Eine App als Verhütungmittel? Ein Interview mit der DRK-Schwangerschaftsberatung

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29. November 2015 Print This Post

AdventslogomittelSind Verhütungsapps eine Alternative zu anderen Verhütungsmethoden? Wie funktionieren sie? Welche Probleme bringen sie mit sich? All damit beschäftigt sich die DRK-Schwangerenberatung Saalfeld. Sie bietet persönliche Beratungen zur Verhütung und Familienplanung, Information und Beratung zur Sexualaufklärung, Beratung bei Partnerschafts‑ und Sexualproblemen, Schwangerschaftsbegleitende Hilfen, Vorbereitung auf die Geburt, Beratung nach der Geburt und Unterstützung beim Geltendmachen gesetzlicher finanzieller und sozialer Hilfeleistungen und Schwangerschaftskonfliktberatung.

Um Näheres über das Thema Verhütungapps zu erfahren, hat medienbewusst.de mit Frau Annett Berk (Beratungsstellenleiterin) und Frau Stefanie Höchst (Beraterin) gesprochen.

Welche Vorteile sehen Sie bei Verhütungsapps?
„Ein großer Vorteil ist, dass sich Jugendliche mit dem Thema Sexualität und Zyklus auseinander setzen. Sie versuchen ihren Köper wahrzunehmen und Signale zu erkennen. Sie erfahren, wann und wie lang ihr Zyklus ist. Sie setzten sich damit auseinander, wie lang und wie stark die Regenblutung ist.“

Wo sehen Sie Nachteile oder sogar Probleme bezüglich der Apps?

„Im Sinne von Verhütung sehe eher ein Nachteil. Es bietet eine trügerische Sicherheit. Der Zyklus verändert sich. Oft erkennt man die Einflussfaktoren nicht und stellt erst im Nachhinein fest, dass der Zyklus sich verändert hat. Und damit verändern sich auch die fruchtbaren Tage. Der zweite Punkt ist, dass vereinzelt auch mehrere Eisprünge stattfinden können, die sich auch zeitlich verschieben. Gerade bei jungen Frauen spielt sich der Zyklus erst noch ein. Bei älteren und erwachseneren Frauen ist er schon regelmäßiger. Aber bei jungen Mädchen kann man nicht sagen, dass sie genau einen 28 Tage-Zyklus haben. Daher ist es fraglich, ob diese App als Verhütungsmittel sinnvoll ist. Man kann nicht sagen, dass genau 14 Tage nach dem ersten Regelblutungstag der fruchtbare Tag ist.“

Würden Sie jungen Mädchen Verhütungsapps als Alternative zu anderen Methoden empfehlen?

„Nein. Aus meiner Sicht ist es keine Verhütungsmethode, sondern eher eine Möglichkeit Schwanger zu werden und festzustellen, wann ungefähr die fruchtbaren Tage sind. Als Verhütungsmittel für junge Mädchen ist es eher schlecht. Selbst wenn man weiß, wann der Eisprung ist, gibt es so keinen vollkommenen Schutz. Da sich die Spermien zum Teil länger halten, kann es passieren, dass sie zum Eisprung noch beständig sind. So ist das Sperma teilweise noch 3–4 Tage haltbar. Daher müsste man mindestens eine Woche vor dem Eisprung mit einem Kondom verhüten, sodass nichts passiert. Hier wird den Mädchen vorgegaukelt, dass nur an den zwei Tagen nichts passiert. Eine Empfehlung zu den Verhütungsmitteln kann man allgemein schlecht geben. Nicht jeder verträgt alles. Es gibt inzwischen viele Frauen, die keine Hormone nehmen möchten. Dann haben sie die Möglichkeit, Kondome zu nutzen. Zumal ein Kondom nicht nur vor Schwangerschaften, sondern auch vor übertragbaren Geschlechtskrankheiten hütet. Und das bekommen wir nur mit Kondom geschützt. Daher kann man nur in der Kondomanwendung verstärkt schulen.

Wird die App auch von Jungs genutzt?
„Nein. Mit Verhütungsapps haben wir bezüglich Jungs bisher keine Erfahrungen gemacht. Hierbei ist es noch schwieriger. Jungs bekommen vielleicht nicht mit, wann die Freundin ihre Regel hat und wissen nicht wie stark die Regel an den bestimmten Tagen ist. Das müsste für eine Berechnung mit eingetragen werden. Für Jungs ist eigentlich das einzige Verhütungsmittel das Kondom.“

Welche Erfahrung haben Sie mit Verhütungsapps gemacht?
„Bei uns waren bereits Frauen, die diese App genutzt haben. Meist wird jedoch ein zweites Verhütungsmittel zusätzlich genutzt. Doch durch Einflussfaktoren wie Antibiotika können sowohl Verhütungsapp, als auch Pille durch die Verschiebung des Eisprungs nicht vollkommenen Schutz bieten. Wir haben immer mal wieder Frauen in der Konfliktsberatung oder auch ungewollt Schwangere, die es nutzen. Es ist naiv zu glauben, dass das jetzt das Allerheilmittel ist. Es diente ursprünglich zur Überprüfung, wann man schwanger werden kann um schwanger zu werden.“

medienbewusst.de bedankt sich bei Frau Annett Berk und Frau Stefanie Höchst für dieses Interview und hofft, dass das Team der DRK-Schwangerenberatung auch weiterhin vielen jungen sowie erwachsenen Frauen helfen kann.

Julia Wesch

Bildquelle:
© medienbewusst.de

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