Artikelserie zum SID 2013: „Was macht denn mein Bild da?“ – Ernst Schulten über Datenklau im Netz

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5. Februar 2013 Print This Post

Ein neues Forum, eine neuer Chatroom und schon wieder meine persönlichen Daten preisgeben im Netz? Mit dem ständigen Aufkommen neuer Onlineangebote steigt auch die Anzahl der eingegebenen Nutzerdaten und hochgeladenen Profilbilder. Doch was genau kann eigentlich im schlimmsten Fall mit meinen Daten und Fotos passieren? Die Initiative WakeUpInternet e.V. hat sich dem Schutz der digitalen Identität verschrieben. Im Gespräch mit medienbewusst.de klärt der Vorsitzende Ernst Schulten über mögliche Gefahren auf und gibt Hinweise, wie man sich und andere vor dem digitalen Datenklau schützen kann.

Herr Schulten, was kann mit meinen persönlichen Daten im Internet geschehen und was genau ist daran so gefährlich?

Im schlimmsten Fall landen persönliche Daten wie zum Beispiel persönliche Texte und Bilder auf kompromittierenden Seiten, wie beispielsweise auf Pornoseiten oder in Singlebörsen. In Bezug auf das zukünftige Leben hat das nachhaltig negative Folgen. Das Problem ist, dass natürlich auch Arbeitgeber Ihren Namen im Internet checken. Im schlimmsten Fall auch die Bewerbungsfotos. Ich kann mir gut vorstellen, dass es kein Arbeitgeber gerne sieht, wenn der Name in Verbindung mit problematischen Seiten steht. Aus diesem Grund überwachen wir auch die 10 größten Plattformen und ermitteln deutsche Opfer.

Welches Motiv beziehungsweise welchen Nutzen haben denn die Täter davon?

Die Täter haben verschiedene Motive wie Rache oder auch Machtausübung. Häufig geht es auch um Geld wie zum Beispiel durch Erpressung oder um schlichte Werbung wie bei Affaire.com.

Wer ist vor allem betroffen? Auf welche Zielgruppe haben es die Täter besonders abgesehen?

Zu 90 % sind Mädchen und Frauen betroffen, denn die Täter sind meistens männlich. Vereinzelt sind aber auch junge Männer betroffen.

        Ernst Schulten bei einem Vortrag

Hat sich die Problematik durch das Aufkommen Sozialer Netzwerke und der fortschreitenden Technik verändert?

Ja, definitiv durch die Zunahme an Plattformen und in Verbindung damit, die immer höher werdenden Auflösungen der Kameras.

Mit dem Aufkommen von Kameras mit mehr als sechs Megapixeln hat sich der Datenmissbrauch massiv verändert. Konnten Sie früher auf den Bildern bis auf das Motiv relativ wenig erkennen, so bieten die aktuellen Kameras unglaubliche Auflösungen von bis zu dreißig Megapixeln. Durch das Verbreiten von diesen Bildern im Internet, z.B. über Facebook ergeben sich dramatische Möglichkeiten für CrossProfiling. Das heißt es können Informationen aus Bildern mit anderen Inhalten, wie zum Beispiel aus Twitter oder von Vereinsseiten so kombiniert werden, dass der Täter Vor‑ und Nachname ermitteln kann.

Kann es passieren, dass ich selbst unbewusst Persönlichkeitsrechte anderer verletze, indem ich beispielsweise Bilder von fremden Webseiten weiterverwende? Mache ich mich damit strafbar? Auf was muss ich achten?

Ja, das ist gefährlich. Zum einen aus Sicht des Urheberrechts, aber auch aus Sicht des Kunsturheberrechtsgesetz. Verwenden Sie fremde Bilder nur für eigene Zwecke, dann kommen Sie nicht mit dem Urheberrecht in Konflikt. Haben Sie ein unsicheres Profil bei Facebook und werden Bilder von Ihren Freunden aus Ihrem Account kopiert und dann auf unseriösen Seiten veröffentlicht, so sollten Sie sich zumindest moralisch schuldig fühlen. Zudem sollten Sie natürlich fragen, ob Sie fremde Bilder überhaupt verwenden dürfen. Das ist gefährlich.

Mit welchen Präventivmaßnahmen kann ich mich schützen? Was schreckt die Täter ab?

Am besten Sie beherzigen die folgenden 10 Regeln der Webhygiene. Diese finden Sie auch auf unserer Facebook-Seite in Filmfassung. Einen weiteren Schutz können sie erlangen, indem Sie WakeUpInternet zum Beispiel in Facebook in ihre Favoriten aufnehmen. Die Täter studieren die Facebookaccounts sehr genau, sodass Sie sehr schnell in Erfahrung bringen wer oder was WakeUpInternet e.v ist.

1. Verwende ein sicheres Kennwort!
Ein sicheres Kennwort hat mindestens 10 Zeichen, mit Buchstaben, Zahlen & Sonderzeichen.
Verwende keine Namen von Freunden oder Haustieren und auch keine Geburtstage.

2. Halte Deinen Virenschutz am Computer aktuell!
Ein Virenschutz ist Pflicht für einen Computer, aber halte ihn auch aktuell.
Bestimmte Viren und Trojaner verteilen Deine Daten per Upload im Internet.

3. Sei anonym mit einem Pseudonym oder gekürzten Nachname!
Ein Pseudonym („Fake-Name“) schützt Deinen echten Namen. Du kannst deinen realen Nachnamen auf zwei oder drei Stellen kürzen, so wird zum Beispiel aus „Tina Steffens“ „Tina Ste“. Wahre Freunde gewöhnen sich auch an das Pseudonym – alle anderen geht das Profil ohnehin nichts an.

4. Sei sparsam mit Bildern!
Profilbilder (Darstellung des kompletten Gesichts) sind zu vermeiden. Sepia‑/Graustufen-Bilder schützen Dich vor „Nacktpixelscannern“ im Internet. Empfohlene Bildgröße: max. 320 × 240 Pixel.

5. Vermeide identifizierende persönliche Angaben!
Lösche Geburtsdatum, eMailadresse, Postanschrift aus Profil und Chronik. Schalte Ortungsfunktionen via Handy ab, denn Ortungsfunktionen ermöglichen weltweite Verfolgbarkeit.

6. Prüfe Deine Freundesliste regelmäßig!
Prüfe einmal bis zweimal jährlich die Freundesliste und dünne diese aus. Lösche „Einmalfreundschaften“ und prüfe, ob ein Freund vielleicht doppelt angezeigt wird.

7. Halte Deine Chronik so kurz wie möglich!
Die Chronik speichert Deine Daten sehr lange, daher ist diese von Zeit zu Zeit zu leeren. Sende keine geheimen Daten über die Chronik und die Nachrichten-Funktion.

8. Kontrolliere regelmäßig Deine Privatsphäre-Einstellungen!
Von Zeit zu Zeit ändern soziale Netzwerke die Privatsphären-Einstellungen – meist ohne Vorwarnung. Die Verwendung von komplizierten Datenverwendungsbedingungen, doppelter Verneinungen oder widersprüchlicher Aussagen machen ein aufmerksames Lesen der Bedingungen notwendig.

9. Verweigere Apps oder Spielen den Zugriff auf Deine persönlichen Daten!
Verweigere Apps den Zugriff auf Deine Freundesliste oder das Adressbuch. Zudem verraten Spiele, wie Du Deine Freizeit nutzt. Hierfür interessieren sich auch Arbeitgeber.

10. Begehe keine Urheberrechtsverletzungen!
Illegale Down‑ und Uploads können Abmahnungen und/oder Unterlassungserklärungen zur Folge haben. Statt illegaler Downloads nutze besser Streaming-Dienste, wie z.B. Internetradio von LastFM, Spotify etc.

 

medienbewusst.de bedankt sich bei Ernst Schulten für die vielen nützlichen Tipps und wünscht weiterhin viel Erfolg.

Miriam Köble

Bildquelle:
© wakeupinternet.com
© z. Verf. gestellt von Ernst Schulten

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