Mobile Endgeräte in Schulen: Fördern, nicht verbieten

Artikel weiterempfehlen

Um Artikel über soziale Netzwerke weiterzuverbreiten, müssen Sie diese aktivieren - für mehr Datenschutz.

30. Juli 2012 Print This Post

Handys und Tablets im Schulunterricht? An der Schule von Lehrer Felix Schaumburg ist dies noch kein Alltag. Er lehrt seit 6 Jahren Sozialwissenschaften und Chemie an einer Gesamtschule in Wuppertal und stand medienbewusst.de Rede und Antwort zu dem Thema „Mobile Endgeräte im Schulalltag.“

Herr Schaumburg, inwieweit werden an Ihrer Schule bereits mobile Endgeräte in den Schulalltag integriert und wie?

Digitale Endgeräte in Form von Notebooks gehören bei uns an der Schule bereits seit fast 10 Jahren zur Ausstattung. Der Einsatz von schülereigenen Geräten im Unterricht ist bei uns gestattet und wird von ein paar Kollegen auch immer wieder genutzt. Darüber hinaus ist die Nutzung von Smartphones oder Tablets im Schulalltag aber ein heftig diskutiertes Thema. Die Benutzung von digitalen Geräten in den Pausen ist für die Schüler nur sehr eingeschränkt möglich.

Die Integration mobiler Endgeräte erfordert auch neue Konzepte an Schulen, was müsste sich ihrer Meinung nach ändern?

Die Nutzung von digitalen Geräten ist eine Notwendigkeit zeitgemäßer Pädagogik. Über ihre Smartphones haben die Schüler alle eine kleine Bibliothek in ihrer Tasche, welche zu Recherchezwecken im Unterricht genutzt werden könnte und zur Kommunikation in einem stärker projektorientierten Unterricht. Jede Schule hat sich in den letzten fünf Jahren dazu ein Konzept überlegt. Da die Ausstattung an Computern in der Regel unterhalb der Schülerzahlen liegt, müssen sich mehrere Schüler einen Rechner teilen. Jedoch viel sinnvoller wäre es, wenn jeder Schüler einen eigenen Computer besitzt. Allerdings ist dabei die Finanzierung immer etwas problematisch. Daher glaube ich, dass wir mit diesem Vorhaben in Zukunft nicht weiter kommen. Eher wahrscheinlich ist, dass die Schüler ihre eigenen Geräte mitbringen. Mit der Zeit werden die Geräte immer billiger, wie man an dem Preisverfall der Smartphones und auch der Tablets sehen kann. Die Schulen müssen dann jedoch eine Infrastruktur bereithalten. Zum Beispiel durch einen Ausbau der WLAN-Stationen für schnellen Internetzugang oder der Konfiguration eines Servers.

Gibt es ein bestimmtes Gerät, welches Sie für besonders geeignet halten für den Unterricht?

Ich habe dort keine Präferenzen. Die Kombination zwischen Smartphone und einem (persönlichen) Tablet deckt meiner Einschätzung nach sehr viele Einsatzgebiete innerhalb des Lernprozesses ab. Ich persönlich komme zumindest mit dieser Kombination sehr weit und nutze den Laptop zunehmend weniger. Wichtig ist, dass ich als Lernender mit meinem Gerät zurechtkomme und es meinen eigenen Anforderungen gemäß personalisieren kann. Ein gutes Lernwerkzeug ist eines, was ich als meines akzeptiere.

Inwieweit glauben Sie, dass die mobilen Endgeräte die Schüler vom Unterricht ablenken und nicht den Lernprozess fördern?

Die mobilen Geräte lenken die Schüler nicht ab, sondern sie dienen als Auffangbecken, wenn sie bereits abgelenkt sind. Man sollte eher der geringen Aktivierung der Schüler im Unterricht nachgehen. Man kann das  Handy nicht für etwas beschuldigen, was es nur sichtbar macht. Das Smartphone kann dabei helfen, den Lernprozess attraktiver zu machen. Ohne größeren Aufwand können Filme, StopMotion-Animationen oder Fotoserien zu verschiedenen Themen von den Schülern erstellt und präsentiert werden. Dafür muss man auch als Lehrender kein Fachmann sein.

Inwieweit sehen Sie Probleme bei den Lehrern selbst? Sind diese vorbereitet auf die neue Technik?

Die Mediennutzung an Schulen auf Seiten der Lehrer ist sehr durchwachsen. Viele Lehrer haben sich in den letzten Jahren sehr intensiv damit auseinandergesetzt und begonnen, ihre Arbeit mit iPad, Notebook und Computer zu erledigen. Meist sprechen sie bald davon, dass dies eine erhebliche Erleichterung ist. Es gibt aber auch eine nicht unerhebliche Masse, die sich noch schwer tut. Bis heute ist es an vielen Schulen nicht möglich, intern Emails als verlässliche Kommunikation zu verwenden. Dass stattdessen auf Papierpost gesetzt wird, mag dafür ein kleines Zeichen sein.

Haben Sie eine Idee, wie man auch staatliche Schulen mit diesen Geräten ausstatten könnte, ohne die Eltern noch mehr finanziell zu belasten?

Die Schüler haben bereits selbst viele Geräte. Statt zu überlegen, wie wir sie verbieten können, sollten wir sie in den Schulen einsetzen. Für den sozialen Ausgleich können die Schulen Geräte bereithalten. Dies sollte sich bei gleichzeitigem Wegfall der stationären Computerräume kosten-neutral bewerkstelligen lassen.

Wie stellen Sie sich den Unterricht der Zukunft vor?

Eine komplexe Frage für die kurze Zeit. Ich versuche es mal auf drei Punkte zu fixieren.

  • Projektorientiert statt konsumierend
  • Individuell statt gleicher Lernplan für alle
  • Kommunikativ statt belehrend

medienbewusst.de bedankt sich bei Herrn Schaumburg für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

 

Weitere Artikel aus unserer Reihe: „Mobile Endgeräte im Schulalltag“:

Bericht: Mobile Endgeräte im Schulalltag

Lehrer müssen Kontrollverlust ertragen

„Medien alleine machen noch keinen besseren Unterricht“

 

 

Anika Penn

Bildquelle:
© flickr.com – flickingerbrad

Ähnliche Beiträge

Kommentare