Umbrüche bei sozialen Netzwerken für Kinder

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8. Juli 2012 Print This Post

Die VZ-Netzwerke sind tot. Gleichzeitig startet Facebook einen Angriff auf die Daten von Kindern und Eltern. Die sozialen Netzwerke in Deutschland befinden sich momentan in einer Phase der Veränderung. Doch was bedeutet das für die Nutzer?

Im Mai 2010 hatten die drei VZ-Netzwerke SchuelerVZ, StudiVZ und MeinVZ insgesamt über 450 Millionen Besucher und waren unangefochtener Spitzenreiter im Bereich der sozialen Netzwerke in Deutschland. Kein Wunder, schließlich konnten sie auf 17 Millionen registrierte Mitgliedern bauen. Der größte Konkurrent Facebook kam deutschlandweit hingegen nur auf knapp 10 Millionen Mitglieder. Doch der Niedergang von Myspace hat gezeigt, dass in der Online-Welt nichts ewig währt. Vor allem dann nicht, wenn es um soziale Netzwerke geht.

„Poolworks“ soll an den alten Erfolg der VZ-Netzwerke anknüpfen

Visits der VZ-Netzwerke

Daten: IVW; Grafik: medienbewusst.de; Für Februar 2012 sind
keine Daten vorhanden; Zum Vergrößern klicken

Facebook hat die VZ-Netzwerke mittlerweile vom Thron gestoßen und die Rekorde des Netzwerks in den Schatten gestellt. Das amerikanische Netzwerk hat deutschlandweit nun fast 24 Millionen Mitglieder, weltweit sogar schätzungsweise 900 Millionen Mitglieder, während es mit den VZ‑ Netzwerken drastisch bergab ging. Im Mai 2012 kamen nur noch knapp 50 Millionen Besucher auf die Seite – trotz eines umfangreichen und kostspieligen Relaunch. Das war anscheinend zu wenig, und so entschied sich die VZ Netzwerke Ltd. im Juni dazu, die VZ-Netzwerke wie es sie heute gibt zu beerdigen und sich neu zu orientieren.

Aus der Asche der VZ-Netzwerke soll im Herbst 2012 Poolworks entstehen. Aus SchuelerVZ, dem ertragreichsten der drei Netzwerke, wird idpool. Das neue Netzwerk soll Schülern die Gelegenheit bieten, ihre Talente vorzustellen und die Talente anderer zu entdecken. Die Plattform soll in Zukunft „zu einem edukativen Angebot ausgebaut werden“. Was mit StudiVZ und MeinVZ geschieht, steht noch in den Sternen. Für die beiden Netzwerke werden momentan „neue Optionen geprüft“, so die VZ-Netzwerke.

Facebook plant Zugang für Kinder

Facebook scheint der Niedergang der VZ-Netzwerke nicht auszureichen. Laut dem Wall Street Journal soll Facebook an einem Zugang für Kinder unter 13 Jahren arbeiten. Kein Wunder: Von 150 Millionen amerikanischen Facebook Nutzern sind 5,6 Millionen Kinder unter 13 Jahren dabei, das hat das amerikanische Magazin Consumer Reports herausgefunden. Die Kinder, sind dabei mit falschen Angaben in dem sozialen Netzwerk unterwegs, denn noch ist es für Kinder unter 13 Jahren nicht erlaubt dabei zu sein.

Um Bedenken über die Sicherheit der Kinder auszuräumen, plant Facebook, die „Kinderaccounts“ mit denen ihrer Eltern zu koppeln. Facebook erhält somit die werberelevanten, unverfälschten Daten der Kinder. Denn mit den bisherigen, falschen Informationen der Kinder kann Facebook kein Geld verdienen. Zudem zwingt man so die Eltern, die vorher noch keinen Account hatten, sich bei Facebook anzumelden.

Kritiker bemängeln Datenschutz von Facebook

Die Nachricht ruft natürlich auch Kritiker auf den Plan: Das Deutsche Kinderhilfswerk nimmt die sozialen Netzwerke in die Pflicht und fordert mehr Verantwortung für soziale Netzwerke: „Die Verantwortung dafür, wie Kinder Internetangebote nutzen, darf nicht allein auf die Eltern abgewälzt werden. Vielmehr braucht es geeignete Mechanismen in den sozialen Netzwerken selbst, durch die Kinder vor nicht kindgerechten Werbeformen, einer Verletzung ihrer Privatsphäre oder einem Missbrauch ihrer persönlichen Daten geschützt werden“, so Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Auch Familienministerin Kristina Schröder fordert gegenüber der Passauer neuen Presse strengere Regeln für soziale Netzwerke: „Soziale Netzwerke sind Realität und werden von immer mehr und immer jüngeren Kindern in Deutschland genutzt. Deshalb ist es elementar, dass die Betreiber von sozialen Netzwerken den Schutz von Kindern und Jugendlichen auch sicherstellen“.

Es bleibt also spannend im Bereich der sozialen Netzwerke für Kinder, denn der Bereich ist mit vielen Fragezeichnen gekennzeichnet. Wird Poolworks an den alten Erfolg der VZ-Netzwerke anknüpfen können? Oder erleiden sie dasselbe Schicksal wie MySpace? Und was ist mit Facebook? Die politische und gesellschaftliche Debatte verlangt nach strengeren Datenschutzregeln, doch der Marktführer Facebook reagiert kaum. Wird es den Datenschutzregeln der EU gerecht und sein Netzwerk für Kinder öffnen? Alles Fragen die wir mit Spannung verfolgen werden.

Marvin Strathmann

Bildquellen:
© Facebook/Zef Nikolla

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