Themenwochenende: „Projekt: Zusammen Leben“

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3. April 2013 Print This Post

Vom Thema Integration und Inklusion ist überall zu hören und zu sehen. Deshalb widmet der KiKA diesem Thema ein ganzes Wochenende. Vom 5. bis zum 7. April startet das „Projekt: Zusammen leben“. medienbewusst.de sprach mit den kommissarischen Programmgeschäftsführer Tobias Hauke.

Der KiKA beschäftigt sich, auch in seinem alltäglichen Programm, in einigen Sendungen mit dem Thema Integration. Warum nun die Entscheidung dem Thema ein ganzes Wochenende mit vielen verschiedenen Sendungen zu widmen?

Regelmäßig werden die Themen Integration und Inklusion in Politik und Gesellschaft diskutiert. Immer wieder geschehen Dinge, die Anlass für eine erneute Debatte geben, ob genug dafür getan wird, Menschen mit Migrationshintergrund, Handicaps, nicht-christlicher Religionszugehörigkeit und diese in unserer Gesellschaft zu integrieren und mehr noch: zu inkludieren.

Erfolgreiche Integration und Inklusion fängt bei den Kindern an. Unser aller Aufgabe ist es, ihnen durch Wissens‑ und Wertevermittlung den Blick dafür zu öffnen, dass Andersartigkeit eine Bereicherung und eine Chance sein kann. Als öffentlich-rechtlicher Kindersender sehen wir uns hier nicht nur in einer besonderen Verantwortung, sondern es ist auch unser Auftrag, Wissen und Werte zu vermitteln.

Wir wollen Geschichten erzählen, die unterschiedliche Lebenswelten aufzeigen, andere Kulturen erklären und neue Facetten des Miteinanders darstellen. Neben den ohnehin verankerten Regelprogrammen wie beispielsweise der Reihe „stark!“, dem Reportermagazin „neuneinhalb!“ oder dem Wissensmagazin „ERDE AN ZUKUNFT“ werden wir mit mehreren konzentrierten Aktionen, immer wieder punktuell die Thematik hervorheben und beleuchten.

Tobias Hauke

Wie wichtig ist für Sie persönlich das Thema Integration?

Mir ist das Thema sehr wichtig. Es kann und darf nicht sein, dass Menschen auf Grund ihrer Andersartigkeit diskriminiert werden. Nur Toleranz, Akzeptanz und das Wissen voneinander, führen zu einem friedlichen und wertvollen Miteinander. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die mir persönlich sehr wichtig ist.

Inwiefern sollen dadurch nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern für dieses Thema sensibilisiert werden?

Der Kinderkanal von ARD und ZDF ist ein Sender speziell für die Zielgruppe der Drei‑ bis Dreizehnjährigen. Auf sie richten wir unser Augenmerk. Aber natürlich schauen auch Erwachsene mit ihren Kindern gemeinsam unser Programm. Wenn auch sie dabei etwas lernen können, umso besser. Wenn dann noch Gespräche über das Gesehene unter Kindern oder zwischen Eltern und Kindern entstehen, dann kommt das unserer Intention sehr entgegen.

Denken Sie, dass Thema Integration ist im deutschen Fernsehen allgemein unterrepräsentiert?

In den öffentlich-rechtlichen Kinderprogrammen von ARD, ZDF und KiKA wird das Thema Integration und Inklusion regelmäßig aufgegriffen. Wir haben ganz selbstverständlich Moderatoren und Reporter mit Migrationshintergrund im Einsatz. Wir zeigen seriöse und unterhaltsame Dokumentationen, die das Leben und den Alltag der unterschiedlichsten Kinder im In‑ und Ausland vorstellen. In unseren fiktionalen Programmen sind auch Menschen mit Behinderungen als Protagonisten integriert. Und wir greifen immer wieder Themen auf wie „Rechtsradikalismus“, „Mondscheinkinder“ (Kinder, die sich keinem Sonnenlicht aussetzen dürfen) oder auch „Abschiebung“.

Ab welchem Alter würden Sie die verschiedenen Sendungen des Themenwochenendes empfehlen?

Wir bieten für alle Altersgruppen – von den Vorschülern bis zu den Preteens – Programme zum Thema Integration und Inklusion an. Von den „Auslands-Mäusen“, „Die Sendung mit dem Elefanten“, „Zoés Zauberschrank“ und „JoNaLu“ für die Jüngsten bis zu „KRIMI.DE“, „pur+“, „ERDE AN ZUKUNFT“ oder „SCHLOSS EINSTEIN“ für die Preteens.

Und ab welchem Alter meinen Sie, nehmen Kinder wirklich die verschiedenen Nationalitäten, die sie im täglichen Leben umgeben, wahr?

Es geht nicht bloß um die Wahrnehmung von Unterschiedlichkeiten, sondern darum, das Anders-Sein als Normalität begriffen wird. Inklusion bedeutet eben nicht einfach nur „aufnehmen“ oder „einfügen“, sondern die Vielfalt und Heterogenität als Selbstverständlichkeit anzuerkennen. Normal sind die Vielfalt und das Vorhandensein von Unterschieden. Dass daraus auch Konflikte entstehen können, die es zu bewältigen gilt, ist eine Aufgabe, der wir uns alle stellen müssen.

Das können auch die Jüngsten erkennen, wenn sie von Anfang an einen selbstverständlichen Umgang mit der gesellschaftlichen Buntheit erlernen und erleben.

Im Internet sind wir auf verschiedene Aktionen gestoßen, die sich ebenfalls „Projekt: Zusammen leben“ nennen. Bildet das Themenwochenende einen Teil dieser bundesweiten Projekte oder ist die Namensgleichheit Zufall?

Die Themenwochenenden der letzten Jahre stehen bei KiKA immer unter dem Label „Projekt:…“.
„Zusammen leben“ erschien uns eine einfache, aber sehr gute Umschreibung für die sperrigen Fachbegriffe „Integration“ oder „Inklusion“. Das sehen andere wohl auch so. Von daher ist die Ähnlichkeit der Oberbegriffe schlicht Zufall. Aber wir stehen hier ja in keiner Konkurrenz.

Gibt es noch weitere größere Aktionen von KiKA zu diesem Thema?

Neben dem Regelprogramm, in dem die Themen Integration und Inklusion immer wieder aufgegriffen werden und dem Themenwochenende im April, wird es ein weiteres Themenwochenende im Herbst, voraussichtlich im Oktober, geben.

medienbewusst.de bedankt sich bei Tobias Hauke und wünscht weiterhin viel Erfolg.

 

Franziska Fritsch

Bildquelle:
© KiKA

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