Let’s playen – Ein Interview mit Konstantin Winkler

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28. Mai 2013 Print This Post

nerdderby_588_300Konstantin Winkler (Konni) von Nerdderby.de hat sich die Zeit für uns genommen und einige Fragen zu Let’s Plays beantwortet. Konstantin ist 32 Jahre und ist seit den späten 80ern Videospiele-Begeisterter. Zusammen mit Pechi und Flo füttert er Nerdderby.de täglich mit neuen Videos und Informationen. Was man alles beachten muss und das die Wunschvorstellungen von einigen nicht sofort erfüllt werden können, hat er uns im Interview verraten. Auf die Fragen, fertig, los!

Hallo Konni, wie bist du ein Let’s Player geworden bzw. wie kam es dazu?

Konni: Ich habe mit zwei Freunden ein Gaming-Blog über Retro‑ und Indiegames. Irgendwann spielten wir online gegeneinander Civilization 5 und kamen dann auf die Idee, das aufzuzeichnen, um das Angebot auf dem Blog um Bewegtbilder zu erweitern. Wir hatten so viel Spaß beim Zocken, dass wir dachten, es könnte auch anderen gefallen. Inzwischen produzieren wir im Schnitt täglich ein Video.

Was sollten Neulinge in der „Branche“ alles beachten?

Konni: Sie sollten vielleicht ihre Erwartungshaltung nicht allzu hoch stecken. Videos bei YouTube gibt es wie Sand am Meer. Weder bekommt man schnell hohe Klickzahlen noch wartet da das große Geld auf einen. Nur einige wenige Let’s Player sind so erfolgreich, dass sie sich davon über Wasser halten können. Aber wirklich lukrativ sind diese Angebote – zumindest in Deutschland – (noch) nicht. Außerdem sollten sie den Zeitaufwand nicht unterschätzen, den das Produzieren von Videos kostet. Zumindest wenn sie einem gewissen Standard entsprechen sollen. Aber wer Spaß am Spielen hat und andere Leute unterhalten oder Tipps zu Spielen geben kann, sollte es auf jeden Fall versuchen!

Was unterscheidet in deinen Augen ein gutes Let’s Play von einem schlechten und was würde man für professionelle Let’s Plays benötigen?

Konni: Das liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Als schlecht empfinde ich Let‘s Plays von Leuten, die einfach darauf los erzählen, dabei ihre Stimme übertrieben verstellen, um entweder cool oder älter zu klingen. Let‘s Player, die sich ständig versprechen, nerven mich auch ziemlich schnell. Ein gutes Let‘s Play braucht in erster Linie jemanden, der authentisch ist. Ein Gamer, der das Spiel in einer sympathischen Art präsentiert ohne aufgesetzt zu wirken. Außerdem sollte die Videoqualität mindestens bei 720p liegen und der Mikrofon-Sound sollte nicht verzerrt sein. Wenn die Musik des Games zu laut ist, wird das Zuhören anstrengend.

Wie würdest du eure Zuschauer einschätzen? Schauen euch eher junge oder ältere Interessierte zu?

Konni: Das hängt davon ab, ob jemand NerdDerby als Kanal abonniert hat oder beim Suchen nach bestimmten Spielen auf uns gestoßen ist. Ich weiß von 14-Jährigen die zuschauen, aber auch Versicherungsmakler die Mitte/Ende 30 sind. Videogames sind ja inzwischen in der breiten Masse angekommen. Da zockt ein Richter auch mal FIFA nach dem Feierabend. Und so verhält es sich dann auch mit dem Konsum von Let‘s Plays. Wer sich für Spiele interessiert und dabei nach Tipps sucht, oder aber generell wissen will wie ein Spiel aussieht, landet oft bei Let‘s Plays. Das ist unabhängig vom Alter.

Wie glaubst du wirken gute bzw. schlechte Let‘s Plays auf die jungen Zuschauer?

Konni: Sie animieren ein Spiel zu spielen oder es eben bleiben zu lassen. Ob das allerdings von der Qualität der eigentlichen Videos abhängt, ist fraglich. Ich habe auch schon Let’s Plays gesehen, die mir von der Machart her gar nicht gefallen haben. Dann habe ich das Video auf lautlos gestellt und mir lediglich ein Bild vom Spiel selbst gemacht.

Wie stark achtest du auf Jugendschutz bei deinen Let‘s Plays? (Bsp. Spiele ab 18 und deine Kommentare)

Konni: Wir konzentrieren uns bei NerdDerby sehr auf den Indie-Bereich. Da kommt es weniger vor, dass man mit Gewalt oder Sex konfrontiert ist. Wenn zwei Pixel-Männchen herum laufen und mit Pixelkugeln schießen, ist das natürlich so abstrakt, dass ich hier keine Bedenken habe. In unseren Kommentaren während der Spiele wollen wir auch nicht bewusst provozieren oder gar beleidigend werden. Klar, rutscht ein „Du Arsch!“ schon mal raus, aber auch das halte ich nicht für jugendgefährdend. Wir machen das mit einem gesunden Menschenverstand und mit einer normalen Kommunikation. Da ist es nicht einmal nötig extra auf den Jugendschutz zu achten. Wir sind da, so hoffe ich, feinfühlig genug.

Warum glaubst du schauen diese jungen Zuschauer deine bzw. andere Let’s Plays? Wegen der Unterhaltung, dem Informationsgehalt, evtl. Werbung(Kaufinteresse an dem Spiel) oder aus Zeitvertreib?

Konni: Vermutlich spielen alle Gründe dabei eine Rolle. Bei mir ist es meist ein generelles Interesse an einem Spiel, von dem ich dann wissen möchte, wie es aussieht und wie die Spielmechanik funktioniert. Andere wiederum finden den Unterhaltungsaspekt groß, wenn mehrere Spieler auf einem Server bei Minecraft ums Überleben kämpfen. Bei Strategiespielen, die tiefergehende Taktik erfordern, hole ich mir gerne auch Tipps von Spielern ab, die in der Materie stecken. Dadurch, dass Publisher oft auf die klassische Anleitung verzichten oder diese nur minimalistisch und oft digital beifügen, ist man meistens auch gezwungen sich im Netz umzuhören.
Glaubst du, dass Let’s Plays in naher Zukunft sogar ein gewisser Bildungsersatz oder zumindest wichtige Lernquellen sein könnten? (Bezogen auf das Spiel, aber auch die Kommentare des Let’s Players)
Konni: Bei klassischen Let’s Plays glaube ich das nicht. Allerdings sehe ich virtuelle Klassenräume für Schulen und Universitäten auf jeden Fall stärker im Kommen. Natürlich gibt es auch Spiele mit Lerneffekt. Aber die ziehe ich mir nicht in einem Let’s Play rein. Ich denke, das Interesse ist da auch bei jüngeren Leuten eher überschaubar, da steht vielmehr die Unterhaltung im Vordergrund als der Lerneffekt.

Vielen Dank für deine Zeit!

Michael Zierenner

Bildquellen:
© nerdderby.de

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