselseitige Erfahrungs‑ und Wissenstransfer zwischen Erwachsenen und Kindern dar.

Kinder brauchen die Unterstützung von Erwachsenen, um für sie Interessantes und Relevantes im Internet zu finden, ihre instrumentellen Fertigkeiten auszubilden und Sicherheit im Umgang mit den Internet zu entwickeln. Kompetenzerwerb ist nicht nur eine Anforderung an Kinder. Insbesondere vor dem Hintergrund der technologischen Fortentwicklung des World Wide Web, bedeutet der Anspruch, mit dem Internet „sinnvoll“ umzugehen, lebenslanges Lernen, das sich nach Alters‑ und Lebensphase recht unterschiedlich gestaltet. Die Offerte als Beirat bei medienbewusst.de mitzuwirken, habe ich aus folgendem Grund angenommen: In der Sparte „Internet“ will medienbewusst.de pädagogisch-aufklärende Informationen für die Öffentlichkeit, darunter vor allem für Eltern und Lehrkräfte, zusammentragen. Diese thematische Nähe zu meinem Arbeitsgebiet vorausgesetzt, verdient medienbewusst.de Unterstützung, weil es ein studentisches Projekt ist, das den Grundgedanken gesellschaftliche Partizipation via Internet repräsentiert.“

Dr. Christine Feil ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Jugendinstitut München. Ihre Arbeitsschwerpunkt sind Kindheitssoziologie und Medienforschung, mit dem Schwerpunkt Internetnutzung von Kindern.

Dipl.-Pädagogin Birgit Goehlnich

Birgit_Goehlnich„Filme sind heute nach wie vor wichtige und beliebte Wegbegleiter von Kindern und Jugendlichen. Sie erzählen Abenteuer, nehmen die Zuschauer mit in ferne Länder und fremde Kulturen und greifen auch alltägliche, für die eigene Lebenssituation bedeutsame Themen auf. An filmischen Vorbildern kann durch Beobachtung gelernt werden, was auch eine Begegnung mit sich selbst bedeuten kann. Filmgeschichten und ihre Helden nehmen auch Einfluss auf die Zukunftsbilder von Kindern und Jugendlichen..

Im Kontext des reichhaltigen Medienangebots gilt es, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, damit sie sich zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten entwickeln können. Filmarbeit zum Medienkompetenzerwerb und gesetzliche Regelungen, wie die Altersgrenzen der FSK sind die Bausteine, die miteinander verschränkt werden müssen. Meine Erfahrungen werde ich mit großem Interesse und Freude in die Tätigkeit als Beiratsmitglied für das Kinoressort bei medienbewusst.de einbringen.“

Als Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK in Wiesbaden beschäftigt sich Birgit Goehlnich seit 1997 mit dem gesetzlichen Jugendmedienschutz wie mit Filmprojekten, an denen Kinder und Jugendliche beteiligt sind. Im Vorsitz plural besetzter Ausschüsse beurteilt sie Kino‑ und Video/DVDfilme, Trailer und Werbung auf ihre Wirkung auf Kinder und Jugendliche und erteilt nach gemeinsamen Wirkungsdiskussionen entsprechende Altersfreigaben.In den letzten Jahren führte sie drei Filmprojektreihen mit ca. 1000 Kindern und ca. 600 Jugendlichen zum Thema „Medienkompetenz und Jugendschutz – Wir wirken Kinofilme auf Kinder?/Wie beurteilen Jugendliche Gewalt im Film?“ durch. Die Projektergebnisse sind in Broschüren mit DVDs dokumentiert.

Prof. Dr. Nicola Döring

„YouTube, Facebook, Twitter, Instagram, Foursquare, Tumbl, WhatsApp, Snapchat – die Social-Media-Welten, in denen sich Kinder und Jugendliche heute bewegen, unterliegen ständigem und schnellem Wandel: Einst boomende Plattformen verlieren an Bedeutung (z.B. MySpace, SchülerVZ), neue Apps treten ihren Siegeszug an (z.B. Tinder, Vine). Während sich Kinder und Jugendliche oft mit Elan darauf stürzen, die neuesten Medientrends auszuprobieren, erleben es Eltern und Lehrkräfte teilweise eher als lästige Pflicht, sich neben ihren vielen anderen Aufgaben nun auch noch ständig in Sachen Internet, Smartphone, Games und Co auf dem Laufenden zu halten. Aber mitreden wollen und sollen sie ja schon, um den Heranwachsenden im Medienzeitalter unterstützend zur Seite stehen zu können.

Die preisgekrönte Informationskampagne „medienbewusst.de – kinder. medien. kompetenz“ will zusammen mit ihren Partnerinnen aus Bildung, Wirtschaft und Kultur bei dieser Aufgabe helfen. Sie liefert Eltern und Lehrkräften Tipps, Tricks und Anregungen dazu, wie mit dem zeitgenössischen Medienspektrum im Alltag der Kinder und Jugendlichen verantwortungsvoll und nutzbringend umzugehen ist.

Das Initiatoren-Team von medienbewusst.de um René Rübner wurde von 2008 bis 2009 an meinem Fachgebiet betreut, ebenso wie eine Reihe von studentischen Folge-Teams, die dafür sorgen, dass medienbewusst.de über die Jahre hinweg Bestand hat, sich inhaltlich und methodisch weiterentwickelt und in der Fachcommunity gut vernetzt ist. Die Initiative leistet einen Service für Außenstehende und trägt gleichzeitig zur Ausbildung unserer Studierenden in den Ilmenauer Medienstudiengängen bei.“

Prof. Dr. Nicola Döring leitet das Fachgebiet „Medienpsychologie und Medienkonzeption“ am Institut für Medien‑ und Kommunikationswissenschaft der TU Ilmenau. Sie forscht und veröffentlicht unter anderem dazu, wie Jugendliche heute Internet, Social Media und Handys bzw. Smartphones nutzen – und welche Chance und Risiken damit jeweils verbunden sind.