Chatroom – Tür zwischen Kinderzimmer und der großen Welt

30. November 2008 Print This Post

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„Wenn wir Kinder zum Spielen auf die Autobahn schicken würden, hätten wir täglich viele tote Kinder – und genau das passiert im Internet.“ (Ursula Enders) – Harte Worte, aber traurige Realität. Chaträume bergen enorm viele Gefahren für die kleinen Schutzbefohlenen. So gaben, laut der Initiative „schau genau!“, 80 Prozent der Kinder, die regelmäßig chatten, an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein.

Sie suchen nach Gleichaltrigen, um sich mit ihnen über Hobbys, Tiere und Co. auszutauschen, und finden nicht selten Chatpartner, die ihre sexuellen Neigungen mit ihnen ausleben wollen, mit Drogen dealen, ihre Selbstmordpläne mitteilen, Rechtsradikalismus verherrlichen oder für ihre Sekten werben wollen. Davor gilt es Kinder zu schützen! Deswegen sollte man mit seinen Kindern nur speziell für sie eingerichtete Chats aufsuchen. Aber Vorsicht: Es gibt auch Chats, die mit dem Schutz der Kinder werben, aber nicht so sicher sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Denn Sicherheit und Kontrolle kosten Geld. Am Jugendschutz haben viele Chats hingegen wenig Interesse, da fast alle an den Klicks auf ihrer Seite verdienen. Denn mehr Kontrolle heißt eben weniger Klicks und damit weniger Geld.

Um Kindern dennoch Sicherheit beim Chatten zu ermöglichen, sollte man die Chatrooms vorher möglichst genau mit seinem Kind anschauen und einige Punkte beachten. Es sollte zum einen unbedingt die Funktion geben, dass man sich vor dem Chat mit seiner E-Mail-Adresse registrieren muss. So kann sichergestellt werden, dass mögliche Täter zurückverfolgt werden können. Außerdem sollte der Chat unbedingt von Moderatoren überwacht werden, die sofort einschreiten, wenn etwas ausgetauscht wird, was gegen den Jugendschutz verstößt. Die meisten sicheren Chats verfügen genau aus diesem Grund über sogenannte Öffnungszeiten, um volle Kontrolle zu gewährleisten. Ein Ignorier-Button oder ähnliches sollte außerdem unbedingt vorhanden sein. So können Kinder Chatpartner, mit denen sie nicht (mehr) reden wollen, sperren lassen. Solche sicheren Chats sind zum Beispiel „kindernetz.de“ und „tivi.de“.
Ein hohes Risiko hingegen bieten sogenannte Instant Messenger wie „ICQ“. Denn bei diesen tauschen sich in der Regel zwei Gesprächspartner in einem separaten Dialogfeld aus. Somit kann eine Kontrolle nicht mehr gewährleistet werden. Auf diesem Weg sollten sich Kinder gar nicht oder nur mit Freunden austauschen, die sie persönlich kennen.

Was können Eltern außerdem tun, um ihre Kinder weitestgehend vor Risiken und Gefahren, die von Chatrooms ausgehen, zu schützen?

Sie sollten sich von Ihrem Kind das Chatten zeigen lassen und Interesse an den Bekanntschaften haben, die Ihr Kind dadurch macht. Sagen Sie Ihren Kleinen außerdem, dass sie nicht mit ihrem richtigen Namen chatten, sondern sich Fantasienamen ausdenken sollen. Der Chat-Name sollte auch keine Rückschlüsse auf Alter oder Geschlecht zulassen. Andere persönliche Daten wie Wohnort, E-Mail-Adresse oder Fotos gehören auch nicht in den Chat. Persönliche Treffen sollten wenn, dann nur in Begleitung von Erwachsenen – älteren Geschwistern oder den Eltern – und nur an öffentlichen Plätzen erfolgen. Aber das Wichtigste ist: Verbieten Sie Ihrem Kind das Chatten oder die Treffen nicht! Denn alles, was heimlich geschieht, ist umso gefährlicher!
Wenn Ihr Kind doch einmal belästigt wird, sollte das möglichst mit einem Screenshot festgehalten werden. Das heißt, der aktuelle Bildschirm sollte „abfotografiert“ werden. Damit sollte man sich an den Jugendschutz oder die Polizei wenden, die dann versuchen, den Täter ausfindig zu machen.

Der Artikel betrachtet hier den Extremfall, dem man vorbeugen kann, wenn man sich den Gefahren, die vom Chatten ausgehen können, bewusst ist. Lässt man Kinder nicht allein auf das Internet los und hält sich an die Sicherheitshinweise, so können die Kleinen den Umgang mit dem Medium lernen, ohne sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen.

Denise Tobian

Quelle:
http://www.wdr.de/themen/panorama/kriminalitaet05/sexuellermissbrauch_internet/070412_interview.html

Bildquelle:
© Phototom – Fotolia.com

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Kommentare

Ein Kommentar zum Artikel “Chatroom – Tür zwischen Kinderzimmer und der großen Welt”

  1. "Kinder sind tabu" | medienbewusst.de - kinder. medien. kompetenz. on Dezember 5th, 2008 15:57

    […] Sie fertigte eine Dokumentation an, die vermehrt in Schulen eingesetzt wird und mit der auf die Gefahren von Chatrooms aufmerksam gemacht werden soll. Außerdem soll den Lehrern so der Einstieg in das Thema […]