Kinder im Internet schützen: Tipps von Rainer Richard

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21. März 2012 Print This Post

Rainer Richard ist Kriminalhauptkommissar und IT-Sachverständiger beim Polizeipräsidium München sowie Deutschlands erster Internet-Fahnder. Seit 1996 engagiert sich der Familienvater in seiner Freizeit für die Weiterbildung von Eltern und Lehrern zum Thema Jugendmedienschutz. Wir haben ihn zu den Gefahren im Internet und seinen Ratschlägen befragt.


Herr Richard, inwiefern hat Ihre Arbeit dazu beigetragen, dass Sie sich für den Jugendmedienschutz engagieren?

Als ich 1995 mit der Arbeit begann, war mein Sohn fünf Jahre alt. Insoweit stellte ich mir die Frage, wie unsere Kinder und Jugendlichen zukünftig mit dieser Thematik umgehen werden. Da ich beruflich die ganze Zeit mit den „dunklen Seiten“ der Datennetze konfrontiert bin, hinterlässt das Thema bei mir einen anderen Eindruck als bei Eltern, die das Internet privat oder beruflich auf eine andere Art und Weise nutzen.

Welche Probleme entstehen Ihrer Erfahrung durch fehlende Medienkompetenz von Kindern im Internet am häufigsten?

Meist haben Kinder das technische Know-how, wie man die Computer bedient und wie man in die entsprechenden Foren, Netze usw. hereinkommt. Doch das Hauptproblem ist die fehlende Lebenserfahrung, ⅾ. h. die Kinder nehmen nicht wahr, welche Gefahren es im Internet gibt. Wenn Kinder Opfer sexualisierter Gewalt in Chatrooms werden oder sie von Gleichaltrigen gemobbt werden, brechen ihre Welten schließlich zusammen. Wenn sie aktiv und gezielt nach pornografischen Inhalten suchen und diese auch finden, dann finden sie die Ergebnisse nicht schlimm.

Es ist etwas anderes, wenn sie selbst Opfer werden und sich dies vergegenwärtigen müssen. Dann stellen sich den Betroffenen einige Fragen: Wie komme ich aus dieser Situation heraus? An wen kann ich mich wenden? Wenn ich mich an meine Eltern wende, wie reagieren sie darauf? Drohen mir dann Verbote? Durch diese Kette von kausalen Zusammenhängen sind viele Kinder mit einer solchen Situation überfordert.

Sie warnen eindringlich davor, das Internet zur Selbstdarstellung zu nutzen und persönliche Daten ins Netz zu stellen. Was könnte mit den Daten geschehen?

Die Missbrauchsmöglichkeiten sind vielseitig. Im Bereich „Mobbing“ können sich Täter ihr Opfer alleine durch die Identifikation einer Person anhand ihres Fotos und Namens aussuchen. Oder man erzählt einer fremden Person im Chat beispielsweise, dass man in den Urlaub fährt und teilt ihr so unbewusst mit, wann das Haus leer steht.

Ihre wichtigsten Empfehlungen für den Umgang mit dem Internet sind „persönliche Zuwendung“, „Filterschutzprogramme“ und „Medienerziehung“. Zu welchen anderen technischen Maßnahmen würden Sie Eltern raten?

Abgesehen von den Filterprogrammen ist es wichtig den Computer der Kinder nicht mit vollen Administratorrechten auszustatten. Sonst kann es dazu führen, dass die Kinder am Computer unbegrenzt agieren können und Eltern keine Möglichkeit haben, deren Rechte zu verwalten und Einfluss zu nehmen.

Wie können Kinder in Chatrooms vor Gewalt, Pornografie und Mobbing geschützt werden?

Die Eltern müssen wissen, dass es keinen Rundum-Schutz gibt. Der Einzelne ist hier gefordert sich darüber zu informieren, was ihre Kinder am Computer machen. Das entspricht der Botschaft, die ich den Eltern bei meinen Vorträgen vermitteln will: Ich darf mich nicht darauf verlassen, dass der bloße Einsatz von Software ausreicht. Das ist umso wichtiger, je älter die Kinder sind. Meistens wissen ältere Kinder bereits, wie sie solche Filter umgehen können.

Ihr Buch Nur ein Mausklick bis zum Grauen wurde von Kritikern positiv bewertet, da es nicht nur für Fachleute, sondern auch für Eltern geeignet ist. Warum wurden aber die Chancen der neuen Medien nicht thematisiert?

Die Chancen der neuen Medien sind meiner Meinung nach jedem bewusst. Mit der Mediennutzung ergeben sich automatisch die positiven Seiten des Internets. Die größten Wissensmängel sind die Gefahren. Ich glaube nach wie vor, dass Aufklärung in diesem Bereich nötig ist. Mein Ziel ist es allerdings nicht, dass die Eltern die Computer ihrer Kinder nach meinen Vorträgen unter Verschluss halten. Ich will erreichen, dass sie ein Auge auf die Mediennutzung ihrer Kinder haben und sie auf ihren Wegen im Netz begleiten.

medienbewusst.de bedankt sich bei Herrn Rainer Richard für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg bei seiner Arbeit.

Kirsten Dietz

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