Vom Daumenkino bis zur „Toy Story“

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19. November 2010 Print This Post

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Das Bild macht den Film – Bei Zeichentrickfilmen gilt dies wörtlich, auch wenn es nicht nur eines sondern vielmehr tausende Bilder sind, die während eines Filmes gezeigt werden. Im Laufe der Jahre haben sich neue Techniken entwickelt und damit neue Möglichkeiten bis hin zum heutigen Animationsfilm. medienbewusst.de nimmt die Entwicklung vom einstigen Trickfilm zur heute gängigen Animation mal etwas genauer unter die Lupe.

Alles beginnt zunächst mit einem Bild. Wenn dann nach diesem Ersten weitere hinzugefügt werden und eine Bilderfolge entsteht, ist die Grundlage für einen Film geschaffen. Das Prinzip dahinter kennt jeder, der schon einmal ein Daumenkino angesehen hat. Mehrere Bilder, die die gleiche Szenerie mit leichten Veränderungen zeigen, werden schnell hintereinander betrachtet. Durch den dadurch entstehenden Stroboskopeffekt erscheinen die vielen einzelnen Bilder unserem Gehirn wie eine fließende Bewegung. Nach diesem Prinzip – viele Bilder, die schnell hintereinander gezeigt werden – wurden die ersten Filmkameras und –projektoren entwickelt, die grundsätzlich auch heute noch so arbeiten.

Der Zeichentrickfilm nimmt dabei insofern eine Sonderstellung ein, als dass jedes Bild, aus dem er besteht, einzeln gezeichnet wird. Der erste animierte Zeichentrickfilm – „Humorous Phases of Funny Faces“ – wurde 1906 von dem amerikanischen Regisseur J. Stuart Blackton präsentiert. Zu dieser Zeit wurden die Bilder noch direkt auf den Filmstreifen gezeichnet, recht schnell ging man jedoch dazu über, Papierzeichnungen unter die Kameras zu legen und aufzunehmen.

Aber auch diese Technik wurde nicht lange beibehalten. In den frühen 1920er Jahren zeichneten die Trickfilmer ihre Bilder auf Zelluloidfolien, was den so genannten „Cels“ (von engl. Celluloid) auch ihren Namen gegeben hat. Durch das Übereinanderlegen von mehreren Folien war es nun erstmals möglich, auch einzelne Elemente des Hintergrundes zu verändern, ohne ein komplett neues Bild zeichnen zu müssen. Erweitert wurde dieses Prinzip von Ubbe Ert Iwwerks (besser bekannt als Ub Iwerks) durch die Entwicklung einer neuen Aufnahmetechnik. Mit der so genannten Multiplankamera können auf Glasplatten gezeichnete Bilder als einzelne Ebenen erfasst und gefilmt werden, sodass ein realistischer 3D-Effekt entsteht.

Diese Jahre waren auch die Zeit des, die Zeichentrickwelt wohl am stärksten prägenden, Produzenten – Walt Disney. In gemeinschaftlicher Arbeit mit dem Zeichner und Erfinder Iwerks entstand 1927 die Figur Micky Maus und nur ein Jahr später hatte der erste Tonfilm aus dem Hause Disney, „Steamboat Willie“, Premiere. Mit „Schneewitchen und die sieben Zwerge“ brachte Disney 1937 den ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm ins Kino, später folgten Filme wie „Pinocchio“, „Dumbo“ oder „Bambi“. Walt Disney hatte vor allem das Ziel, in seinen Filmen eine heile Welt zu zeigen und auf gewalthaltige oder sexuelle Thematiken zu verzichten. Dieser Einfluss ist noch heute auszumachen. So sind, bis auf einige Ausnahmen wie z.B. die deutsche Produktion „Werner“, nahezu alle westlich geprägten Zeichentrickfilme vorrangig für Kinder produziert und größtenteils gewaltfrei.

Bedingt durch die steigende Beliebtheit des Fernsehens, begann ab Mitte der 1950er Jahre die Kinoindustrie stetig kleiner zu werden, was sich natürlich auch auf den Zeichentrickfilm auswirkte. Trotz einiger großen Produktionen, verlor der Zeichentrick im Kino somit an Bedeutung und es sollte lange dauern, bis technische Neuerungen Einzug in die Studios hielten. Erst in den siebziger Jahren berechneten Computer die Kamerafahrten für die Aufnahmen, die Produktion der Bilder wurde erst in den 1990ern digitalisiert und wird nun oft durch Grafiktablets vorgenommen.

Eine große Weiterentwicklung im Trickfilmbereich fand jedoch schon in den spätern Achtzigern, mit der Gründung der Pixar Animation Studios statt. Die erste Produktion aus diesem Hause ist ein Kurzfilm namens „Luxo Jr.“ und zeigt die mittlerweile als Markenzeichen etablierten Schreibtischlampen. Mitte der 90er kam dann der erste vollständig am Computer animierte Trickfilm, eine Co-Produktion von Pixar und Disney, in die Kinos – „Toy Story“. Nach einigen weiteren sehr erfolgreichen Produktionen übernahm Disney im Jahr 2006 die Pixar Animation Studios und besitzt damit eines der erfolgreichsten Animationsstudios der Welt. Die größte Konkurrenz sind die DreamWorks Studios bzw. die 2004 eigenständig gewordene  DreamWorks Animation SKG, Inc., die mit „Shrek 2“ den bisher erfolgreichsten Animationsfilm produziert haben.

Doch trotz der technischen Weiterentwicklung ist der klassische Zeichentrickfilm nicht gänzlich verschwunden sondern wird durch Computeranimationen unterstützt, wie zuletzt am Beispiel von Disneys „Küss den Frosch“ deutlich wurde.

Arne Nowacki

Bildquelle: © majo – Fotolia.com

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