Mit 11 Jahren Beautyguru auf YouTube – Gefahren eines Onlinetrends

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27. Juli 2015 Print This Post

YouTubeYouTube gehört zu den großen Erfolgskonzepten des digitalen Zeitalters. Täglich werden millionenfach Videos angeklickt, hochgeladen und kommentiert. Durch den explosionsartigen Erfolg sogenannter YouTuber hat es die Grundidee von „Send dich selbst“ auch bis in deutsche Kinderzimmer geschafft. Ein neuer Trend, der aber durchaus einige Gefahren mit sich bringt.

Das Konzept von YouTube ist denkbar einfach. Alles was benötigt wird ist eine E-Mail-Adresse, um sich bei dem Videoportal anzumelden. Danach steht es dem Nutzer frei, ob er einfach nur Videos anschauen, kommentieren und bewerten möchte oder ob er sogar selbst aktiv Inhalte produzieren will. Hierzu dient der eigene YouTube-Kanal. Hier kann der Nutzer, auch YouTuber genannt, Videos mit beliebigem Inhalt hochladen. Diese werden dann von anderen Nutzern angesehen und kommentiert oder bewertet. In den letzten Jahren sind die Klickzahlen dieser YouTube-Videos soweit gestiegen, dass sie auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant geworden sind. Seit 2007 besteht daher die Möglichkeit, mit YouTube Geld zu verdienen.

Besonders bei Kindern und Jugendlichen treffen die neuen YouTube-Stars den Nerv der Zeit. Sie warten gespannt auf das nächste Video ihrer Lieblings-YouTuberin, in dem sie ihre neusten Einkäufe präsentiert oder ihre aktuelle Abendroutine mit Tipps gegen Pickel und Mitesser vorstellt. Was früher in der Bravo nachgelesen wurde, wird heute im Internet angeschaut. An sich also kein neuer Trend. Neu ist aber, dass nun die Kleinen selbst anfangen, sich im Internet zu präsentieren.

Beispielhaft für eine Reihe neuer, sehr junger YouTuber haben wir uns einen YouTube-Kanal genauer angeschaut. Die 11-jährige Betreiberin des Kanals lädt pro Woche mehrere Videos hoch und zeigt neben ihren letzten Einkäufen im Drogeriemarkt auch ihre Schminksammlung oder Ausschnitte ihrer letzten Halloween-Party. Ob eine 11-Jährige bereits eine Schminksammlung besitzen sollte, ist Ansichtssache. Gravierender sind die Kommentare, die unter dem Video zu lesen sind. Dort sind Dinge wie: „Oh Gott was bist du für ne Tussi. Richtig eingebildet wie du redest und unsympathisch. Sowas gehört gemeldet“ (Das Melden eines YouTube Kanals aufgrund unangebrachter Inhalte kann im härtesten Fall zu seiner Sperrung führen) oder „Wenn sie weg ist, dann ist jeder Mensch happy“ zu lesen. Bei anderen Videos wurde die Kommentarfunktion direkt vom Nutzer deaktiviert. Die YouTube Community wird sogar von Erwachsenen YouTubern, wie Dagi Bee (über eine Millionen Abonnenten auf YouTube) als sehr hart und schonungslos beschrieben. Dass eine 11-Jährige bereits mit solchen Reaktionen umgehen kann, ist sehr unwahrscheinlich. An dieser Stelle sind die Eltern gefragt. Sie sollten sich darüber informieren, inwieweit ihr Kind auf YouTube aktiv ist und offen mit ihm über solche Kommentare sprechen. Eltern sollten außerdem ein Auge darauf haben, ob ihr Kind vielleicht sogar selbst Verfasser solcher Kommentare ist.

Ein weiteres Augenmerk ist auf den Schutz der Privatsphäre im Internet zu legen. Die beschriebene YouTuberin gibt in ihren Videos neben ihrem richtigen Namen auch viele andere persönliche Details preis. Dies ist wahrscheinlich ihrem jungen Alter zuzuschreiben. Deshalb sollten Eltern darauf achten, ihre Kinder frühzeitig über Themen wie Datenschutz und Privatsphäre aufzuklären und zu sensibilisieren. Denn was einmal im Internet gepostet wurde, kann nicht so einfach wieder gelöscht werden.

Ebenso oft kommt es vor, dass Nutzer über YouTube versuchen, andere Nutzer kennenzulernen. Auch hier ist Vorsicht geboten. Die Angaben der YouTube-Nutzer werden nicht überprüft. So kann das Profil einer 13-jährigen Schülerin auch von jemand anderem betrieben werden. Falls Kinder also Onlinefreundschaften aufbauen, sollten Eltern auch hier den offenen Dialog suchen und Interesse für die Onlinekontakte ihrer Kinder zeigen.

All diese Gefahren mögen vielen Eltern auf den ersten Blick sehr groß erscheinen. Es ist daher wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern über die Gefahren im Internet sprechen und Interesse an deren Internetaktivitäten zeigen.

Madita Pierenkemper

Bildquelle:
© Privat

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