Mittwochs in Erfurt – Spatz und Jury sind gelandet

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8. Juni 2009 Print This Post

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Am 27. Mai fand die Eröffnung des Kindermedienfestivals in der Zweitstelle Erfurt statt. Kinderfilmfans jeden Alters, viele Schauspieler und auch Medienschaffende trafen sich im F1-Center am Hirschlachufer und starteten in die nächste Etappe des Goldenen Spatzen. Vor Ort sammelte medienbewusst.de Eindrücke vom Tag. Katharina Trautmann, seit 2003 Projektleiterin der Kinderjury, gibt darüber hinaus einen Einblick in die Arbeit der kleinsten Mitarbeiter des Festivals.

Um 9 Uhr öffneten die Toren des Cinestar-Kinos Erfurt für alle medienbegeisterten kleinen und großen Kinder. Wie in Gera fanden auch in Erfurt Wettbewerbe statt. In den verschiedenen Kinosälen gab es die unterschiedlichsten Filme und Sendungen zu bestaunen. Den Start machten unter anderem „Die Sendung mit dem Elefanten“, „Die wilden Hühner und das Leben“, sowie die Neuverfilmung des Märchens „Das Tapfere Schneiderlein“.

Ein Highlight des Tages stellte die persönliche Begegnung mit Kostja Ullman dar. Gegen Mittag fand eine Autogrammstunde mit dem Star aus „Die wilden Hühner“ und „Das tapfere Schneiderlein“ statt. Im Gespräch mit medienbewusst.de erzählte Kostja folgendes über Märchen:

„Ich finde es ganz wichtig, Märchen neu zu verfilmen um die Geschichten Kindern wieder näher zu bringen. Meiner Meinung nach wollen Kinder nicht immer alles nur lesen, sondern sie freuen sich, wenn sie die Märchen auch mal sehen“. Doch nicht nur Kostja Ullmann stellte sich zu einem Gespräch zur Verfügung, sondern auch Bernd das Brot – Erfinder Tommy Krappweis und der von Kika bekannte Moderator und Schauspieler Karsten Blumenthal („ReläXX“, „Schloss Einstein“). Alle drei sind im Videobeitrag zu sehen.

Eine weitere Attraktion war die Onlinelounge. Kinder hatten hier die Möglichkeit, die verschiedensten Websites zu besuchen und teilweise auch zu bewerten. Nicht nur die Seiten, auf denen sie online spielen konnten, lockten junge Menschen in die Lounge. Ein weiterer Anziehungspunkt war das Englischlernspiel des Fraunhofer Instituts. Hier konnten Kinder interaktiv ihre Sprachkenntnisse verbessern, indem einfache Begriffe übersetzt und durch ein Fußtouchpad eingetippt wurden. In der Presselounge folgte am frühen Nachmittag ein Filmgespräch und die Präsentation „30 Jahre – 30 Stimmen“. Währenddessen konnten die Kinder hautnah die Entstehung eines Serienausschnitts miterleben. „Schloss Einstein“ drehte auf den Treppen des Kinos und lud junge Festivalbesucher ein, als Statisten in einer Szene aktiv mitzuwirken.

Den Abschluss des Tages machten verschiedene Wissenssendungen für Kleine, wie zum Beispiel „Wissen macht AH!“ und „neuneinhalb“, sowie der Film „Die drei ??? – Das verfluchte Schloss“.

Ingrid Pabst

Frau Trautmann, zum 30-jährigen Jubiläum des Festivals sind über 900 Bewerbungen für die Kinderjury eingegangen. Die Plätze scheinen heiß begehrt zu sein. Woher kommt das große Interesse?

Für das Jubiläum haben die Kindersender NICK, SuperRTL und KI.KA einen Trailer produziert, sodass im Fernsehen viel Werbung gelaufen ist, was ganz hervorragend war. Natürlich sind auch über das Radio, das Internet und die Zeitung Kinder auf uns aufmerksam geworden. Ganz besonders wichtig ist aber die Mund-zu-Mund-Propaganda.

In diesem Jahr haben sich wieder viel mehr Mädchen als Jungen beworben…

Das ist eine Interessenfrage, weil Mädchen in dem Alter mehr schreiben. In den letzten Jahren hat immer der Anteil der Mädchen überwogen. Das muss sich allerdings nicht in der Jury widerspiegeln. Bei den Mädchen bewerben sich zwar mehr, bei den Jungs aber vielleicht nur die, die es wirklich interessiert. Wir versuchen bei Geschlecht und Bundesland auf ein ausgewogenes Verhältnis in der Jury zu achten. Seitdem das Festival im jährlichen Rhythmus stattfindet besteht die Jury aus 18 Kindern, wobei pro Bundesland ein Kind vertreten ist. Hinzu kommen noch zwei Kinder aus den Festivalstädten Gera und Erfurt. Zum Jubiläum wurde die Jury durch sechs weitere Mitglieder aus Südtirol, der Schweiz und Niederösterreich komplettiert.

Was muss ein Kind tun, um sich für einen Platz in der Filmjury zu bewerben?

Es muss einen Bewerbungsbogen ausfüllen, in dem neben persönlichen Daten das Filminteresse über Angaben zu Lieblingsspielfilm, Lieblingsserie usw. erfragt wird. Besonders spannend ist immer die Frage „Welches Thema würdest du gerne einmal im Fernsehen verfilmt sehen?“, weil man erfährt, was Kinder heutzutage bewegt, zum Beispiel Mobbing, Armut oder Drogen. Daneben finden sich auch kuriose Antworten wie Fledermausforschung in Panama oder Autobahnbau in Dänemark, bei denen man nicht genau weiß, wie die Kinder darauf kommen. Abgesehen von diesen Fragen muss jeder Bewerber eine Filmkritik schreiben. Worüber und ob positiv oder negativ, ist egal. Oft verreißen Kinder einen Film auch völlig, besonders wenn es sich um eine Adaption von einem Buch handelt.

Welche Aufgaben kommen in der Festivalwoche auf die Mitglieder der Filmjury zu?

Die Kinder erhalten Bewertungsbögen, anhand dessen sie Punkte für die Filmbeiträge verteilen müssen. Wir verarbeiten die Punkteverteilung dann in einer Rangliste und präsentieren sie der Jury in den täglich stattfindenden Gesprächsrunden. Dort sammeln Fachbetreuer die Argumente der Kinder und tragen sie noch einmal zusammenfassend vor. Die Diskussionen können teilweise bis zu zwei Stunden dauern, wobei sich häufig die kleinen gegen die großen Kinder durchsetzen.

Auf was muss bei der Konzipierung der Bewertungsbögen geachtet werden?

Im Vordergrund steht die Frage „Gefällt dir das?“, „Gefallen dir die Darsteller?“, wofür die Kinder Noten von schlecht bis sehr gut vergeben. Der Bogen entspricht keiner tiefgründigen Bewertung, sondern versucht das spontane Empfinden der Kinder einzufangen. In der Diskussion können sich die Kinder dann noch einmal von den anderen Jurymitgliedern anregen lassen und sich austauschen.

Bekommt man nach dem Festival auch Feedback von Eltern und Kindern?

Auf alle Fälle, besonders in der Woche nach dem Festival kommen E-Mails oder Briefe von Eltern, aus denen man lesen kann, was die Kinder nach Hause getragen haben. Vor dem Festival muss man immer viel Überzeugungsarbeit leisten, weil Kinder teilweise zum ersten Mal von zu Hause weg sind, aber am Ende freuen sich die Eltern darüber, dass ihr Kind so ein unvergessliches Erlebnis gehabt hat und stellen fest, dass ihr Kind erwachsener geworden ist.

Katja Schmidt

Bildquelle:

http://goldener-spatz.de/presse/index/index.htm

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