Kein Kavaliersdelikt – Warum Verstöße gegen das Urheberrecht ernsthafte Konsequenzen haben

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14. Februar 2010 Print This Post

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„Mama, wann kommt Papa wieder?“ „Noch vier Mal singen.“ Mit diesem und anderen Beiträgen sowie zahlreichen Plakatmotiven wurde vor einigen Jahren die deutschlandweite Initiative „Hart, aber gerecht“ ins Leben gerufen, welche in offensiver und polarisierender Weise auf die Folgen der Urheberrechtsverletzung hinwies. Durch diese Verstöße fährt die Filmindustrie Jahr für Jahr alleine in Deutschland Verluste im dreistelligen Millionenbereich ein. Des Weiteren sinkt die Zahl der Kinobesucher sowie der Verkauf beziehungsweise Verleih von Videos und DVDs stetig. Seit Beginn der Initiative sind ein paar Jahre vergangen, doch an der Brisanz und Aktualität des Themas hat sich seitdem nichts geändert. medienbewusst.de sprach aus diesem Anlass mit Jan Oesterlin, langjähriger Geschäftsführer der Zukunft Kino Marketing GmbH sowie mit einem jungen Mann, welcher seit seiner frühen Jugend illegal Kinofilme aus dem Internet lädt und den solche Kampagnen völlig kalt lassen.

Thomas (Name geändert) sieht in seinen Handlungen keinerlei kriminelle Machenschaften. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr lädt er sich regelmäßig aktuelle Kinofilme und Musik aus dem Internet herunter. Ein schlechtes Gewissen hat er deswegen aber nicht. „Ich bin ja nicht der einzige der das macht.“ Viele Jugendliche in seinem Freundeskreis seien ebenfalls regelmäßig auf „einschlägigen Internetseiten unterwegs“ auf der Suche nach den neusten Blockbustern aus Hollywood. Was früher vor allem über Tauschbörsen wie „BitTorrent“ oder „eMule“ abgewickelt wurde, läuft heute über Direct-Download-Anbieter wie Rapidshare. Mit der Zeit wurde es einfach „zu heiß“, fragwürdige Dateien über Filesharing-Netzwerke auszutauschen. „Ich kenne Leute, die haben da Musik runtergeladen und wurden erwischt und mussten dann mehrere hundert Euro zahlen. Seitdem lade ich nur noch bei Rapidshare.“ Da nimmt Thomas auch qualitativ schlechte Raubkopien und unvollständige Musikalben in Kauf, die Hauptsache ist, er spart auf diese Weise eine Menge Geld, welches eigentlich den Urhebern der Filme und Musik zustünde. „Regelmäßig ins Kino gehen könnte ich mir niemals leisten.“ Und solange er noch problemlos an Filme gelangt wird Thomas sein Verhalten auch zukünftig nicht ändern.

An Kinder und Jugendliche, die genau mit dieser Einstellung an die Thematik der Urheberrechtsverletzung herantreten, richtet sich die Initiative RESPE©T COPYRIGHTS.  Diese im Jahre 2005 gegründete Aufklärungskampagne stellt eine geplante Weiterentwicklung von „Hart, aber gerecht“ dar. Man wollte zunächst „ins Gespräch kommen“ und „einen Fuß in die Tür stellen“, so Jan Oesterlin, Geschäftsführer der Zukunft Kino Marketing GmbH, gegenüber medienbewusst.de. Aber im Unterschied zu „Hart, aber gerecht“ sei RESPE©T COPYRIGHTS nicht „einseitig und provokant“, sondern wolle vielmehr „die Diskussion fördern“, so Oesterlin weiter. Mit zahlreichen Informationen und Unterrichtsmaterialien auf der Interseite von RESPE©T COPYRIGHTS wollen die Initiatoren den bewussten Dialog fördern und gerade in der „Online-affinen Zielgruppe zur Wertebildung beitragen“, argumentiert Oesterlin. Doch da sich diese Wertebildung im Kinder‑ und Jugendalter nicht nur auf Schule und Elternhaus beschränkt, richtet sich RESPE©T COPYRIGHTS in Zukunft auch an Heranwachsende in Sportvereinen oder Kirchengruppen. So werden etwa spezielle Rollenspiele entwickelt, die mit Hilfe von Jugendgruppenleitern durchführbar sind und so durch spielerische Art und Weise Aufklärungsarbeit leisten.

Diese Aufklärung ist in vielen Fällen auch nötig. Gerade Kinder und Jugendliche sind sich oftmals ihrer Handlungen nicht vollständig bewusst. Urheberrechtsverletzungen stellen in Deutschland laut Urheberrechtsgesetz eine Straftat dar, die je nach Ausmaß der Tat auch mit mehrjährigem Freiheitsentzug bestraft werden kann. Doch dieses Bewusstsein wird in der breiten Öffentlichkeit oft vermisst und das Herunterladen von Filmen oder Musik vielmehr als Bagatelle oder Kavaliersdelikt abgetan.
Allerdings ist es heutzutage auch denkbar einfach, im Internet an illegale Raubkopien zu gelangen. Selbst PC-Neulinge und unerfahrene Internetnutzer können sich mit wenigen Klicks die neusten Kinostreifen beschaffen. Solange auf diesem Gebiet keine klaren Gesetze auf den Weg gebracht werden, besonders was das Thema „Direct Downloads“ betrifft, bleibt der Filmindustrie nicht viel mehr als der Appell an das Gewissen und an die Werte und Normen der Gesellschaft, damit es sich Menschen wie Thomas ganz genau überlegen, ob denn der nächste Gang ins Kino nicht doch angenehmer ist als der nächste Klick zur Raubkopie.

Manuel Mohr

Bildquelle: © REGIERUNGonline Kugler

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