Spieltag auf Nickelodeon – Ein Appell an Kinder und Eltern

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31. Mai 2012 Print This Post

Am 1. Juni findet zum dritten Mal der Spieltag auf Nickelodeon statt. Der Sender zeigt von 13 bis 17 Uhr nur Schwarzbild und will damit die jungen Zuschauer zum Spielen an der frischen Luft anregen. Doch ob der Slogan „Sei dabei, mach fernsehfrei!“ wirklich den gewünschten Effekt bei der Zielgruppe auslöst, bleibt fraglich.

Auf den ersten Blick scheint die Aktion des Nickelodeon eine gute Idee zu sein, doch der Kommentar eines Jugendlichen anlässlich des Werbespots auf YouTube fasst wohl die Reaktionen der meisten Kinder zusammen: „och nö :-( “. Als Vorbild dient der Day of Play, der seit 2003 in den USA jährlich stattfindet und in vielen anderen Ländern mit eigenen Projekten ungesetzt wird. Die Fernsehpause soll Kinder motivieren, mehr Zeit mit den Freunden an der frischen Luft zu verbringen und sich aktiv zu beschäftigen. Patrick Alders, General Manager Nickelodeon North, ist der Meinung, dass die wichtige Rolle des Senders im Alltag ihrer Zuschauer auch genutzt werden sollte, um einen vielfältigen und ausgeglichenen Lifestyle der Kinder zu fördern. Für einen kommerziellen Sender sei dies ein großer und mutiger Schritt.



Fernsehzeit als verlorene Körperlernzeit

Der Sender widmet sich mit der Aktion einer Problematik, die mit dem stetig steigendem Fernsehkonsum der Jüngsten immer deutlicher wird. Immer mehr Kinder verbringen lieber Zeit vor dem Bildschirm als beim Spielen mit anderen Kindern. Die von Sendern entwickelten Vorschulwelten bieten Kindern dabei eine altersgerechte Programmalternative. Zudem sollen sie den Kindern bei der Entwicklung helfen und das Lernen erleichtern. Doch können Kinder wirklich alle wichtigen Dinge des Lebens vor dem Fernseher erlernen – ohne auf traditionelle Spiele und Aktivitäten zurückzugreifen? Professor Gerald Hüther, Hirnforscher und Neurobiologe, beschäftigt sich mit der Wirkung von Medien auf die Gehirnentwicklung. Er steht dem Vorschulfernsehen eher kritisch gegenüber. Es ginge nicht um die Inhalte, sondern um den Mangel an Erfahrungen, welche den Kindern vorenthalten bleiben. Übermäßigen Fernsehkonsum beschreibt er deswegen als verlorene Körperlernzeit. Auch Befürworter der Vorschulprogramme teilen die Ansicht, den Fernsehkonsum einzuschränken. Der beste Weg für eine gesunde Entwicklung der Kinder sei das gemeinsame Erleben. Schließlich wird der Bildschirm keine Interaktion möglich machen.

Die Grenzen des Spieltags

Kinder erleben das Fernsehen als eine einfache Möglichkeit, die eigenen Gefühle zu regulieren, sodass es zu einer Ersatzbefriedigung kommen kann. Wer schaltet bei schlechter Laune nicht gerne einen lustigen Film ein? Auch Langeweile, der wohl häufigste Grund für stundenlangen Fernsehkonsum, sollte aushaltbar und selbst zu regulieren sein. Außerdem ist die Interaktion mit Menschen im Spiel die beste Möglichkeit, um motorische Fähigkeiten und soziale Kompetenzen zu fördern.

Somit ist der Spieltag auf Nickelodeon sicherlich eine gute Aktion, um Kinder und Eltern daran zu erinnern, dass das klassische Spielen an der frischen Luft wichtig ist. Wenn wir uns an die eigene Kindheit zurückerinnern, so kommt man sicher zu der Erkenntnis: Ein Spielenachmittag mit Freunden und Geschwistern macht glücklicher als ein Nachmittag vor dem Fernseher. Zudem ist anzumerken, dass Nickelodeon den Spieltag konsequenterweise auf sein Online-Angebot ausweitet und dieses ebenfalls nur begrenzt verfügbar sein wird. Die Nickelodeon-Macher stellen hier unter anderem Spielideen zur Verfügung. Doch vermutlich wird das Basteln von Dosentrommeln und schwimmenden Schiffchen nicht unbedingt für Begeisterung bei den Kindern sorgen.

Im Jahr 2010 dauerte die Programmpause noch sechs Stunden (12–18 Uhr) und damit zwei Stunden länger als in diesem Jahr. Dennoch wurde währenddessen in einem Fernsehspot für neue Serien im Anschluss an das Schwarzbild geworben. Im Werbespot hieß es da: „Keine Angst, du verpasst nichts. Wenn du um 18 Uhr wieder reinkommst, gibt es brandneue Folgen deiner Lieblingssendungen.“ Somit wird nicht nur ein Ende des Spieltags garantiert, sondern auch, dass der Alltag des Kindes weiterhin vom Sendeplan bestimmt wird.

Sofa versus Spielen

Diese Aktion ist sicher ein toller Schritt des privaten Senders. Dennoch ist zu erwarten, dass viele Kinder den Spieltag mit einem beherzten Griff zur Fernbedienung und dem Wechsel zu einem anderen Sender ein frühzeitiges Ende bereiten werden. Aber vielleicht werden Eltern daran erinnert, mehr auf das Spielen und die sozialen Kontakte ihres Kindes zu achten. In einem solchen Fall stört es auch nicht, dass der Spieltag nur wenige Stunden andauert und von Spielherstellern wie Lego als Sponsoren begleitet wird. Trotzdem sollte es öfter mal heißen: „Sag Nein zum Sofa und Ja zum Spielen!“


Berit Prante

Bildquellen:
© Nickelodeon

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