Free-2-Play: Wenn Spielen nichts kostet

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20. Juli 2011 Print This Post

Farmerama, Kapi-Hospital oder Travian sind nur einige Beispiele für sogenannte „Free-2-Play Spiele“, die dem geneigten Spieler aktuell durch TV-Werbung schmackhaft gemacht werden sollen. Free-2-Play Spiele, also Spiele die zumindest in einer Grundversion für jedermann kostenlos im Internet zur Verfügung stehen, boomen. Wie dieses Konzept entstand, wie es funktioniert und ob die Spieler sich zur Finanzierung auf viel Werbung gefasst machen müssen, erzählte Janine Griffel vom deutschen Online-Anbieter Bigpoint im Gespräch mit medienbewusst.de.

Frau Griffel, wo sehen Sie von Bigpoint ihre Zielgruppe ?

Das variiert von Spiel zu Spiel. Von unseren über 60 Spielen ist etwa bei Seafight oder Dark Orbit (Piraten‑ bzw Weltraumspiele, Anm. ⅾ. Red) die Zielgruppe zu 80 % männlich, wohingegen ein Spiel wie Farmerama viel von Frauen gespielt wird, da bereits die grafische Darstellung ein hauptsächlich weibliches Publikum anspricht. Die Altersgruppe liegt dabei insgesamt bei 20 bis 25 Jahren.

Was war ausschlaggebend für die Entscheidung, die Spiele kostenlos im Internet anzubieten und nicht wie andere Casualgames normal über den Einzelhandel?

Das ist begründet in der Unternehmensgeschichte. Unser Gründer Heigo Hubertz hatte 2003 angefangen mit einem Freund einen Fußballsimulator zu entwickeln, den man nicht nur gegen den Computer sondern auch gegen seine Freunde spielen kann. Irgendwann zeigte sich, dass immer mehr Freunde auch selbst Bekannte zu dem Spiel einluden, was recht bald zu höheren Serverkosten führte. Da man dem Freundeskreis keine monatliche Abo-Gebühr berechnen wollte, entschied man sich, bessere Spieler für Centbeträge zu verkaufen. 2005 ging dieses Spaßprojekt in das heutige Unternehmen Bigpoint auf , das ursprüngliche Bezahlmodel blieb dabei jedoch bestehen.

Werden auch durch Spieler, die nur die kostenlose Fassung der Spiele spielen, Gewinne erwirtschaftet oder laufen diese eher nebenher?

Das, worum es beim Spiel geht, ist ja in erster Linie Spielspaß. Bei den von uns angebotenen Multiplayerspielen müssen dafür natürlich jede Menge Spieler vorhanden sein. Hätten wir nur die zahlenden Kunden, würde es natürlich nur sehr wenig Spaß machen. Wir sind also dankbar für jeden Spieler, auch wenn er nicht für das Spiel bezahlt.

Sie schalten also auch keine Werbung  in den Spielen?

Nein, Werbung gibt es in unseren Spielen nicht.

Bigpoint spezialisiert sich größtenteils auf Browser Games, doch auch immer mehr „große“ Spiele z.B. Lord of the Rings Online wurden kürzlich auf das Free-2-Play System umgestellt. Glauben Sie, dass sich dieses Preismodel auf Dauer durchsetzen kann?

Ich glaube auf jeden Fall, dass sich dieses Geschäftsmodel durchsetzen wird, weil ich es auch für das fairste Model halte. Sie haben viel geringere Anfangskosten, sie können einfach losspielen.Wenn ihnen ein Spiel dann Spaß macht, zahlen sie dafür, wenn es ihnen nicht zusagt, hören sie wieder auf, ohne vorher 50 € für einen Boxed Titel ausgegeben zu haben.

Wie würden Sie das finanzielle Risiko im Free-2-Play Markt im Vergleich zum klassischen Computerspielemarkt sehen?

Ich glaube, dass sich dieses Risiko heute relativ wenig unterscheidet, da sie trotz der hohen Entwicklungskosten nicht immer voraussagen können, wie sich ein Titel verkaufen wird. Ich denke jedoch, dass für eine Firma wie Bigpoint im Free-2-Play Markt, der Druck Spiele zu entwickeln, die auch wirklich Spaß machen, um einiges höher ist.

medienbewusst.de bedankt sich bei Janine Griffel für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

Andreas Reuther

Bildquellen:
Porträtfoto zur Verf. gestellt ⅴ. Janine Griffel
© flickr.com – mercre

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