„Nachhilfe ist Vertrauenssache“

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10. Mai 2011 Print This Post

Von der Grundschule bis zum Gymnasium: Nachhilfe gehört für viele Kinder und Jugendliche in Deutschland zum Alltag. Neben der klassischen Variante zu Hause oder im Institut, wird nun auch Nachhilfe im Internet angeboten. Wie aber ist der Trend einzuschätzen? medienbewusst.de hat  Andrea Heiliger, Verbandssprecherin des Bundesverbands für Nachhilfe‑ und Nachmittagsschulen e.V. (VNN e.V.), zu ihrer Meinung befragt.

Frau Heiliger, wie ist aus Sicht des VNN e.V. das Angebot einer Online-Nachhilfe zu bewerten?

Wir vertreten die Meinung, dass Vertrauen das Wichtigste zwischen Schüler und Nachhilfelehrer ist. Man muss sich kennen und individuell auf die Kinder und ihre Probleme in der Schule eingehen, damit der Erfolg gegeben ist. Oft haben die Probleme nicht nur etwas mit dem fehlenden Wissen zu tun, sondern auch mit einem fehlenden Selbstbewusstsein, das gestärkt werden muss. Online ist das nicht möglich, da man keine persönliche Beziehung zum Schüler hat. Deshalb haben wir kein Mitglied in den VNN e.V. aufgenommen, das Online-Nachhilfe anbietet.

Würden Sie sagen, dass es trotzdem bestimmte Vorteile gibt, die die Online-Nachhilfe gegenüber der klassischen Variante bieten könnte?

Ein Vorteil ist sicherlich, dass man jederzeit die Nachhilfe in Anspruch nehmen kann. Das hängt jedoch auch davon ab, was Online-Nachhilfe im jeweiligen Fall bedeutet. Ob der Schüler sich 24 Stunden einloggen und irgendetwas nachlernen kann oder ob es in einem virtuellen Klassenzimmer oder Forum bestimmte Zeiten gibt, wo man sich zur Nachhilfe verabredet. Da ist man dann auch wieder auf Zeiten festgelegt.


Könnte es hilfreich sein, Online-Nachhilfe mit der klassischen Nachhilfe zu kombinieren?

Es könnte sicherlich eine Ergänzung sein. Dass beispielsweise der Nachhilfelehrer zu Hause bestimmte Aufgaben stellt, die der Schüler online lösen soll und die beim nächsten Mal kontrolliert werden. Aber das ist abhängig vom Alter und der Zielgruppe. Wenn man einem Grundschüler Online-Nachhilfe anbietet, dann ist das sicher etwas anderes, als wenn diese von einem Oberstufenschüler erhalten wird. Dieser kennt seine Stärken und Schwächen schon selbst und kann sich disziplinieren. Außerdem kommt es darauf an, wie fit das Kind im Umgang mit den neuen Medien ist.

In den USA boomt das Geschäft mit Online-Nachhilfe. In Deutschland hält sich die Popularität noch in Grenzen. Wie sehen Sie die Zukunft der Online-Nachhilfe?

Ich könnte mir vorstellen, dass Online-Nachhilfe in Zukunft immer mehr kommt, da die Internetnutzung immer normaler wird. Das Internet wird, wie auch auf anderen kommunikativen Ebenen, ein Ergänzungsangebot sein. Aber ich glaube nicht, dass Online-Nachhilfe den gleichen Stellenwert einnehmen wird wie die klassische Variante. Denn bei der Nachhilfe steht der Mensch im Vordergrund. Man sieht die Mimik des Schülers, man hat ein Gespür von der Sprache und von der Körperhaltung her. Es ist einfach Vertrauenssache.

Unabhängig davon, für welche Variante der Nachhilfe man sich entscheidet: Auf was sollten Eltern achten?

Wie gesagt, Online-Nachhilfe lehnen wir im VNN e.V. ab. Bei der normalen Nachhilfe sollte man darauf achten, dass jedes Kind unterschiedliche Stärken und Schwächen und auch einen anderen Charakter hat. Es muss beispielsweise abgewägt werden: Ist das Kind besser zu Hause oder besser im Institut? Besser in der Gruppe oder besser alleine? Auch stellt sich die Frage, in wie vielen Fächern die Nachhilfe nötig ist. All das muss beleuchtet werden.

medienbewusst.de bedankt sich bei Andrea Heiliger für das Interview und wünscht viel Erfolg für die Zukunft.

Melanie Kleierl

Bildquellen:
Porträtfoto zur Verf. gestellt ⅴ. Andrea Heiliger
© Tulane Public Relations – flickr.com

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