50 Jahre Anime – Aufstieg, Erfolg und tiefer Fall der japanischen Serienkultur

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18. Juli 2017 Print This Post

animecollage_großMit dem im Jahre 1967 produzierten Zeichentrickfilm Speed Racer, der vier Jahre später erstmals im ARD ausgestrahlt wurde, begann die Zeit des japanischen Anime im deutschen Fernsehen. Anlässlich dieses 50-jährigen Jubiläums schaut medienbewusst.de zurück auf die Anfänge des Anime, den rasanten Aufstieg in den 90er Jahren, Kontroversen verschiedener Beteiligten, sowie welche Serien heutzutage zu sehen sind.

Zunächst einmal bezeichnet der Anime jegliche Produktion und Umsetzung japanischer Trickfilme und bildet das Pendant zum japanischen Manga, was dem klassischen Comic in der westlichen Welt ähnlich ist. Mit jährlich rund 80 Milliarden Euro Umsatz besitzt der Anime in Japan auch einen enormen wirtschaftlichen Faktor und ist dort bei den Menschen fest in der Kultur verankert. Als 1963 die ersten sieben Folgen einer solchen Zeichentrickserie im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wurden, konnte man das Ausmaß dieses Hypes freilich noch nicht vorhersehen.

Fast acht Jahre dauerte es bis dann auch die erste Serie über den deutschen Fernseher flimmerte. Da es in den 70er Jahren noch kein Privatfernsehen gab, wurde zunächst alles auf den öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt. Dort trafen die neuen, fantasievollen und teils verrückten Serien auf wenig Zuspruch seitens der Zuschauer. Sendungen wie Captain Future, UFO Robot Grendizer oder sogar die Biene Maja, welche oft aus Koproduktionen anderer Länder entstanden, waren stets Gegenstand heftigster Kritiken. Hohe Brutalität oder geschmacklose Umsetzung der Figuren waren nur zwei Vorwürfe gegen die neuen Zeichentrickserien, gegen die damals sogar in Schulbüchern gewarnt wurde. Erst mit dem Aufkommen des Privatfernsehens konnte sich auch der Anime im deutschen Fernsehen etablieren. Mit dem eigens eingerichteten Programmblock Moon Toon Zone, erreichte RTL2 im Jahre 1999 in der deutschen Animebranche eine gewisse Monopolstellung. Die japanischen Serienhits wie Pokemon, Yu-Gi-Oh, One Piece, Dragonball Z oder Naruto Shippuden wurden nun auch in Deutschland zu echten Quotengaranten. Dieser Hype hielt gut ein ganzes Jahrzehnt an, bis im Jahr 2013 das Animeprogramm auf RTL2 wieder vollständig abgesetzt wurde.

Neben zahlreichen Kritiken seitens Eltern und Pädagogen, kam gegen RTL2 auch der Vorwurf auf, dass jahrelang unzensierte FSK12 Inhalte am frühen Nachmittag gezeigt worden seien, ohne darauf aufmerksam gemacht zu haben. Gleichzeitig brachte man Zuschauer zu Verärgerung, weil man einzelne Passagen oder gar ganze Dialogfassungen aus dem japanischen Orginal veränderte oder komplett herausnahm. Unter vielen Fans der Szene gilt diese Aktion, welche vor allem bei Naruto zum Vorschein kam, als Anfang vom Ende des „Animefiebers“ in Deutschland. Zurzeit kann man mit einer realistischen Blickweise davon ausgehen, dass der Anime kaum wieder auf eine solche Erfolgsebene kommen wird, wie es um die Jahrtausendwende der Fall war.

Seit 2013 zeigt nun vor allem der Spartensender ProsiebenMaxx ausgewählte Animeserien, die früher auf RTL2 großen Anhang fanden, darunter One Piece, Detektiv Conan oder Yu-Gi-Oh. Wer also Lust hat, Ruffy und seine Piratenbande, Conan und seine Detektivfreunde oder Yugi im Kampf mit den Duellmonsters zu begleiten, der sollte am besten einschalten!

Mario Herb

Bildquelle:

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