Kinder im Internet schützen – Was hilft wirklich?

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23. Mai 2012 Print This Post

Verbote, technische Filter, Zeitbegrenzungen, Kontrollen – Tipps, wie Eltern ihre Kinder vor den Gefahren des Internets schützen können, gibt es in Hülle und Fülle. Doch ist es möglich, das Risiko zu vermeiden, ohne  Kinder in ihrem Umgang mit dem Internet einzuschränken?

Eine Studie von EU Kids Online analysierte die verschiedenen Methoden, mit denen Eltern in die Internetnutzung ihrer Kinder eingreifen. Die Untersuchung mit über 25.000 neun bis sechzehn Jahre alten Kindern aus 25 Ländern zeigt, dass Risiken im Internet durch Verbote verringert werden. Aber gleichzeitig schränken sie Chancen und Fähigkeiten ein.

Das Internet gehört zu unserem Alltag. Kinder in Europa sind im Durchschnitt 88 Minuten täglich online. Ob im Schlafzimmer, über das Handy oder sonstige mobile Endgeräte: dem Internetzugang sind keine Grenzen mehr gesetzt. Und so wird es für Eltern immer schwieriger, die Sicherheit ihrer Kinder im Netz zu garantieren.

Bei den unzähligen Tipps für Eltern, wie sie ihre Kinder im Internet vor Gefahren schützen können, stellt sich die Frage, ob es eine Strategie gibt, die nicht zu einer generellen Einschränkung der Internetnutzung führt. Denn viele Restriktionen für Kinder im Netz haben nicht nur schützenden Charakter, sondern verringern auch ihre Möglichkeiten im Netz: Lernen, Kommunikation, Beteiligung und Spaß leiden unter den Vorsichtsmaßnahmen.

Die Studie vergleicht fünf elterliche Strategien zur Einflussnahme auf die Internetnutzung ihrer Kinder: Dabei sind die Strategien wie folgt definiert: Bei den Technischen Schranken setzen die Eltern bestimmte Spam‑, Junk‑, und Virussoftware, Filterprogramme oder Zeitbegrenzungen ein. Eine zweite Möglichkeit ist die Methode der elterlichen Kontrolle. Dabei überprüfen die Erwachsenen beispielsweise, welche Webseiten ihr Kind besucht hat oder welche Freunde es zu seinem Profil bei einem Sozialen Netzwerk hinzugefügt hat. Bei der Verbots-Strategie, dürfen die Kinder unter anderem keine persönlichen Informationen herausgeben oder Fotos, Videos und Musik hochladen. Im Rahmen der Methode der Aktiven Vermittlung von Sicherheit erklären Eltern ihren Kindern zum Beispiel, warum manche Webseiten gut und manche schlecht sind, oder helfen ihnen, wenn sie etwas Schwieriges im Internet tun oder finden müssen. Mit dem Kind darüber zu reden, was es im Internet tut oder in der Nähe zu stehen, wenn es das Internet nutzt, sind Maßnahmen für die Methode der Aktiven Teilhabe an der Internetnutzung.

Die Studie setzte die Ergebnisse der Umfrage über die Verwendung der verschiedenen elterlichen Strategien in Beziehung zu bisherigen Erfahrungen von Kindern mit Online-Gefahren. Dabei zeigte sich folgendes:

  • Je mehr Eltern auf die Verbots-Strategie zurückgreifen, desto weniger Gefahren sind Kinder im Internet ausgesetzt.
  • Je mehr Eltern aktiv an der Internetnutzung ihrer Kinder teilhaben, desto weniger Gefahren sind Kinder im Internet ausgesetzt.
  • Es besteht kein signifikanter Zusammenhang zwischen einer Aktiven Vermittlung von Sicherheit bei Kindern zwischen 11 und 12 Jahren. 9‑ bis 10-Jährige und 13‑ bis 16-Jährige hatten wider erwarten bisher mehr Erfahrungen mit Online Gefahren gemacht. Dieser Effekt wird im folgenden Abschnitt erklärt.
  • Kontrolle durch die Eltern führt zu mehr Internetrisiken bei den 9‑ bis 14-Jährigen.
  • Technische Schranken haben keinen Effekt auf die Gefahrenreduktion im Internet.

Entgegen den Erwartungen stellte sich heraus, dass die Methoden Aktive Vermittlung von Sicherheit und Kontrolle mit mehr Risiko statt weniger verbunden sind. Der Effekt ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Eltern diese Sicherheits-Strategien häufiger einsetzen, wenn ihre Kinder bereits einmal Gefahren im Internet erlebt haben. Die Eltern sind dann aufmerksamer in Bezug auf die Sicherheit ihrer Kinder im Internet. Aus diesen Ergebnissen sollten Eltern also nicht den Schluss ziehen, in Zukunft besser nicht mehr auf Ihre 9 bis 10 und 13 bis 16 Jahre alten Kinder Acht zu geben. Es wird sich vielmehr um einen Effekt handeln, der durch eine von der Studie nicht ausreichend beachtete Situation hervorgerufen wird.

Als sehr wichtig stellte sich auch heraus, dass nicht nur Verbote sondern auch eine aktive Teilhabe von Eltern an der Internetnutzung ihrer Kinder zu weniger Gefahren im Internet führen. Eltern die mit ihrem Kind über das Internet reden, in der Nähe sind oder bei ihnen sitzen, wenn sie online gehen, sie ermutigen, das Internet zu erforschen und Online-Aktivitäten mit ihnen zu teilen – all diese Maßnahmen verringern das Risiko der Kinder auf Gefahren im Internet zu stoßen ohne dabei jedoch deren Chancen und Möglichkeiten zu beschränken!

Generell stellte sich heraus, dass Eltern sich entgegen gängiger Vorurteile viele Gedanken um die Internetnutzung ihrer Kinder machen und ein großes Spektrum an Strategien anwenden. Kinder begrüßen das Interesse und die Aktivitäten der Eltern und diese vertrauen wiederum den Fähigkeiten ihrer Kinder.

Wanda Kesel

Bildquelle:
© flickr.com – Cascadian Farm

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