Kinder bleiben dem Fernseher treu – KIM-Studie 2008

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16. März 2009 Print This Post

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Welche Rolle spielen Medien im Alltag unserer Kinder? Mit dieser Frage beschäftigen sich die KIM-Studien alle 1 bis 2 Jahre. Pünktlich Zur Bildungsmesse didacta wurden nun die aktuellen Daten vorgelegt. Darunter auch neue Erkenntnisse zur Nutzung von Computer‑ und Konsolenspielen. Wichtigste Erkentnis: trotz Computer und Internet bleiben die Kinder dem Fernseher treu.

Wie in den Jahren zuvor untersuchte der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (MPFS) die Mediennutzung von Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren. Dazu wurden 1.206 Schüler und deren Erziehungspersonen (Haupterzieher) in der Zeit vom 29. Mai bis 10. Juli 2008 befragt. Auch dieses Mal standen Themen, wie die allgemeine Mediennutzung der Kinder, deren Freizeitgestaltung und natürlich auch die Medienwahrnehmung der Eltern, im Fokus der Untersuchung.

Fernsehen
Ungebrochen steht das Fernsehen auf Platz eins der beliebtesten und häufigsten Medienbeschäftigungen von Kindern. Mit der höchsten täglichen Nutzung von 91 Minuten ist es das Medium, auf das zwei Drittel der Kinder am wenigsten verzichten wollen.  Nach Angaben der Haupterzieher haben sogar 42 Prozent der Kinder –neben dem fast obligatorischen gemeinschaftlichen Fernseher‑ ein eigenes Gerät im Zimmer. Dennoch findet die Fernsehnutzung der meisten Kinder in enger Abstimmung mit den Eltern statt. Fragt man die Kinder nach ihrer Lieblingssendung, so steht vor allem bei den Jüngsten „SpongeBob Schwammkopf“ auf dem ungeschlagenen Platz eins. Gefolgt wird dieser von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und den „Simpsons“ auf dem zweiten und der „Sportschau“ (allerdings nur bei den Jungen) und der „Sendung mit der Maus“ auf dem dritten Platz. Bei den Lieblingssendern kletterte, im Gegensatz zu 2006, der Kinderkanal von Platz zwei auf eins und verdrängte Super RTL von der Siegerposition. Weitere beliebte Sender sind RTL, RTL II, Pro7 und NICK, der auf dem letzten Platz liegt.

Musik
Neben dem Fernsehen spielt bereits Musik eine große Rolle im Alltag vieler Kinder. So hört ein Viertel von ihnen jeden oder fast jeden Tag Musik-CDs, zwei Fünftel nutzen einmal pro Woche den MP3-Player und ein Fünftel musiziert mindestens einmal pro Woche. Neben der privaten Musik hört jedes zweite Kind regelmäßig Radio, was im Vergleich mit 2006 leicht rückläufig ist. Dagegen hat die Nutzung von MP3-Daten in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen. So besitzt bereits jedes dritte Kind einen eigenen MP3-Player und 15 Prozent der Kinder hören jeden oder fast jeden Tag Musik über diesen. Bei den Interpreten steht, wie 2006, vor allem eine Band an der Spitze: „Tokio Hotel“. Weitere sind Mark Medlock, Rihanna, LaFee, Be Four und Thomas Godoj. Interessant ist, dass die unter den Aspekten des Jugendschutzes kritisch diskutierten Rapper, wie Bushido und Sido, fast keine Rolle in der Musikwelt der Kinder spielen. So wurden sie lediglich von 2 bzw. 1 Prozent der Kinder als Lieblingssänger benannt.

Computer
Mit 88 Prozent gehört der Computer, wie ein Fernsehgerät, heutzutage zum festen Equipment in deutschen Haushalten. Sogar ein Viertel der Kinder hat einen eigenen Computer zur Verfügung. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass 78 Prozent der Kinder bereits Erfahrungen im Umgang mit dem Computer besitzen. Von diesen nutzt fast ein Drittel den Computer jeden bzw. fast jeden Tag und über die Hälfte sitz ein‑ oder mehrmals pro Woche vorm Rechner, wobei die Nutzung hinsichtlich 2006 stagniert. Dabei zählt Spielen zu der häufigsten Computertätigkeit. Beliebt sind dabei vor allem Spiele wie „Super Mario“, „Die Sims“, das Fußballspiel „FIFA“, „Pokémon“, Autorennspiele, „Nintendogs“ und „Sponge Bob“. Vor allem hinsichtlich der aktuellen Debatte um Killerspiele spielt die Alterskennzeichnung der USK eine große Rolle. In diesem Zusammenhang gaben 30 Prozent der Nutzer an, bereits Spiele gespielt zu haben, für die sie noch zu jung waren. Befragt man die Eltern zu den USK-Angaben, so schätzen 90 Prozent diese als gute Orientierung ein. Nichtsdestotrotz vertrauen auch die Hälfte der Eltern auf Ratschläge von anderen Eltern. Alarmierend ist allerdings, dass die USK-Angaben für etwa 40 Prozent keine Relevanz beim Kauf haben und einem Viertel sind diese Angaben kaum oder gar nicht bekannt.

Internet
Gefolgt von den Computerspielen ist die Onlinenutzung die zweithäufigste Beschäftigung am Computer. Dies ist bei der wachsenden Internetausstattung der Haushalte nicht verwunderlich. Hatten 2005 nur 73 Prozent der Haushalte Zugang zum Internet, so liegt der Anteil 2008 bereits bei 85 Prozent. Folgedessen stieg auch die Zahl der Internetnutzer im Alter von sechs bis 13 auf 59 Prozent, wobei die Nutzung mit dem Alter kontinuierlich zunimmt: So hat nur jeder fünfte Sechs‑ bis Siebenjährige bereits Erfahrung mit dem Internet gesammelt, bei den Acht‑ bis Neunjährigen sind es bereits die Hälfte, in der Altersgruppe von Zehn bis Elf steigt der Anteil auf 79 Prozent und bei den Ältesten, also den Kindern im Alter von 12 bis 13, liegt der Anteil bei 89 Prozent. Analog dazu stieg auch die Internetnutzung im Vergleich zu 2006. Heutzutage gehen zwei Drittel der Internetnutzer mindestens einmal pro Woche ins Internet (2006: 58 %) und 17 Prozent jeden bzw. fast jeden Tag (2006: 14 %).
Wenn Kinder online sind, dann nutzen sie am häufigsten Suchmaschinen für Kinder, gefolgt von Recherchen für die Schule, außerschulische Interessen und der Umgang mit speziellen Kinderangeboten. Kommunikative Angebote, wie Chatten und Mailen, spielen bei den Kindern noch eine noch untergeordnete Rolle. Dennoch tummeln sich einige Kinder in Chatrooms oder Communities. So gaben 37 Prozent der Kinder an, gelegentlich Chatrooms zu nutzen, dabei bevorzugt ein Fünftel „ICQ“, jeder Zehnte „SchülerVZ“ und 8 Prozent „Knuddels.de“. Beunruhigend dabei ist, dass die Kinder meistens unbewachte Chats wie ICQ bevorzugen! Eine weitere Gefahr bei der Internetnutzung ist die Herausgabe von persönlichen Daten in Communities. So veröffentlicht jeder zehnte Internetnutzer zwischen sechs und 13 Jahren persönliche Informationen im Internet, wie Hobbys, die eigene E-Mail-Adresse oder Fotos bzw. Filme. Glücklicherweise werden aber Daten wie Bilder von Freunden und der Familie und die eigene Handynummer deutlich seltener online gestellt.
Beim weiteren Surfen im Netz besuchen Kinder besonders gern die Seite des KIKAs, YouTube, das Onlineangebot von SuperRTL und die Community „SchülerVZ“. Dabei verlassen sich 75 Prozent der Kinder auf die Tipps ihrer Freunde. Das Fernsehen (38%), Suchmaschinen (34%), Eltern (29%) oder Lehrer (26%) werden außerdem als Beratungsquelle genutzt. Bedenklich ist allerdings, dass fast jeder Vierte Internetseiten durch einfaches Ausprobieren entdeckt. Dies ist insofern problematisch, dass Kinder auf diesem Weg schnell auf Seiten gelangen können, deren Inhalte nicht für sie bestimmt sind. So gaben 8 Prozent der Internetnutzer an, dort schon einmal auf Sachen gestoßen zu sein, die ihnen unangenehm waren oder ihnen Angst gemacht haben. Um sich davor zu schützen, kann man Filtersysteme installieren. Die Meinungen der Haupterzieher darüber variiert allerdings. Nur ein gutes Viertel von ihnen gab an, ein solches Programm auf dem Rechner installiert zu haben, wovon nur 32 Prozent damit sehr zufrieden, 69 Prozent weitestgehend zufrieden waren. So bemängeln sie, dass die Filterprogramme zu wenig nach dem Alter differenziert sind oder die Installation zu kompliziert ist. Des Weiteren stimmen der Aussage „Wenn ein Filterprogramm installiert ist, kann ich mein Kind unbesorgt das Internet nutzen lassen“ nur 7 Prozent voll und weitere 26 Prozent weitgehend zu. Ein Drittel kennt keine Filterprogramme und weiß nicht, wo man sich über diese Programme informieren kann. So muss noch einiges an Aufklärungsarbeit und technischer Entwicklung für die Sicherheit im Internet geleistet werden.

Handy
Neben dem Internet erfreut sich auch das Handy immer größerer Beliebtheit. Je älter die Kinder werden, desto eher nennen sie ein Handy ihr Eigen: Im Alter von sechs bis sieben Jahren hat jedes fünfte Kind ein eigenes Handy, bei den Acht‑ bis Neunjährigen bereits jedes dritte. Diese Zahl verdoppelt sich bei den Zehn‑ bis Elfjährigen auf zwei Drittel und bei den Zwölf‑ bis 13-Jährigen gehört das Handy letztendlich zur Grundausstattung. Die Anschaffung eines Handys geht dabei vor allem von den Kindern aus (70%). Deutlich seltener fand ein Handykauf auf Initiative der Eltern (16%) oder auf beidseitiger Initiative (13%) statt. Die Ausstattung der Handys erinnert meistens eher an Geräte für Erwachsene als für Kinder. So haben zwei Drittel der Handys eine Kamera, jedes dritte ermöglicht einen Datenaustausch per Bluetooth oder eine Radio‑ oder MP3-Funktion. Bei einem Sechstel der Geräte ist sogar ein Zugang zum Internet möglich. Genauso viele Handys ermöglichen den Eltern durch GPS eine Ortung ihrer Kinder. Beruhigenderweise nutzen Kinder ihr Handy jedoch primär zu Kommunikation. Allerdings erlagen 38 Prozent der Kinder Werbung für Handyapplikationen und bestellte entweder Klingeltöne oder Logos. Dieser Anteil steigt mit zunehmendem Alter: So kaufen weniger als ein Viertel der Sechs‑ bis Neunjährigen solche Unterhaltungsprodukte, ein Drittel der Zehn‑ bis Elfjährigen und bereits jeder Zweite bei den 12‑ bis 13‑ Jährigen. Beim Handy in Kinderhand sollte somit sowohl auf die Gefahren durch die Ausstattung und die möglichen Kostenfallen geachtet werden.

Medienwahrnehmung der Haupterzieher

Um ihre Kinder vor den Gefahren der Medien zu schützen, müssen vor allem Eltern Aufklärungs‑ und Beratungsarbeit leisten. Allerdings liegt das Thema „Kinder und Medien“ beim Interesse der Haupterzeiher nur auf dem siebten Platz (54%). So liegen Schule (74%), Erziehungsfragen (73%) und Liebe und Partnerschaft (72%) auf den ersten Plätzen der wichtigsten Interessenbereiche. Das Schlusslicht bilden „Computerspiele“, für die sich nur jeder Zehnte stark interessiert. Vor allem die elektronischen Medienangebote wie Filme, Fernsehsendungen oder Internetangebote rufen bei den Eltern Sorgen hervor. So werden diese als größte Quelle für die Gewaltbereitschaft von Kindern und für ungeeignete Dinge wahrgenommen, mit denen Kinder nicht konfrontiert werden sollten. Das Fernsehen fungiert aber auch als wichtiges Medium, wenn es um Darstellungen des realen Lebens bzw. um die Akzeptanz der Kinder im Freundeskreis oder die Vermittlung von Werten und Normen geht.

Die KIM-Studie 2008 hat wieder ein Mal gezeigt, welchen großen Stellenwert Medien im Alltag von Kindern einnehmen. Vor allem neue Medien, wie das Internet und das Handy, haben endgültig den Einzug in das Leben der Kinder gefunden. Mit diesen entstehen aber auch neue Gefahren und Probleme, dessen sich die Eltern und Lehrer bewusst sein sollten. Allerdings hat die Studie gezeigt, dass vor allem im Bereich der Medienerziehung noch jede Menge Aufklärungsarbeit zu leisten ist, um Kindern einen gefahrlosen Umgang mit den Medien beizubringen. Aus diesem Grund muss neben der steigenden Medienausstattung der Haushalte und Schulen gleichzeitig ein größerer Raum für Fragen der Medienerziehung und –aufklärung geschaffen werden.

Anne Hensel

Quellen:
KIM-Studie 2008 vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest abrufbar unter: http://www.mpfs.de

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