aka-aki erleichtert Kontakt – zwischen Erwachsenen.

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29. November 2009 Print This Post

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Soziale Netzwerke prägen den hektischen Alltag von Kindern und Jugendlichen. Morgens kurz vor Schulbeginn schnell noch einen Gästebucheintrag hinterlassen, fix ein neues Fotoalbum begutachten und eiligst das eigene Profil erneuern – alles vom heimischen Rechner aus. Das war einmal! Ein innovatives Berliner Projekt bietet nun social networking ‚to go‘ und löst damit ein Problem – schafft jedoch neue, wie medienbewusst.de-Reporter Carlo Märzke und Yves Naber herausfanden. Sie riskierten einen Blick in die Welt von aka-aki, dem mobilen sozialen Netzwerkanbieter.

Zunächst gilt, sich von der befremdlich anmutenden Bezeichnung aka-aki nicht irritieren zu lassen. Dahinter verbirgt sich weder eine vom Aussterben bedrohte Affen-Art, noch ein japanisches Kinderspiel. Aka-aki ist vielmehr ein innovatives, gar preisgekröntes mobiles soziales Netzwerk. Wobei aki der Name eines virtuellen Elches ist, der als Maskottchen auf der Webseite Werbung für die Initiative macht.

Binnen Sekunden lässt sich dort kostenlos ein neues Benutzerkonto erstellen. Dabei fällt auf: Die Webseite hat keinen Filter, um Minderjährige, die ihren eigenen Geburtstag angeben, zu warnen oder die Anmeldung zu verweigern.

Nach diesem Schritt geht es weiter: „Willkommen in der aki-Welt!“ Hier finde ich alle möglichen Einstellungen zu meinem Benutzerkonto. Einen Klick weiter lande ich in ‚meiner Zentrale‘. Die ‚persönlichen Einstellungen‘ lasse ich geschwind hinter mir, da mögliche Angaben zu meinem Stadtteil und der persönlichen sexuellen Orientierung ein mulmiges Gefühl verursachen. Bereits hier zeigt sich, dass aka-aki eher auf ein erwachsenes Publikum zielt, auch wenn der Trend ebenso jüngere Handyfans für sich begeistern könnte.

In der Rubrik ‚Mein Profil‘ werde ich gebeten, die Facetten meiner Persönlichkeit mit virtuellen Stickern auszudrücken. Jedes Mitglied von aka-aki hat seine eigene Stickerwand. Jeder Sticker enthält eine Botschaft, die beliebtesten weisen jeweils über 500 Anhänger auf. Aus allen Bereichen des menschlichen Lebens finden sich Symbole, mit denen Nutzer eigene Interessen und Vorlieben offenbaren.

Besucher stoßen hier nicht nur auf Ernährungstipps à la ‚Bier ist mein Obst‘ und Getränkepräferenzen vieler anderer Nutzer, vom ‚Rotwein‘ über ‚Caipirinha‘ bis hin zu ‚Wodka-Redbull‘. Nein, durch bestimmte Sticker auf hunderten Stickerwänden wird auch ein Stück weit Aufklärungsarbeit geleistet. Die ‚Dirty-Talk‘- ‚French-Kiss‘- und ‚69‘- Kleber könnte das ein oder andere Kind eventuell noch übersehen. Explizitere Bekundungen wie ‚I_love_sex‘,  ‚Blowjob‘ oder ‚nüchtern zu schüchtern, besoffen zu offen‘ tauchen dagegen überall auf.

Zum Vergleich: Der ‚Entenhausen‘-Sticker kann lediglich zwei Dutzend Anhänger auf sich vereinen. Glaubt man den „Aufklebern“, bin ich in einer Gemeinschaft gelandet, in der es vor alkoholaffinen, untergürtelgesteuerten Menschen nur so wimmelt. Erleichtert stelle ich fest, dass ich kein Kind bin. Und erweitere meine virtuelle Stickerwand um den ‚Optimist‘-Aufkleber.

Wenn ich die Software herunterlade, kann ich überall und zu jeder Zeit andere aka-aki-Nutzer in meiner Nähe aufspüren. Über Bluetooth würde mir die Software die Präsenz aller Nutzer im Umkreis von 20 Metern anzeigen. Mitsamt ihrer Profile, inklusive Stickerwänden. Via aki-mail könnte ich mit ihnen in Verbindung treten.

Etwas widerwillig ringe ich mich dazu durch, meine Handynummer in das vorgesehene Feld einzutragen. Sekunden später landet die kostenlose aka-aki-Software per SMS auf meinem Mobiltelefon. Ich öffne sie, logge mich ein und werde genötigt, eine Internetverbindung herzustellen.

Hätte ich keinen mobile-flatrate-Tarif, würde die Kostenfalle nun erbarmungslos zuschnappen. Ein schwacher Trost, dass dadurch nicht der Elch, sondern mein Mobilfunkanbieter bereichert würde – von letzterem sind die Kosten sind in dieser Hinsicht tatsächlich abhängig.

Die Software an sich läuft recht stabil. Ich begebe mich in die Innenstadt und muss feststellen, dass um mich herum kaum ein anderes Mitglied von aka-aki unterwegs ist. Den Plan, spontan nach Berlin zu fahren, dem Geburtsort der Initiative, verwerfe ich schnell. Mein Akku steht nämlich kurz vor der Ohnmacht. Doch plötzlich passiert etwas auf dem Handybildschirm: in meiner Nähe befindet sich ein männlicher, 35-Jähriger aka-aki-Nutzer aus Schwerin. Hat er etwa auch den ‚Optimist‘-Kleber im Profil? Neugierig betrachte ich seine Stickerwand. Und bin zum zweiten Mal an diesem Tag froh, kein Kind zu sein…

Fazit: Gut gedachtes Programm, das social networking hinaus auf die Straße befördert und über ein Stickerprinzip so manche Menschen zusammenführen dürfte. Angesichts der möglichen schädlichen Wirkung von nicht kindgerechten Inhalten auf kindliche Gemüter, bzw. nicht vorhandenen Filter, ist aka-aki jedoch eher für junge Erwachsene geeignet – sofern diese die anfallenden Kosten im Auge behalten. Der Werbung für den Dienst nach zu urteilen soll auch eher eine erwachsene Zielgruppe angesprochen werden. Für jüngere Nutzer ist der Dienst wegen den teils obszönen Stickern, scheinbar vorwiegend erwachsenen Nutzern und der Kostenproblematik nicht zu empfehlen.

Yves Naber, Carlo Märzke

Bildquelle:
http://blog.aka-aki.com/?page_id=174&lang_pref=de

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