Ein Kinderzimmer voller Medienangebote

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30. November 2008 Print This Post

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Die Tatsache, dass in der heutigen Zeit unsere Kinder bereits im frühsten Alter mit jeglichen Medien konfrontiert werden und diese kaum aus deren Leben wegzudenken sind, scheint von der Gesellschaft hingenommen und akzeptiert zu werden. Schon vor der Geburt glauben einige werdende Eltern, beispielsweise ihr Kind mit klassischer Musik oder Entspannungsklängen beeinflussen zu können. Gerade wenige Minuten auf der Welt, muss es sich dem ersten Fotoshooting unterziehen und einige Jahre später sitzt es vor dem Fernseher, denn die neueste Folge der Lieblingssendung steht an…

Der Anblick eines Kindes in einem Winnie Puh Pullover wird vermutlich niemanden verwundern, genauso wenig, wie die dazu passende Bettwäsche, der Stoffbär oder das mit einem Honig schleckendem, gelben Bären versehene Geschirr. Das mag daran liegen, dass an der Existenz von Fanartikeln generell nichts Merkwürdiges zu finden ist. Die kindliche Begeisterung für eine Sache, Person oder fiktive Figur ist meist auf einen Ursprung zurück zu führen, beispielsweise ein Comic oder Kinderbuch. Dieses wird im Folgenden verfilmt, eine dazu passende Serie produziert und jede Menge verkaufsfördernde Produkte auf den Markt gebracht. Auffällig ist, dass sich diese immer mehr am Umgang mit elektrischen Medien orientieren. So ist wenige Monate nach dem Kinofilm die DVD für zu Hause erhältlich, es wird eine dem Alter der Zielgruppe angepasste Homepage errichtet, der Soundtrack zum Film ist auf CD erhältlich und wenig später gibt es das Ganze auch als Gesellschafts‑ oder Computerspiel zu kaufen. Füllt sich ein Kinderzimmer allein mit Winnie Puh Gegenständen, so kann man vermutlich sagen, dass die crossmediale Vermarktungsstrategie erfolgreich war. Unterstützt wird dieser Prozess durch die Annäherung verschiedener Einzelmedien aneinander – die Medienkonvergenz.

Es ist naheliegend, dass aus dieser ständigen Medienpräsenz eine gewisse Beeinflussung auf das Kind hervorgeht. Die Medien werden durch einen „individuell variierenden, komplexen Prozess“ in das alltägliche Leben integriert, der auch als Medienaneignung bekannt ist. Ist damit sowohl die „Nutzung und die daraus resultierende Verarbeitung von Medieninhalten als auch die Realisierung und Erschaffung von medienübergreifenden Verknüpfungen gemeint“, so ist die Rede von „konvergenzbezogener Medienaneignung“.
Ein unterschiedliches Ausmaß der Mediennutzung führt zu qualitativ differenzierten Veränderungen im Medienerleben, was wiederum zu verschiedenen Handlungsfolgen der Heranwachsenden führen kann. Aus mehreren Studien von dem Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JFF), die zwischen 2001 und 2006 bezüglich der Medienaneignung durchgeführt wurden, gehen fünf Typen des Medienumganges hervor. Demnach gibt es diejenigen, die Medien als Konsumraum, als Spezialisierungsraum, als Lebensraum, als Präsentationsraum oder als Gestaltungsraum verstehen. Abhängig davon, wie der Mediennutzung gegenüber gestanden wird, sind verschiedene Folgen denkbar.
Problematisch wird es, wenn der Sprössling sich sehr intensiv der Medienwelt widmet und somit inhaltlich stark involviert ist. Ebenso gefährlich kann es sein, wenn ein, von den Medien beschönigtes Vorbild idealisiert wird oder die Konsumwelt einen Ersatz der Realität darstellt. Vor allem Kindern mit niedrigem Bildungshintergrund fällt es schwer, Virtualität und Realität zu trennen. So neigen vor allem Mädchen dazu, sich in mediale Traumwelten zu flüchten, die oft von Daily Soaps propagiert werden, während gewaltbegeisterte Actionfans nicht selten in Welten abdriften, in denen Gewalt an der Tagesordnung ist. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass natürlich auch positive Folgen denkbar sind. Werden beispielsweise die Interessensgebiete mit verschiedenen Medien weiter erforscht, kann es zu wachsenden Strukturwissen und neuen medienbezogenen Fähigkeiten kommen.
Allein die sozialen und persönlichen Kontexte, sowie die von dem Umgang mit Medien erwarteten Ziele beeinflussen die Folgen des Handels positiv oder – wie erläutert – gegebenenfalls auch negativ.

Abschließend sollte stets im Bewusstsein bleiben, dass für die Kinder von heute die konvergente Medienwelt quasi von Anfang an präsent und somit bereits vertraut ist, bevor sie sich tatsächlich der gleichen zuwenden werden. Anfangs fungieren Fernseher und Computer als Einstiegsmedium, wobei inhaltliches Interesse dem für das Mediengerät überwiegt. Durch virtuelle Kommunikation und Interaktion besteht die Möglichkeit zur Identitätsbildung. Allerdings werden die jeweiligen Konsequenzen des Medienumganges hauptsächlich durch subjektive Strukturen beeinflusst. In wie weit diesbezüglich ein mit Winnie Puh geschmücktes Kinderzimmer das Handeln eines Kindes beeinflussen kann, ist allerdings fraglich.

Britta Duling

Quelle:
http://www.mediaculture-online.de/Autoren-A-Z.253+M54a764d13c9.0.html

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