Facebook – Ein Unterrichtsfach?

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28. April 2011 Print This Post

Dass medienbewusst.de nun auch auf facebook vertreten ist, zeigt einmal mehr: facebook hat sich etabliert. Während des dritten Quartals 2010 stieg die Mitgliederzahl nach eigenen Angaben um 19,5 Millionen. In Deutschland sind bereits 11,1 Millionen Menschen Mitglied. Vermutlich weiß mittlerweile auch so ziemlich jeder Schüler, was facebook ist. Die Regierung in NRW plant deshalb einen Medienkompetenzführerschein einzuführen.

Neben Eltern müsse „auch die Schule ihren Teil dazu beitragen, Mädchen und Jungen einen rationalen Umgang mit den digitalen Möglichkeiten nahezubringen“, so die Medienministerin Angelica Schwall-Düren (SPD) gegenüber der WAZ‑ Mediengruppe. Die Problematik ist bekannt. Wie ausführlich im medienbewusst.de – Artikel „Soziale Netzwerke? Aber sicher!“ dargelegt, gibt es viele Kritikpunkte und Gefahren im Umgang mit Informationen in sozialen Netzwerken. Schließlich kann mangelnder Datenschutz im späteren Leben, laut Schwall-Düren, „auch bei beruflichen und sozialen Karrieren hinderlich sein“.

Damit der Datenschutz auf Seiten der Schüler zukünftig besser gewährleistet werden kann, sollen diese ausgiebig darüber informiert werden, was mit ihren Daten passiert und welche Informationen sie besser für sich behalten sollten.

Ein erster Schritt hierfür soll, nach Meinung der Landesregierung in Nordrhein-Westfahlen, durch das Schulprojekt „Zeitungszeit Nordrhein-Westfalen“ gemacht werden. Neuntklässler haben dort ab September die Möglichkeit, mit der Regionalzeitung zu arbeiten, um so Einblicke in die Bewertung und Einordnung von Meldungen zu erhalten. „Viele Menschen glauben Nachrichten im Fernsehen oder im Internet kritiklos. Und in Gesprächen stellt man dann fest, dass sie die Sache gar nicht richtig verstanden haben“, sagt Schwall-Düren.

Die Brisanz des Themas ist auch über die Grenzen Deutschlands hinaus deutlich zu spüren. So machen sich andere Länder ebenfalls Gedanken über die Medienkompetenz ihres Nachwuchses. Das KulturCafe des ORF präsentierte am 23. Juni 2010 die Studie „Roundabout Kids 2010“ des Mobilfunkkonzerns Mobilkom Austria. Im Rahmen der Studie wurden 507 Kinder aus Österreich zwischen 6 und vierzehn Jahren über ihre Medienkompetenz sowie ihr Nutzungsverhalten als „Digital Natives“ (Menschen, die nach 1990 geboren und mit neuen Medien aufgewachsen sind) befragt. Demnach wird facebook von 19 Prozent der befragten Kinder täglich aufgesucht. Eine Aufklärung über die Risiken und Gefahren im Internet erhielten davon 56 Prozent der Befragten. Als wichtigstes Aufklärungsorgan gelten dabei, nach Angaben der Kinder, deren Eltern. Die Schule trägt mit einem Anteil von 13 Prozent bisher nur gering zur Belehrung über Internet und Social Media bei.

Mit der Frage, wie Kindern der Umgang mit Sozialen Netzwerken vermittelt werden solle, beschäftigte sich anschließend an die Präsentation der Studie des Kulturcafes auch eine Diskussionsrunde. Frau Brüning, Professorin für Erziehungswissenschaft/Didaktik der Philosophie und Ethik der Universität Hamburg, griff hierbei die Idee der nordrhein-westfälischen Regierung auf und setzte sich für einen Medienkompetenzführerschein ein. Dieser würde die Themenbereiche Datensicherheit, Passwörter, Umgang mit eigenen Daten, Zuverlässigkeit von Information und rechtliche Fragen wie beispielsweise Urheberrechte abdecken. Integrieren solle man den Erwerb des Scheins in den Rahmen eines Unterrichtsfaches oder den Inhalt einer Fächergruppe.

Den Eltern soll damit nicht jede Verantwortung entzogen werden. „Interesse zeigen für das, was die Kinder im Netz machen“, ist die Devise, sagt Brüning. Hierbei Seiten zu sperren ist laut Martin Bredl, Leiter der Unternehmenskommunikation von A1, nicht der richtige Weg. Gespräche und Interesse seien hierbei viel mehr die Schlüsselwörter zu Kompetenz im Umgang mit diesen Seiten.

Paul Träger

Bildquelle:
© Adriano Gasparri – flickr.com

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