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6. Juli 2010 Print This Post

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„Computer und Internet gehören in der modernen Wissens‑ und Informationsgesellschaft zu den Leitmedien, um zu kommunizieren, sich Wissen selbstständig zu erschließen und dieses auch anderen verfügbar zu machen.“ Dies ist die Meinung Maria Brosch‘ s, der geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden von Schulen ans Netz e.V. Ihr haben sich laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts TNS Infratest auch zahlreiche Schüler, Eltern und Lehrer angeschlossen und so eine stärkere Vermittlung von Internetkompetenzen in der Schule gefordert.

98 Prozent der Schüler, 90 Prozent der Eltern und 95,7 Prozent der Pädagogen halten es demnach für wichtig, den Schülern die nötigen Kenntnisse im Umgang mit dem neuen Medium beizubringen. Entscheidend dafür ist jedoch die Anbindung der Schulen an das Internet. Laut Brosch sind „[…] seit 2001 nahezu alle deutschen Schulen „am Netz“, mittlerweile auch ein großer Teil davon breitbandig.“

Trotzdem stellt die Internetnutzung in der Schule für 61 Prozent der Schüler immer noch eine Ausnahme dar. Grund dafür ist der häufige Mangel an Computern für den schulischen Gebrauch. Im internationalen Vergleich landete Deutschland in der PISA-Studie 2006 bezüglich der Computerausstattung nur auf Rang 18. Auch hinsichtlich der Nutzungshäufigkeit schnitten deutsche Schulen im OECD-Vergleich eher schlecht ab. Hier bedarf es, so Brosch, „großer Anstrengungen, damit Computer und Internet nachhaltig im Unterricht zum Einsatz kommen.“

Die Einsatzmöglichkeiten in der Schule sind vielfältig, das richtige pädagogische Konzept ist jedoch entscheidend. Die zwölfjährige Schülerin Sophie S. aus Darmstadt arbeitet, neben 54.058 anderen jungen Usern in Deutschland, in ihrer Klasse mit der Online-Plattform lo-net². In der virtuellen Arbeitsumgebung können sich Klassen und Schulen in Online-Räumen austauschen und so in einer geschützten Umgebung den Umgang mit dem World Wide Web erlernen. „Ich benutze es aber eher als Dateiablage. Wenn wir Gruppenarbeiten und Präsentationen in Fächern haben, dann müssen wir sie dort hochladen.“, sagt Sophie S.

Eine weitere Möglichkeit das Internet sinnvoll zu integrieren sieht die Vorstandsvorsitzende von Schulen ans Netz e.V. vor allem in der Projektarbeit: „Schülerinnen und Schüler bearbeiten z. B. in einer Projektwoche ein eigenes Thema, recherchieren selbstständig im Netz und bereiten ihre Erkenntnisse entsprechend auf.“ Hierbei ist auch eine Vernetzung von Schulen untereinander denkbar, die es Klassen erlaubt, über deutsche Grenzen hinweg kulturelle Erfahrungen mit dem Internet zu sammeln. Der große Vorteil besteht laut Brosch darin, dass Lehrkräfte „Aufgaben je nach Lerngeschwindigkeit und –interesse den Lernenden zuordnen, Lernfortschritte beobachten und somit den Einzelnen besser fördern können, als dies im reinen Frontalunterricht möglich wäre.

Auch die zweifache Mutter Jeanette Knauth aus Göttingen hätte prinzipiell nichts gegen eine stärkere Nutzung des Internets, beispielsweise durch Note‑ und Netbooks, es sollte aber nicht ausschließlich damit gearbeitet werden: „Was ich befürchten würde, ist, dass ein Miteinander, ein Austauschen, ein kontroverses Diskutieren auf Kosten dieser Internet und Laptopnutzung gehen würde.“

Große Nachteile fürchtet Brosch hingegen nicht: „Die häufig von Kritikern angeführten Konzentrationsschwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern sind selbst in den Versuchen mit ganzen Laptopklassen nicht signifikant höher gewesen als bei anderen Klassen.“ Dennoch wird es dieser Methode, so Lehrerin Anke Wallbott-Martin aus Darmstadt, bei übermäßigem Einsatz genauso ergehen, wie anderen Herangehensweisen: „Sie nutzt sich ab und verliert ihren Reiz.“

Grundvoraussetzung für den vorteilhaften und reizvollen Einsatz des Internets ist demnach der richtige Umgang der Lehrkraft mit diesem. Laut Brosch „sollte bereits im Lehramtsstudium der Medieneinsatz Thema sein, damit die pädagogisch-didaktischen Konzepte nicht erst nach dem Studium erarbeitet werden müssen.“ Außerdem sollten Lehrer offen dafür sein, auch die Hilfe ihrer Schüler anzunehmen und von diesen zu lernen.

Wie die Europäische Kommission berichtet, nutzen 65 Prozent der Kinder zwischen sechs und 17 Jahren das Internet Zuhause. Ein großer Teil der Schüler verfügt somit schon vor dem schulischen Gebrauch über Kenntnisse, die im Unterricht weiterentwickelt werden müssen. Dazu gehört vor allem die Vermittlung der Gefahren, die mit dem Umgang des Internets verbunden sind. Laut Brosch sind „technische Filterlösungen für einen präventiven Jugendmedienschutz wichtig, doch bedarf es vor allem auch der Vermittlung von Medienkompetenz, um Jugendliche vor den Gefahren des Internets zu schützen.“

„Meine Kinder haben an der Schule Fortbildungsveranstaltungen, wo Leute darüber sprechen, was eine gute Nutzung von Internet ist und wie man die Nutzung begrenzen kann. Das fand ich ganz wichtig und das haben die Kinder auch gut verinnerlicht.“, sagt Mutter Knauth. Für Sophie S. ist es „aber auch etwas langweilig, weil man das meiste ja schon von seinen Eltern weiß.“

Schüler müssen somit informiert, gleichzeitig aber auch in angemessener Weise herausgefordert werden, um eine optimale Förderung zu erlangen. So kann sich die Schule laut Brosch, „nicht dem Auftrag entziehen, digitale Medien als fächerübergreifendes Thema in den Unterrichtsalltag zu integrieren. Allen Schülerinnen und Schülern sollte im Zeichen einer Chancengerechtigkeit die sinnvolle Nutzung von Computer und Internet vermittelt werden. Denn auch im Hinblick auf Ausbildung und Beruf ist die Medienkompetenz ein elementarer Qualifizierungsbaustein.“

Lisa Schwinn

Bildquelle:
© Helder Almeida – Fotolia.com

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