Augen auf in sozialen Netzwerken!

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7. September 2016 Print This Post

xEin Leben ohne Internet ist für viele unvorstellbar. Es wird für die Recherche bei Schulaufgaben genutzt oder auch immer häufiger zur Kommunikation in sozialen Netzwerken. Hier wird aber nicht nur gechattet und gelikt was das Zeug hält, häufig werden auch (mehr oder weniger) unbewusst zahlreiche Daten über die eigene Person preisgegeben, die in falsche Hände gelangen könnten. Welche Gefahren in sozialen Netzwerken lauern und wie sie umgangen werden können, erfahren Sie hier.

Im Jahr 2015 befragte die JIM-Studie 1200 Jugendliche im Alter von 12–19 Jahren. Hierbei wurde festgestellt, dass die Jugendlichen viel Zeit im Internet verbringen und dabei am häufigsten über ihr Handy oder Smartphone (88%) oder den Laptop/PC (74%) im Internet surfen. Besonders auffällig ist, dass schon 30 Prozent der 12–13 Jährigen Online Communities wie Facebook oder den Messenger WhatsApp täglich bis mehrmals die Woche nutzen. Mit zunehmenden Alter steigen die Zahlen zudem stark an. Dies sind nur ein paar Gründe dafür, dass medienbewusst.de die Gefahren in sozialen Netzwerken beleuchten will. Denn Grund zur Sorge ist auch, dass sich von insgesamt 850 befragten Jugendlichen in Bezug auf die Datensicherheit ihrer am meisten genutzten Community nur elf Prozent „sehr sicher“ fühlten. Zu jeweils ca. einem Drittel gaben sie an sich nur „sicher“ oder gar „weniger sicher“ zu fühlen.

Unsichtbare Spuren
Haben Sie sich einmal gefragt, warum Sie, wenn Sie zuvor auf einer Website für Kinderspielzeug gestöbert haben, nun direkt danach bei Google Werbung für das neuste Monopoly sehen? Schuld daran sind „Cookies“ (engl. Kekse). Das sind Datenpakete, die auf dem Rechner gespeichert werden und die Erinnerungsfunktion im Internet übernehmen. Sie sorgen dafür, dass sich beispielsweise Suchmaschinen bereits eingegebene Suchbegriffe merken und passende Vorschläge dazu geben. Cookies dienen dazu, dass der Nutzer beobachtet wird. Alle Daten, also auch welche Internetseiten angesehen werden, werden so gesammelt, dass die jeweiligen Interessen herausgefunden werden können und somit die auf den Seiten angezeigten Werbungen individuell zugeschnitten werden kann. Das ist besonders bei dem sozialen Netzwerk Facebook sichtbar.

Gefährlich können Cookies dann werden, wenn unsere Kinder so sehr von den vielen Werbungen manipuliert werden, dass sie in eine Kostenfalle geraten. Deshalb sollten Sie Ihr Kind über die Funktionsweise von Cookies aufklären, dass es sich nicht von den Werbungen verleiten lassen und auf keine Werbebanner klicken soll. Hilfreich kann dafür ein Adblocker (engl. Werbeblocker) sein. Dieser wird in Browsern wie Firefox, Chrome oder Internetexplorer über die Erweiterung installiert und sorgt dafür, dass Werbebanner und ähnliches identifiziert und geblockt werden. Diese Zusatzfunktion ist kostenlos und im Internet finden Sie zahlreiche Anleitungen und Informationen dazu. Eine zusätzliche Möglichkeit, um die Gefahr der Cookies zu beheben, ist das Löschen der Cookies, was regelmäßig getan werden sollte. Auch dies ist in den Einstellungen der Browser möglich. Sie können dort auch einstellen, dass dieser nach jeder Sitzung die Cookies automatisch löscht.

Auch während wir mit unserem Computer auf den verschiedensten Webseiten surfen, werden technische Daten übertragen, ohne dass wir etwas davon mitbekommen. Denn jeder PC besitzt eine sogenannte IP-Adresse („Internetprotokoll“-Adresse). Diese Nummer dient der Identifikation, ähnlich eines Namens, der nur ein einziges Mal vergeben und somit eindeutig zuzuordnen ist. So kann herausgefunden werden, wer sich wann, wo und wie lange auf welcher Seite aufgehalten hat. Diese Funktion hat natürlich auch Vorteile, da die Polizei damit Straftäter identifizieren kann.

Das Internet vergisst nicht

Eine große Gefahrenstelle sind die Inhalte, die im Internet veröffentlicht werden. Alles, was dort preisgegeben wird, bleibt auch im Internet. Selbst wenn wir die Bilder, Videos oder Nachrichten löschen, sind sie irgendwo bereits gespeichert. Sei es auf den Servern des jeweiligen Netzwerkes oder von einer dritten Person, die die Bilder o.ä. dann weiter teilen können. Deshalb ist es wichtig, von Anfang an zu bedenken, dass einmal gepostete Inhalte ein Eigenleben entwickeln können. Das alles wieder rückgängig zu machen gestaltet sich nämlich als unmöglich.
Medienbewusst.de rät, erst gar keine Inhalte zu veröffentlichen, die später unangenehm oder zu intim werden könnten. Das heißt, peinliche Fotos, Videos oder private Angaben zur Adresse, Stundenplan oder Urlaubstermine haben im sozialen Netzwerk nichts verloren! Sie könnten sonst bewirken, dass beispielsweise Ihr Kind nach dem Fußballtraining abgefangen wird, weil der komplette Tagesablauf durch Facebook und Co. bekannt ist.

Der Missbrauch privater Daten

Viele soziale Netzwerke wollen von den Nutzern vor allem eines: private Daten. Man gibt den Namen, Geburtsdatum oder sogar die Telefonnummer an, ohne sich große Gedanken darüber zu machen. Die Angaben zur eigenen Person wie der Geburtstag, Wohnort oder die Interessen durch „Gefällt mir“ Angaben werden von den jeweiligen Netzwerken gespeichert und auch an dritte Firmen weiterverkauft. So ist es möglich, dass auf unsere Interessen zugeschnittene Werbung am Bildschirmrand erscheint.

Nicht nur Firmen, sondern auch Privatpersonen könnten diese Daten mit böser Absicht missbrauchen. So könnten Dritte aufgrund der vielen privaten Angaben ein Fake-Account, also ein gefälschtes Profil, erstellen und so sich als Ihr Kind ausgeben. Dieser Identitätsdiebstahl kann in verschiedenen Formen auftreten: Es könnten sogar im fremden Namen Kaufverträge abgeschlossen, Blogs oder Kommentare verfasst, wiederum falsche Profile erstellt, falsche Tatsachen vorgetäuscht oder Straftaten begangen werden.

Außerdem ist es möglich, dass sich erwachsene Fremde ein falsches Profil anlegen, mit dem sie vorgeben um einige Jahre jünger zu sein, um so mit dem Kind in Kontakt zu treten. Besonders intime, vor allem freizügige Bilder könnten dann im schlimmsten Fall einem Pädophilen zufallen.
Außerdem bieten zu viele private Angaben u.U. eine Anlaufstelle für Mobbing im Internet.
Medienbewusst.de empfiehlt daher, mit Ihrem Kind zusammen genau zu überlegen, welche Information es veröffentlichen darf und welche nicht. Machen Sie Ihrem Kind bewusst, dass private und freizügige Bilder nicht für das Internet geeignet sind.

Wie kann sich unser Kind schützen?

  • Seien Sie für Ihr Kind eine Stütze. Seien sie offen und schaffen Sie über Interesse und regelmäßigen Austausch mit ihrem Kind eine Vertrauensbasis, sodass es bei Problemen jederzeit zu Ihnen kommen möchte, weil es um Sie als offenen und kompetenten Ansprechpartner weiß.
  • Keine peinlichen Inhalte. (Bilder, Videos)
  • Keine privaten Angaben. Damit sind Geburtsjahr, Wohnadresse, Angaben zum Tagesablauf usw. gemeint.
  • Profileinstellung auf „privat“ stellen, damit nur die Freunde die Inhalte lesen können.
  • Browsereinstellungen überprüfen: Um darüber informiert zu werden, wann eine Website einen Cookie setzen will, kann man die entsprechende Browsereinstellung aktivieren. Dann kann man selbst entscheiden, ob man die Seite weiterhin besuchen will oder nicht.
  • Nicknamen benutzen! In den sozialen Netzwerken muss man nicht seinen richtigen Namen angeben. Das sorgt für mehr Anonymität. Aber vermitteln Sie Ihrem Kind, diese auch nicht zu missbrauchen!
  • AGBs lesen und hinterfragen. Dürfen die Netzwerke so viel über mich wissen und weitergeben?
  • Adblocker installieren, um Kostenfallen durch übermäßige Werbung zu vermeiden.

Isabel Staedtler

Bildquelle:
© t-ehinger.de, thumbs.dreamstime.com

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