Rette sich wer kann! Vor Handystrahlung?

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25. September 2011 Print This Post

Die wahrscheinlich emotionalste Debatte in Deutschland: Elektrosmog. Man sieht ihn nicht, man kann ihn nicht spüren und doch ist er überall. Doch was ist dran an der Diskussion, die sich meist um Handystrahlung und die Auswirkung auf den Nachwuchs bezieht? Zwei neue internationale Studien geben Aufschluss, verschaffen aber keine endgültige Klarheit.

Laut Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien besitzen derzeit 97 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein Mobiltelefon. 80 Prozent der Besitzer nutzen das Handy regelmäßig zum telefonieren sowie zum schreiben von Kurznachrichten. So viel Sicherheit die Erreichbarkeit des eigenen Kindes für Elternteile mit sich bringt, so viele Gefahren ergeben sich aus dem Besitz des Handys gleichzeitig für junge Menschen. Neben Cybermobbing bleibt die Gefahr der Handystrahlung ein ewiger Unsicherheitsfaktor, der vor allem durch die Uneinigkeit der Wissenschaft über die tatsächlichen Schädigungen durch Handystrahlung entsteht.

Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Mobiltelefon als möglicherweise krebserregend einstufte, konnte eine aktuelle Neuprüfung unterschiedlicher Langzeitstudien durch ein internationales Forscherteam rund um das Britische Institut für Krebsforschung keine überzeugenden Beweise für einen Zusammenhang zwischen Handynutzung und der Bildung von Tumoren bei Erwachsenen finden.

Auch die Erkenntnisse der Universität Basel gehören zu den neusten Ergebnissen auf dem Gebiet der Forschung. Hierbei wurden knapp 1000 Jugendliche aus Dänemark, Schweden, Norwegen und der Schweiz untersucht und es wurde festgestellt, dass keine erhöhte Gefährdung von Mobilfunk ausgeht. Die Nutzung eines Handys erhöht, laut Forscherteam, das Risiko eines Hirntumors bei Jugendlichen nicht maßgeblich.

Ebenso wurden bereits von anderen Forschungsinstituten Erkenntnisse über die von Handystrahlen ausgehende Gefahr gesammelt und vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) verarbeitet.

Das BfS gibt in Deutschland u.a. für die Politik vor, welche elektronischen Geräte gefährlich sind und welche nicht. Als Grundlage gilt dafür das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF), welches verschiedene Symptome im Zusammenhang mit Handystrahlung getestet hat. Auch hier ist das Ergebnis nahezu eindeutig: Kein erhöhtes Gesundheitsrisiko durch Handystrahlung. Trotzdem legt das Bundesamt, besonders für Kinder, einen vorsichtigen Umgang mit Handys nahe – denn ein Restrisiko bleibt.

Schließlich kann eine unauffällig geringe Zahl von Menschen negativ auf Handystrahlung reagieren, ohne dass die Forschung dies aufdeckt. Dieser Bevölkerungsteil ist kaum identifizierbar, weshalb das BfS nur zur Vorsicht vor Handystrahlung rät. Die Vermutung vieler Forscher geht so weit, dass vor allem Kinder die Leidtragenden sein könnten. Sie seien gefährdeter, aufgrund ihrer wachsenden Zellen mit unvollständigem Immunsystem.

Daher ist es trotz erfreulicher Studienergebnisse ratsam, sich unnötiger Belastung zu entziehen. Einfache Verhaltensänderungen oder Veränderungen im Alltag können die Strahlungsbelastung erheblich mindern. Hierzu können, in Anlehnung an die Hinweise des Bundesamtes für Strahlenschutz, folgende Maßnahmen beitragen:

  • Festnetztelephon bevorzugen
  • kurze Gespräche führen oder SMS nutzen
  • vorrangig bei gutem Empfang telephonieren (Handy erhöht eigene Leistung bei schlechtem Empfang)
  • Geräte mit einen geringen SAR-Wert verwenden, Tabellen dazu sind beim BfS zu finden
  • nicht in unmittelbarer Nähe zum Handy, drahtlosen Festnetzapparat oder Steckdosen schlafen bzw. das Bett aufstellen
  • Alle Quellen „hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung“ zeitlich und räumlich meiden

Aufklärung für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse bietet das Bundesamt für Strahlenschutz auch durch die Bereitstellung von ensprechenden Unterrichtsmaterialien.

Fazit: Eine Betrachtung unzähliger Studien zur Handystrahlung bringt ein Schema zu Tage, welchem auch die Uni Basel und die DMF folgt: Es ist keine Gesundheitsgefährdung für Kinder erkennbar, aber ein kleiner Teil kann gefährdet sein. Es gibt also keine Ergebnisse für den Einzelnen.

Eine Vermeidung von Strahlung ist die einzige Möglichkeit zur Vorsorge. Ein „Ja“ oder „Nein“ zum Thema „Gefahr durch Handystrahlung“ gibt es jedoch nicht und wird es so schnell nicht geben. Ein Aufatmen ist die Studie von Basel daher nicht wirklich, aber immerhin ein erneuter Lichtblick.


Martin Anders

Bildquelle:
© Tricia Wang – flickr.com

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