Ja, es gibt auch weibliche „Zocker“!

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23. Oktober 2010 Print This Post

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Die Diskussion über Computerspiele ist teilweise immer noch stark geprägt von Klischees und Stereotypen. Dabei hört man gewöhnlich vom männlichen Computerspieler, der abseits von sozialen Kontakten den virtuellen Krieg erlebt. Nicht gerade selten fällt auch das Wort „Killerspiel“ – „Ego-Shooter“, bei denen der Spieler aus der Ich-Perspektive heraus die Mitspieler mit Waffengewalt bekämpft. Um diese leidliche Debatte nicht weiter zu entfachen, konzentriert sich dieser Bericht mehr auf die weibliche Spielerschaft, die bisher vernachlässigt wurde.

Natürlich gibt es eine Vielzahl von Online-Spielen, bei denen sich Spieler und Spielerinnen gegeneinander messen können, doch kaum ein Spiel erfreut sich so großer Beliebtheit wie der Online-Taktik-Shooter „CounterStrike“ (zu deutsch: Gegenschlag). Millionen Spieler weltweit sind fasziniert von diesem Spiel.

Der Inhalt des Spiels ist schnell erklärt, eine Partei übernimmt die Rolle der Terroristen und versucht eine Bombe an einem bestimmten Platz auf der Karte zu platzieren. Die andere Partei, bestehend aus Elite-Polizisten, versucht dies zu verhindern. Gelingt es den Terroristen die Bombe zu legen, explodiert sie nach kurzer Zeit und die Gruppe der Terroristen hat gewonnen. Die Gruppe der Polizisten hat aber immer noch die Möglichkeit, die Bombe zu entschärfen, um dadurch das Spiel für sich zu entscheiden. Sind alle Mitglieder einer Partei virtuell bezwungen, so hat diese ebenfalls verloren. Zum Einsatz kommen Pistolen, Maschinengewehre und Granaten, welche eben auch im realen Pendant von Militär und Polizei verwendet werde, im Notfall versteht sich.

„CounterStrike ist ein sehr taktisches Spiel, bei dem vor allem die Koordination mit den Mitspielern für einen erfolgreichen Ausgang gefragt ist,“ berichtet uns Tanja Dittman, eine CounterStrike-Spielerin der ersten Stunde. „Zudem muss man gute Reflexe haben und reaktionsschnell sein,“ fügt sie hinzu. Weltweit haben sich inzwischen viele Spieler_Innen in sogenannten „Clans“ zusammengeschlossen, welche dann in organisierten Wettbewerben gegeneinander antreten. Ein „Clan“ besteht aus festen Mitgliedern, die stets zusammen spielen. Eine der größten Plattformen für digitale Turniere ist die „Electronic-Sports-League“ oder kurz „ESL“.

Da inzwischen auch viele Frauen gerne CounterStrike Spielen, haben sich die Macher der „ESL“ vor einiger Zeit überlegt, eine eigene Liga für weibliche Spieler zu organisieren. Das Ergebnis ist die sogenannte „ESL Female League“, die deutschland‑ sowie auch europaweit existiert. Hier treten jene „Clans“ gegeneinander an, bei denen nur weibliche Spieler rekrutiert sind. Das Konzept scheint aufzugehen, da sich mittlerweile in zwei Spielkategorien jeweils elf rein weibliche Teams gegenüberstehen. Und das allein in der deutschlandweiten Liga.

Doch Warum sollen Männer und Frauen nicht zusammen spielen? Einen physischen Nachteil wie er beim Sport in der Realität üblich ist, ist genau genommen nicht vorhanden. Eine der besten CounterStrike‑ Spielerinnen ist Sabrina Burkhart. Sie spielt ausschließlich mit Männern zusammen und erklärt medienbewusst.de warum das so ist. „Bei Frauenteams kommt einfach Zickenkrieg vor. Außerdem wollen Frauenteams unbedingt gewinnen, was dazu führt, dass sie nur gegen andere Frauenteams spielen. Nur so rechnen sie sich eine Chance aus.“ Dies kann einer der möglichen Gründe sein, warum weibliche Spieler lieber gegen dass eigene Geschlecht antreten wollen. Sabrina Burkhart glaubt nicht an einen Erfolg von Frauenligen. „Ich sehe für Frauenligen in absehbarer Zeit überhaupt keine Zukunft.“

Der Erfolg der „ESL Female League“ spricht dagegen eine andere Sprache und Tanja Dittmann argumentiert wie folgt: „Frauen haben einfach eine andere Spielmentalität als Männer. Zudem sind Frauen einfach die besseren Verlierer, regen sich nicht über jeden Fehler im Spiel auf und sorgen dadurch für eine „entspannte Spiele-Atmosphäre.“

Wie dem auch sei, Sozialforschungen zeigen, dass das Computerspiel schon seit langem keine reine Männerdomäne mehr ist. Frauen spielen teilweise sogar länger und auch öfter als Ihre männlichen Kollegen, was allerdings sehr stark vom Spielegenre abhängt. Danach bevorzugen sie eher die Spiele, die auf ein dauerhaftes Spielen angelegt sind, hingegen Männer dem kurzen Spielvergnügen mehr Freude abgewinnen können. Die Angaben beziehen sich auf Untersuchungen und Studien aus dem Buch: „Die Computerspieler: Studien zur Nutzung von Computergames“ von Thorsten Quandt, Jeffrey Wimmer und Jens Wolling.

Bisweilen wird in der „ESL Female League“ nur CounterStrike gespielt, aber vielleicht kommt zukünftige das eine oder andere Spiel noch hinzu. Die Entwicklungen in diesem Sektor werden also weiterhin mit Spannung verfolgt.

Jörg Blache

Bildquelle:
© El Gaucho – Fotolia.com

*Weitere Informationen zur e-Sport-Szene unter: http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/141228/

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