Galileo – Über den Qualitätsverlust einer Wissenssendung

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12. April 2012 Print This Post

Zuschauer des Wissensmagazins bemängeln in Blogs und auf sozialen Plattformen die sinkende Qualität der Beiträge. Zudem bewertete die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) nun Inhalte der Sendung als entwicklungsbeeinträchtigend. medienbwusst.de hat sich die Kritikpunkte an der Wissenssendung mal etwas genauer angeschaut.

Der Grund für die sinkende Qualität sei laut Großteil der Blogger und Internetuser der sinkende Informationsgehalt der 1998 gestarteten Sendung. Diese Entwicklung drücke sich laut Usern des ProSieben-Forums vor allem in der häufigen Verwertung von altem Bildmaterial in neuen Kontexten, der hohen Beitragsanzahl zu gleichen oder ähnlichen Themen und der empfundenen Belanglosigkeit vieler Inhalte aus.

"Jumbo" Schreiner im Einsatz für Galileo

Mit dieser Meinung sind die Forums-Nutzer von ProSieben nicht allein. Einem Artikel des Magazins Spiegel zu Folge, sei die Bezeichnung Wissensmagazin für eine solche Sendung stark anzuzweifeln. Die Website fernsehkritik.tv bezeichnet Inhalte als „abstrus“ oder „gewaltverherrlichend“ und ein Blogger von blogspot geht sogar einen Schritt weiter. Seinen Ansichten nach, seien neben diesen gewaltverherrlichenden Aspekten sowohl die Häufung visueller sexueller Reize als auch der respektlose Umgang mit Nahrungsmitteln im Rahmen der Inhalte rund um Jumbo Schreiner (XXL-Speisen) auch in Hinblick auf die Jugendgefährdung kritisch zu hinterfragen.

Ähnliche Töne schlägt nun auch die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) an. In ihrem Prüfbericht des dritten Quartals 2011 tadelte die KJM der Landesmedienanstalten zwei Beiträge im Rahmen der ProSieben-Sendung Galileo. Konkret nahm die KJM zum einen Bezug auf einen 15-minütigen Beitrag mit dem Titel „Die härtesten Gefängnisse der Welt“. Massive oder auch drastische Gewalt‑ und Tötungsszenen seien hier aus Jugendschutzperspektiven sehr problematisch, da das Bildmaterial auf Grund seiner Realität besonders emotionalisierend und belastend wirke. Somit bestehe die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nachhaltig zu ängstigen und in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen. Des Weiteren erwähnte die KJM in ihrem Quartalsbericht einen Bericht von Galileo mit dem Thema „Methoden zum Töten“. Im Rahmen dieses Beitrags wurden Ausschnitte des Films True Lies mit Arnold Schwarzenegger auf ihre Durchführbarkeit getestet. Die hierfür mehrfach-wiederholten Szenen sowohl einer Genickbruch-Methode als auch eines Sägeblatt-Wurfes auf eine menschenähnliche Puppe hätten laut KJM-Beschluss erst ab 22 Uhr gezeigt werden dürfen.

Auf die Anfrage einer Stellungnahme wurde medienbewusst.de lediglich auf die Zuschauerquote von fast 14 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen im Jahr 2010 und verliehene Preise für ausgewählte Beiträge (Bayerischer Fernsehpreis, Grimme Preis) verwiesen.

Somit scheint es fraglich, ob Galileo auf erwähnte Kritikaspekte eingeht. Es wäre wünschenswert, die Sendelänge wieder auf die ehemaligen 30 Minuten zu kürzen oder den derzeitigen täglichen Sendehythmus zu reduzieren. Somit könnte eine tiefere und auch jugendgerechtere Recherche ermöglicht werden, einhergehend mit steigender Qualität und Kreativität für die produzierten Beiträge.

Leon Strohmaier

Bildquelle:
© ProSieben

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