The Voice of Germany – Ein Kommentar

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29. Januar 2012 Print This Post

Mit einer Goldenen Kamera in der Kategorie „Beste Unterhaltung“ wird in der ersten Februarwoche die Castingshow „The Voice of Germany“ ausgezeichnet. Seit November des vergangenen Jahres bestimmen fünf deutsche Musikstars auf ProSieben und Sat.1 wöchentlich über das Schicksal talentierter Sänger und Sängerinnen. Die Produzenten preisen „The Voice of Germany“ als neuartige Castingshow, in der es nicht darum geht, Kandidaten vorzuführen, sondern echte Talente zu entdecken. Ob die Show hält was sie verspricht, hat medienbewusst.de für Sie überprüft.

Neuartiges Konzept setzt auf die Stimmen der Kandidaten

Das Prinzip der neuen Castingshow ist verblüffend einfach: die vier Jury-Mitglieder Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey und das Duo The BossHoss stellen sich jeweils ein Team zusammen, das aus möglichst talentierten und einzigartigen Sängern und Sängerinnen besteht. Für diesen Teil der Show prophezeite John de Mol, Erfinder dieser Castingshow und einer der größten Fernsehproduzenten Europas, eine faire Bewertung, bei der alleinig das gesangliche Talent zähle. Realisiert wurde dies in der ersten Phase der Fernsehsendung mit den sogenannten Blind Auditions. Dazu saßen die Jury-Mitglieder mit dem Rücken zur Bühne und mussten sich ganz auf ihr Gehör verlassen. 150 Teilnehmer versuchten die Jury auf diesem Wege einzig und allein mit ihren Stimmen zu überzeugen. In den folgenden Wochen wurden die Jury-Mitglieder zu Coaches ihrer Teams und im weiteren Auswahlverfahren sangen zwei Mitglieder eines Teams in einem Duett gegeneinander. Aktuell laufen wöchentlich die Live-Shows, bei welchen die Coaches und die Zuschauer über die verbliebenen 24 Kandidaten entscheiden.

Das Konzept der Show ist wirklich erfrischend, da sie nicht auf Stilmittel zurückgreift wie sie heutzutage in fast allen Castingshows üblich sind. Wie die guten Quoten zeigen, kam dies auch bei den Zuschauern gut an, da die stimmliche Leistung auch vor dem Bildschirm merklich in den Vordergrund rückte. Entgegen den Konzepten der zahlreichen Talentshows soll es hier weniger um das Gesamtpacket und die Schicksalsgeschichte der Kandidaten gehen, sondern verstärkt um die Stimme. Aus diesem Grund wurde zuvor von Castingscouts eine Vorauswahl getroffen, um nicht die Castings selbst in das Zentrum der Sendung zu rücken, wie es bei anderen Castingformaten wie Deutschland sucht den Superstar (RTL) der Fall ist. Dadurch verzichtet die Show darauf, ihre Kandidaten bloßstellen. Auch füllt The Voice die Sendezeit nicht damit, dass die Kandidaten umfangreich vorgestellt und in ihrem Privatleben begleitet werden. Hier wird sich darauf beschränkt, die Familienmitglieder der Kandidaten im Backstage-Bereich einzublenden, um Empathie beim Zuschauer zu erzeugen. Positiv fällt darüber hinaus auf, dass die Auftritte nicht in einzelne Stücke zerschnitten wurden, die dann unzählige Male wiederholt werden – in Zeitlupe, in schwarz-weiß oder mit verzerrten Stimmen.

Juroren als Coaches

Die Jury-Mitglider sind Profis und bezeichnen sich selbst als Coaches, die ihre Kandidaten fördern wollen. Sie entscheiden über die Auswahl der Lieder, geben Tipps gegen Lampenfieber und feilen an der Bühnenpräsenz. Die Fünf geben sich betont menschlich und auf Augenhöhe mit ihren Team-Mitgliedern. Peter von Wienhardt, Pianist und Professor für Klavier und Crossover der Universität Münster, beurteilt die Bewertungen der Coaches zwar weniger als professionell und sinnvoll, aber „die Bewertungen sind human und das ist das Wesentliche.“ Trotz Rivalitäten und dem ein oder anderen gutgemeinten Schlagabtausch haben die fünf Coaches sichtlich Spaß an ihrer neuen Aufgabe gefunden. Auf die Frage, ob sie Angst vor der Konkurrenz habe, antwortet Nena: „Ach wir haben doch alle keine Angst. Wir haben Spaß! Das ist eine Show hier!“ Prof. Wienhardt vermutet, dass Xavier Naidoo und Nena auf der Suche nach einer auffallenden und wiedererkennbaren Stimme seien, da sie selbst sehr charakteristische Stimmen hätten.

Echte Unterhaltung ohne Inszenierung auf Kosten der Kandidaten

Besonders deutlich zeigt sich zudem die höhere stimmliche Qualität, die auch auf einen höheren Anspruch der Kandidaten hinweist. Während Bohlen und Co. bei den vielen fraglichen und peinlichen Talenten meist nur noch die Augen verdrehen, so wagt die Voice of Germany-Jury schon mal ein Tänzchen zur Performance der Kandidaten. Diejenigen Zuschauer, welche die regelmäßigen Erniedrigungen durch flotte Sprüche eines Dieter Bohlens als Unterhaltung empfinden, werden mit einer Castingshow wie The Voice of Germany sicherlich nicht zufrieden sein. Auch Prof. von Wienhardt bewertet die stimmlichen Leistungen der Casting-Teilnehmer als durchweg sehr gut, jedoch könne er manche Entscheidungen der Jury während den Vorrunden nicht nachvollziehen. Viele der Teilnehmer seien Profis und wüssten mit ihrer Stimme umzugehen – umso erstaunlicher sei es, wenn ihre Darbietungen sehr overacted ausfielen. „Die ständigen Verzierungen, um eine Nummer noch wirkungsvoller zu machen, gehen immer zu Lasten der Stimme, was man dann bei den Semiprofis auch hören konnte.“ so Prof. von Wienhardt.

Erfolgversprechende Castingshow

Castingshows gibt es in Deutschland mehr als genug. The Voice of Germany positioniert sich jedoch bewusst anders als die RTL-Formaten Das Supertalent und Deutschland sucht den Superstar und bringt Neuerungen mit sich, die das Publikum würdigt. Dank gesanglichen Talenten und humorvollen Coaches überzeugt The Voice of Germany mit der humanen, ehrlichen Variante einer Castingshow. Es ist eine Show entstanden, die den Zuschauer den Genuss von echter Stimmqualität bietet. Der Spaß der Kandidaten und der Coaches überträgt sich letztlich auf die Zuschauer und so gewinnt die Show zahlreiche Fans, denen das anspruchsvolle Konzept gefällt. Davon zeugen 1,5 Millionen Facebook-Fans sowie die hohen Einschaltquoten der The Voice-Formaten in 27 Ländern.


Sendezeiten:
Do.: 20:15 Uhr auf ProSieben
Fr.: 20:15 Uhr auf Sat.1

Berit Prante

Bildquelle:
© ProSieben

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