Handys im Unterricht – Störend oder eher Chance?

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29. Oktober 2015 Print This Post

Handys im Unterricht – Störend oder eher Chance?„Handys gehören nicht in den Unterricht. Sie nehmen die Aufmerksamkeit der Schüler zu stark in Anspruch und stören die Konzentration.“ Das ist vor allem die Meinung vieler Lehrer. Viele Jugendliche können sich ein Leben ohne ihr Smartphone aber kaum noch vorstellen. Ausgewählte Schulen testen, wie sich Mobilgeräte sinnvoll in den Unterricht integrieren lassen.

Die Argumente, die gegen die Nutzung von Handys und Smartphones während des Unterrichts sprechen, sind einleuchtend und schwer zu widerlegen. Es steht fest, dass klingelnde Mobiltelefone, Spiele und Musik auf Smartphones und die ständige Möglichkeit der digitalen Kommunikation die Konzentration im Unterricht stark negativ beeinflussen. Zudem ist es für Schüler mit Smartphones um einiges leichter bei beispielsweise Klausuren zu betrügen. Den Lehrern sind in diesem Zusammenhang oftmals die Hände gebunden, denn einheitliche Regelungen, ob es den Lehrern zum Beispiel erlaubt ist die Smartphones der Schüler während des Schulalltages zu beschlagnahmen, gibt es nicht. Aus diesen Gründen sprechen sich viele Lehrer und Eltern für ein Handyverbot im Unterricht aus.
Dass es aber vielleicht auch sinnvoll sein kann, die elektronischen Geräte der Schüler in den Unterricht zu integrieren, wird seit einer Weile vermehrt diskutiert. So zum Beispiel an sechs Hamburger Schulen. Diese nehmen an dem Pilotprojekt „Start in die nächste Generation“ teil. In den teilnehmenden Schulen wird getestet, ob und wie die schülereigenen Mobilgeräte sinnvoll für das Lernen eingesetzt werden können. Den Unterricht können die Lehrer über die Lernplattform „itslearning“ organisieren. Auf der Plattform können sie Aufgaben, Umfragen und Tests erstellen, zu digitalen Lerninhalten verlinken und mit den Schülern kommunizieren. Die Vermischung von digitalen und herkömmlichen Unterrichtsmethoden nennt sich „blended learning“, der Klassenraum wird sozusagen mit einem digitalen Raum kombiniert. Diese Kombination kann sowohl für Lehrer als auch für Schüler Vorteile bieten. Voraussetzung ist allerdings, dass die Schüler ein eigenes Smartphone oder Tablet mit in die Schule bringen. Doch auch für die, denen das nicht möglich ist, konnten in den Schulen Lösungen gefunden werden. So wurden zum Beispiel Leihgeräte für die entsprechenden Schüler besorgt.
Vorteile für Lehrer
Lehrer können mit der Hilfe von „blended learning“ ihren Unterricht effektiver planen und gestalten. Während die Schüler im Unterricht Aufgaben auf der Lernplattform bearbeiten, können sie sich mehr Zeit nehmen, um spezifische Fragen und Unklarheiten mit einzelnen Schülern zu besprechen. Denn die Lernplattform wertet die Ergebnisse der Schüler aus und sendet diese automatisch an die Lehrer. So können sie den Lernfortschritt und das Engagement eines jeden Schülers gut überblicken und bestehende Probleme besser erkennen und effektiver darauf eingehen. Übungen können von den Schülern selbstständig auf ihren Geräten bearbeitet werden, die Lehrer vertiefen und erweitern das so erlange Wissen dann im physischen Klassenraum. Allerdings sind für den richtigen Umgang mit diesen neuen Optionen Lehrerfortbildungen nötig, darauf müssen sich Lehrer und Schule einlassen, denn Fortbildung bedeutet auch immer fehlende Unterrichtszeit.
Vorteile für Schüler
Den Schülern wird durch „blended learning“ vor allem der verantwortungsbewusste und nützliche Umgang mit den ihnen zu Verfügung stehenden Geräten vermittelt. Während des Lernens wird ihre Medienkompetenz automatisch gefördert. Zudem wird der Unterricht mobil gemacht, Hausaufgaben können über die Lernplattform auch unterwegs problemlos erledigt werden, die mobilen Geräte haben die meisten Schüler auch so fast überall dabei. Das spart Zeit und entspricht dem natürlichen Verhalten der neuen Generation, was unterwegs erledigt werden kann, muss man zuhause nicht mehr machen. Ein weiterer positiver Effekt ist außerdem, dass die Anzahl der benötigten Arbeitsunterlagen drastisch reduziert werden kann. Arbeitsblätter und Lehrbücher können in die Lernplattform integriert werden und erleichtern den Rucksack der Kinder. Stattdessen tragen sie ihr Smartphone oder Tablet bei sich, laut einer Umfrage des Digitalverbraucherverbands Bitkom nehmen 92 % der Schüler diese Geräte sowieso mit in die Schule.
Statt einer Verbannung der Geräte aus den Schulen könnten sie also sogar Lehrern und Schülern neue Vorteile im Lernprozess verschaffen. Voraussetzung für eine solche Umgestaltung des seit langem unveränderten Unterrichtsschemas setzt natürlich Offenheit und Geduld der Lehrer und einen verantwortungsbewussten Umgang der Schüler mit den Geräten voraus.

Linda Ullmann

Quellen:
© morguefile.com

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