Der BJF: Filmbildung für Kinder und Erwachsene

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23. April 2012 Print This Post

Seit 1970 engagiert sich der Bundesverband Jugend und Film e. Ⅴ. (BJF) für die Filminteressen von Kindern und Jugendlichen. Neben der Organisation von kulturellen Filmveranstaltungen gehören auch verschiedene Serviceleistungen zu seinem Angebot. Geschäftsführer Reinhold T. Schöffel erklärt uns, wie dieser Servicedienst aussieht und welche Kinderfilme er für empfehlenswert hält.


Herr Schöffel, Aus welchem Grund wurde der Bundesverband für Jugend und Film ins Leben gerufen?

Der Bundesverband Jugend und Film e. Ⅴ. wurde zur Interessenvertretung von Kinder‑ und Jugendfilm-Initiativen gegründet. Diese finden beim BJF vielfältigen Service, Rat und Hilfe in allen Fragen zur Kinder‑ und Jugendfilmarbeit.

In Kürze soll die „Durchblick“-DVD-Edition für Kinder erscheinen, was beinhaltet diese Edition?

In der DVD-Edition „Durchblick“ des BJF erscheinen qualitativ hochwertige Filme für Kinder oder junge Leute. Oft sind es Filme, die in Deutschland kaum oder gar nicht im Kino zu sehen waren. Aber auch thematisch ausgewählte Kurzfilm-Sammlungen für Vor‑ und Grundschulkinder oder ambitionierte Jugendfilme, erscheinen als „Durchblick“-DVDs. Die Filme sind jeweils ausgestattet mit umfangreichem Bonusmaterial zur Nutzung der Filme in Schule und Jugendarbeit. Bisher sind rund 30 „Durchblick“-DVDs erschienen. Im Jahre 2012 folgen u. a. der Kinderfilm-Klassiker „Der rote Ballon“, das Kurzfilm-Programm „Film: Wie geht das eigentlich? – Filmbildung für Kinder“ und die Spielfilme „Anne liebt Philipp“ und „The Liverpool Goalie oder Wie man die Schulzeit überlebt“.

Auf ihrer Internetseite weisen Sie darauf hin, dass sich Filmclubs, Schulen und andere Institutionen aus einer Bibliothek von 500 Filmen ausleihen können. Wie läuft diese ab und was muss ich als Ausleihender beachten?

Reinhold T. Schöffel

Reinhold T. Schöffel

Jugendeinrichtungen aller Art können beim BJF aus rund 500 ausgewählten Filmen für Kinder und Jugendliche wählen und diese für nicht gewerbliche öffentliche Vorführungen ausleihen. Das gilt auch für Privatpersonen, die in ihrem Umfeld eine öffentliche nicht gewerbliche Vorführung organisieren wollen. Zunächst legt man einen Termin fest und wählt die Filme aus, die man vorführen will. Die Filme der BJF-Clubfilmothek gibt es in der Regel als DVD, manche auch schon als BluRay-Disc, ältere Filme stehen oft auch noch als 16mm-Filmkopien zur Verfügung.

BJF-Mitglieder können die Filme gegen einen geringen Kostenbeitrag ausleihen oder kaufen, aber die meisten Filme stehen auch für Initiativen zur Verfügung, die nicht Mitglied im BJF sind. Die Bestellung läuft per Telefon oder per E-Mail. Termin und Film werden schriftlich bestätigt. Bei der Organisation der Vorführung sollte man beachten, dass man einem in der Nähe arbeitendem gewerblichen Kino keinesfalls Konkurrenz machen sollte. Daher darf für nicht gewerbliche Vorführungen auch nicht öffentlich geworben werden. Einen Tag nach der Vorführung muss der Film wieder zurückgeschickt werden.

Können Sie uns einen aktuellen Tipp aus der Bibliothek geben? Gibt es Werke die häufiger oder seltener ausgeliehen werden?

Beim BJF werden Arthouse-Filme, also kleinere Autorenfilme, für Kinder und Jugendliche deutlich stärker nachgefragt als z.B. viele Filme, die im kommerziellen Kino besonders erfolgreich waren. Einer der erfolgreichsten Filme in unserem Programm im Jahr 2011 war z. B. der lettisch‑österreichische Kinderfilm Die kleinen Bankräuber – eine tolle Komödie für Kinder, die ich hier gerne als Tipp empfehlen will. Außerdem werden unsere Klassiker sehr gut nachgefragt, wie „Ronja Räubertochter“, die Pippi-Langstrumpf‑ oder Michel-Filme, „Das kleine Gespenst“ und „Petterson und Findus“.

Ebenfalls hervorragend laufen natürlich Filme, bei denen hochwertige Kinounterhaltung und Popularität zusammenkommen, wie bei „Vorstadtkrokodile“ oder Wickie und die starken Männer. Insgesamt liegt der Schwerpunkt der Nachfrage klar auf Kinderfilmen. Filme für Jugendliche ab ca. 12 Jahren werden deutlich weniger ausgeliehen. Dem wirken wir entgegen, in dem wir ein sehr engagiertes Angebot an Jugendfilmen bieten, mit denen junge Leute ihr eigenes Filmprogramm gestalten können.

Gab es in der letzten Ausgabe des BJF-Magazins einen Film den Sie als besonders empfehlenswert ansehen?

Unter den Kinderfilmen Mein Freund Knerten, ein Spielfilm aus Norwegen, der ganz in der Tradition der hochwertigen skandinavischen Kinderfilme steht – ein Film der zwar eine ernste Geschichte erzählt, aber dazu richtig gute Laune verbreitet.

Unter den Filmen für junge Leute ab 12 Jahren gibt es zwar auch viele aktuelle Komödien, wie Four Lions oder Almanya – Willkommen in Deutschland, besonders empfehlen möchte ich aber das Politdrama Illégal. Er erzählt die Geschichte einer russischen Frau, die sich illegal in Westeuropa aufhält, und entdeckt, festgenommen und in Abschiebehaft genommen wird. Selten gelingt es einem Film so eindringlich zu zeigen, wie Menschlichkeit und herrschende Politik im Widerspruch zueinander stehen.

Sie bieten über ihre Internetseite auch Seminartermine an. Wie muss man sich so ein Seminar vorstellen? Gibt es Voraussetzungen, die man erfüllen muss, um teilzunehmen?

Unsere Seminare richten sich an haupt‑ und ehrenamtliche Fachkräfte der Jugendarbeit, Lehrerinnen und Lehrer, die mehr über Filmbildung kennenlernen wollen, weil sie z. B. in der Schule oder im Jugendhaus Filmvorführungen organisieren wollen. Selbstverständlich stehen solche Seminare auch filminteressierten Jugendlichen offen, die z.B. ehrenamtlich im Jugendhaus Filmvorführungen organisieren oder die einfach mehr über Film und Kino wissen wollen.

Es gibt aber auch viele Veranstaltungen für Jugendliche, die selber Filme machen oder die dies lernen wollen. Wer sich also überlegt, demnächst eine Videokamera zuzulegen, um erste Filme aufzunehmen, findet bei uns sicher ein Wochenendseminar oder eines unserer beliebten Sommerfilmcamps, um die Grundlagen des Filmemachens zu lernen. Unsere Seminare werden alle nicht gewerblich veranstaltet, d.h. die Teilnahmegebühren sind auch für junge Leute erschwinglich. Einen Seminarkalender finden sie auf unserer Internetseite.

Wie sehen Sie die Zukunft des BJFs?

Der BJF setzt sich weiter dafür ein, dass Kinder und Jugendliche Zugang zu den besten Filmen haben, die weltweit für diese Zielgruppen entstehen und diese für ihre eigene Bildung nutzen können. Denn: Filmbildung „gelingt am besten dann, wenn die Zielgruppe nicht behindert wird, an geistigen Herausforderungen und starken Gefühlen zu wachsen“, wie unser Kollege und Autor Holger Twele auf seiner Internetseite treffend formuliert.

medienbewusst.de bedankt sich bei Herrn Schöffel für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

Felix Baumann

Bildquelle:
© Reinhold T. Schöffel

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