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21. Juli 2011 Print This Post

Bereits seit 1997 gibt es in den Vereinigten Staaten ein System, das das Fernsehverhalten seines Benutzers speichert und ihm dadurch ein möglichst personalisiertes Programmangebot bieten kann. Mit eben diesem Versprechen brachte Axel Springer 2010 watchmi auf den deutschen Markt, verfügbar als Gratis-Software für Windows-PCs oder in Form der von Max Technologies entwickelten Set-Top-Box Eviado One zum Anschluss an das TV-Gerät. medienbewusst.de sprach mit dem verantwortlichen Produktmanager Jörg Schindler über das System „watchmi“ und darüber, inwiefern es Eltern bei der Programmkontrolle unterstützen kann.

Herr Schindler, welches sind ihre Aufgaben als Produktmanager bei „watchmi“?

Als Produktmanager bei Axel Springer Digital TV Guide GmbH bin ich unter anderem für die Windows-Umsetzung von watchmi zuständig. Meine Verantwortung umfasst dabei – ausgehend von Markt‑ und Kundenbedürfnissen – neue Features zu definieren und zu priorisieren, neue Versionen der Software zu planen  und generell die Weiterentwicklung des Produkts zu begleiten. Bei der Integration von watchmi auf die sogenannten Set-Top-Boxen wirke ich in Produktfragen beratend mit.

Erklären Sie unseren Lesern bitte kurz, was „watchmi“ genau ist.

watchmi ist ein kostenloser Dienst, der automatisch TV-Sendungen aufnimmt und in persönlichen, ganz auf ihn zugeschnittenen TV-Kanälen organisiert. So kann der Nutzer beispielsweise seine Lieblingskrimis in seinem persönlichen Krimi-Kanal immer dann schauen, wenn er Zeit und Lust hat, unabhängig von der Ausstrahlungszeit der Sendungen. Die zugrundeliegende Empfehlungslogik von APRICO (Philips) ist selbstlernend, um die Sehgewohnheiten des Nutzers in einem Entwicklungsprozess immer genauer erfassen zu können.

Um die Empfehlungslogik zu trainieren, genügen einige einfache Interaktionen wie „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“. Davon ausgehend nimmt watchmi passende Sendungen automatisch auf, ohne dass der Nutzer sie umständlich programmieren müsste. Außerdem werden weitere, ähnliche Sendungen vorgeschlagen.

Ein entscheidendes Merkmal von watchmi ist zudem, dass der Nutzer sich nicht durch komplizierte Menüs oder Ordnerstrukturen klicken muss. Vielmehr kann er ganz einfach, wie gewohnt, durch die Kanäle zappen, aber eben nicht nur durch die herkömmlichen Live-TV-Kanäle, sondern auch durch seine persönlichen Kanäle mit TV-Aufnahmen und Themenkanäle mit Internetvideos.

Warum ist watchmi kostenlos und welche Vorteile hat das für den Nutzer?

watchmi finanziert sich über Werbeclips, die zielgerichtet und personalisiert in den persönlichen Kanälen des Nutzers platziert werden. Die Werbung ist „permission-based“, das heißt, der Nutzer kann sie jederzeit überspringen, wenn sie ihn nicht interessiert. Somit hat der Nutzer den Vorteil, dass er für den Dienst watchmi nichts bezahlen muss und im Idealfall nur solche Werbung präsentiert bekommt, die für ihn relevant ist.

Nun gibt es ja schon etwas länger Software, mit der Eltern kontrollieren können, welche Internetseiten ihre Kinder aufrufen dürfen und welche nicht. Gibt es so etwas Ähnliches auch bei watchmi?

In watchmi als PC-Software (Media Center Plug-In) ist eine solche Sperrfunktion derzeit nicht verfügbar. Die „Eviado One Set-Top-Box“ erlaubt immerhin, einzelne Live-TV-Sender per Passwort vor unberechtigtem Zugriff zu schützen. Allerdings ist dieser Schutz auch auf der „Eviado One“ derzeit nicht für die persönlichen Kanäle möglich.

Lässt sich das Programm kindgerecht über mögliche Altersbegrenzungen aussuchen?

Eine strikte Auswahl nach FSK gibt es in watchmi momentan nicht. Wenn der Nutzer jedoch einen persönlichen Kanal mit Kinderprogrammen anlegt, wird die Empfehlungslogik von sich aus nur weitere, thematisch passende Kinderprogramme in diesen Kanal aufnehmen.

Nach welchen Kriterien werden Kindersendungen von watchmi ausgesucht?

Die Empfehlungslogik von watchmi wertet insgesamt über 40 verschiedene Kriterien (Metadatenfelder) aus, die weit mehr umfassen als nur einfache Kategorien. Am stärksten ausschlaggebend wäre dabei im konkreten Fall die mehrstufige Genre-Einordnung der Sendungen, zum Beispiel „Kindersendungen – Zeichentrick“.

Welche Internetangebote bietet watchmi konkret für Kinder an?

Zurzeit gibt es noch keinen Themenkanal in watchmi mit Internet-Videos speziell für Kinder. Es gibt aber einen redaktionell gepflegten Themenkanal „TV DIGITAL Kinder“, der empfohlene Kindersendungen automatisch aus dem TV aufnimmt.

Herr Schindler, sie haben selbst Kinder. Benutzen Sie watchmi, um deren Fernsehverhalten besser zu kontrollieren?

Meine Zwillinge sind erst ein Dreivierteljahr alt und damit zum Fernsehen noch zu klein. Wenn sie älter sind, werde ich watchmi sicher auch dafür nutzen, schöne Kindersendungen zu finden und für sie aufzuzeichnen. Die tatsächliche Kontrolle, was und wie viel meine Kinder letztendlich wirklich schauen, möchte ich persönlich jedoch nicht ausschließlich einem technischen System überlassen.

medienbewusst.de bedankt sich bei Jörg Schindler für das Interview und wünscht viel Erfolg für die Zukunft.

Tanja Höft

Bildquellen:
Porträtfoto zur Verf. gestellt ⅴ. Jörg Schindler
© Brian Gudas Photography – flickr.com

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