Religion anstatt Rambo – Biblische Filminhalte immer beliebter

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7. Februar 2011 Print This Post

Regelmäßige Kinogänger, aufmerksame TV-Zuschauer und mit Sicherheit auch Kinder haben den Trend schon längst bemerkt: Das Thema Religion bestimmt die Kinofilme aber auch das Fernsehprogramm. Ob in „Die Chroniken von Narnia“ oder der Fernsehserie „Chi Rho – Das Geheimnis“: Biblische Filminhalte sind allgegenwärtig und erleben viel positiven Zuspruch, vor allem von Kindern. Wie ist diese Entwicklung zu erklären? medienbewusst.de hat einmal bei Pädagogen, der Bischofskonferenz und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend nachgefragt.

„Grundsätzlich erleben wir momentan keine Renaissance der Religion“, sagt Michael Kreuzfelder, Pressesprecher des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Dennoch sei auch dem Bund die steigende Anzahl religiöser Filme nicht entgangen. Die Gründe für das wachsende Interesse an biblischen Filminhalten seien vielfältig. „Das liegt zum einen daran, dass religiöse Geschichten einfach gute Komponenten für Filme darstellen“, sagt David Hober, Geschäftsführer der Katholischen Rundfunk‑ und Fernseharbeit und Mitglied der Bischofskonferenz. Themen wie Vertrauen, Verrat, Liebe, Hass und Eifersucht seien jedem Menschen im täglichen Leben allgegenwärtig. Genauso allgegenwärtig wie in den Geschichten der Bibel und den Evangelien. Hober: „Diese Geschichten befassen sich mit den Urkonstanten eines jeden Lebens und sind für Erwachsene, aber auch für Kinder gleichermaßen interessant und faszinierend.“

Dies beweisen jüngst die letzten Quotenzahlen der KI.KA Zeichentrickserie „Chi Rho – Das Geheimnis“ im Dezember des Jahres 2010. In der Serie geht es um die zwölfjährige Cora Petersen, welche mit Hilfe eines Zeitreisewürfels und den passenden Bibelstellen immer wieder nach Jerusalem reist, um ihren Vater zu suchen. Dabei interessant: Die Geschichten spielen sich im Jerusalem der Jahre Zwölf nach Christi Geburt ab. Im Einzelfall lag die Sehbeteiligung im Dezember des vergangenen Jahres bei 30,4 Prozent. „Ein wahrer Quotenrenner also“, wie auch David Hober bestätigt.

Doch wie viel Glaube brauchen Kinder wirklich? Und wie gehen Eltern ohne Konfession mit Serien und Filmen um, die biblische Inhalte behandeln? Margitta Förster ist seit 40 Jahren Religionslehrerin an Grundschulen rund um die thüringische Stadt Ilmenau. Auch ihr sind die steigenden Zahlen religiöser Kinderfilme nicht entgangen. „Glaube“, so befindet die Pädagogin, „ist essentiell für jede Kinderseele und ein Teil des Urvertrauens.“ Außerdem biete die Religion, obgleich sie sich nun auf das Christentum, Judentum oder den Islam beziehe, einen Rahmen um sich zu öffnen, zu träumen, Hoffnungen aufzubauen und auch Kraft zu finden. Deshalb sei es ratsam seinen Kindern diese Möglichkeiten auch zu bieten. Obgleich man als Elternteil selbst daran glaube oder nicht. Diese Meinung teilt auch Gabriele Malter, ebenfalls Religionslehrerin im Umkreis von Ilmenau. Sie unterrichtet Jugendliche an Regelschulen und befindet zum einen, „dass ein Grundwissen der Eltern in Bezug auf Religion zum Allgemeinwissen gehört“ und zum anderen, „dass Glaube an sich, vor allem aber die Aufmerksamkeit für das Kind, sehr wichtig sind.“

In einem Punkt sind sich die oben genannten Experten alle einig: Kinder sind vor allem im Alter zwischen zwei und sechs Jahren mythologisch sehr gut ansprechbar. „Sie sind offener für Wunder und Gleichnisse und auch generell ist die Grundanlage des Glaubens in diesem Alter höher angelegt“, sagt der Pressesprecher des Bundes der deutschen katholischen Jugend, Michael Kreuzfelder. Ähnliche Ergebnisse zeigt auch der „Religionsmonitor“ der Bertelsmann Stiftung. Dieser untersucht weltweit Fragen der Religiösität und des Glaubens und wurde von Religionswissenschaftlern, Soziologen, Psychologen und Theologen entwickelt. Laut einer Online-Umfrage im Dezember des Jahres 2009 mit rund 7000 Teilnehmern, glaubt jeder zweite junge Mensch im Alter von 14–21 Jahren an Gott und ein Leben nach dem Tod. Mehr als 50 Prozent der christlichen Jugendlichen sind davon überzeugt, dass „Gott“ keine Idee, sondern ein personales Gegenüber ist. Diese Ansicht teilen, laut der Studie, auch zehn Prozent der konfessionslosen Jugendlichen. „Ein weiterer Beweis dafür, dass Glaube auch ohne Religion funktioniert“, sagt die Religionslehrerin Gabriele Malter lächelnd.

Evelyn Horvath

Bildquelle:
© Marcel Mooij – Fotolia.com

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