Elternschulung unter dem Motto „Kinder und Medien“

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1. August 2012 Print This Post

Dies ist keine Schule wie jede andere. Das wird beim Betreten der Franz von Assisi Schule sofort klar. Alle Wände sind bunt bemalt und künstlerisch gestaltet, man fühlt sich gleich wohl. Heute findet in der offenen Ganztagsschule in Ilmenau ein ganz besonderer Elternabend statt. Genauer gesagt: Eine Elternschulung, denn die Eltern sollen sich aktiv mit dem Thema „Kinder und Medien“ auseinandersetzen.

Über eine breite Wendeltreppe, in deren Mitte ein lebensgroßer Blauwal aus Pappe hängt, gelangt man in die Aula. Dort soll das Geschehen heute stattfinden. An den mintgrünen Wänden stehen Tische mit großen und einigen kleineren Stapeln von Broschüren. Während in der Mitte der Aula Stuhlreihen aufgebaut sind, fallen die großen weißen Ständertafeln erst gar nicht auf. Bei näherem Betrachten werden die angeschrieben Begriffe Fernsehen, Handy, Internet und Computerspiele erkennbar. Zusätzlich sind die zwei Altersklassen 6 bis 13 Jahre und 13 bis 19 Jahre angeschrieben. Was das zu bedeuten hat? Alle Eltern und Lehrer, die nach und nach eintreffen, sind gespannt, was der Abend bietet.

Die Schulleiterin Margrit Döring eröffnet die Elternschulung und zeigt sich sichtlich glücklich darüber, dass er überhaupt zu Stande gekommen ist. Schließlich habe der Abend auch schon „auf der Kippe“ gestanden, wie sie sagt. Der Wunsch, sich mit dem Thema Medien zu beschäftigen, wurde schon seit längerer Zeit von den Eltern geäußert. Deshalb kontaktierte die Schule die Thüringer Landesmedienanstalt für eine Zusammenarbeit, die musste aber in letzter Minute absagen. Britta Gossel ist Mutter zweier Töchter und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Ilmenau. Als Medienexpertin hat sie die Elternschulung kurzerhand selbst auf die Beine gestellt. Dafür hat sie sich Unterstützung von Imke Hoppe, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie, und der Initiative medienbewusst.de – kinder. medien. kompetenz. organisiert.

Einen ersten Einblick in die Welt der Kindermedien ermöglicht Imke Hoppe. In ihrem Impulsvortrag beleuchtet sie das Thema Medien aus der wissenschaftlichen Perspektive. Sie will den anwesenden Eltern und Lehrern deutlich machen, worauf es ankommt – „wie wir alle die Medien nutzen und was wir daraus machen.“ Dies erklärt sie anschaulich an dem Beispiel Deutschland sucht den Superstar. Dieses Format sei auf der einen Seite förderlich, da es Freundschaft, Sieg und Verlust thematisiert. Aber das Format zeige eben auch, dass das Leben ein einziger Konkurrenzkampf sei. Kurzgesagt: Man könne nicht pauschal sagen, welche Medien gut und welche schlecht sind. Deswegen müssten Eltern ihre eigene Medienkompetenz ausbauen.

„Medienkompetenz“ ist das Stichwort für Britta Gossel, die den zweiten Kurzvortrag hält. Sie präsentiert zunächst Fragebögen aus der Führerscheinprüfung, was die Anwesenden verwirrt. Doch dann erklärt sie, was sie mit den Fragebögen sagen will: Der Umgang mit Medien gleicht dem Verhalten im Straßenverkehr. Fragende Gesichter blicken ihr entgegen. Medien und Straßenverkehr – Wo ist da der Zusammenhang? Eltern bringen ihren Kindern bei, die Verkehrsregeln zu beachten und nicht bei Rot über die Ampel zu gehen, vorsichtig eine Straße zu überqueren. Es spielt keine Rolle, ob die Eltern Autos gut finden oder nicht. Für die Kinder ist es wichtig, diese Regeln und Verhalts weisen zu erlernen. So wie bei den Medien: nur weil man „dagegen“ ist, sollte man die Aufklärung seinen Kindern nicht verwehren und man hätte als Eltern die Aufgabe seinen Kindern zu zeigen, wie sie sich zum Beispiel im Internet zurecht finden können und was richtig oder falsch ist.

Nach ihrem Vortag weiht sie die neugieren Eltern endlich ein und erklärt, was es mit den Tischen und Tafeln auf sich hat. Ein kleines Team von medienbewusst.de sei hier, um auf die zahlreichen Broschüren aufmerksam zu machen und die Fragen der Eltern und Lehrer rund um das Thema Kinder und Medienkompetenz zu beantworten. Außerdem soll dieser Elternabend nur ein Vorgeschmack sein, um herauszufinden, wo genau die Probleme mit Medien bei den Eltern und Kindern liegen. Deshalb fordert sie die Eltern auf, die Stühle zusammen zu schieben und ihre zu den jeweiligen Themen‑ Handy, Computerspiele, Fernsehen und Internet‑ auf die Tafeln zu schreiben. Dann wird es einen zweiten Elternabend geben, bei dem dann genau auf die angesprochenen Probleme eingegangen wird, denn Medien seien ein sehr großflächiges Feld.

Die Eltern machen Platz und beginnen lebhaft zu diskutieren und Fragen zu notieren. Auf die Frage, wie eine Mutter den Elternabend findet, sagt sie: „Ich finde so etwas sehr sinnvoll, denn als Eltern ist man mit seinen Kindern und dem Thema Medien doch sehr oft überfordert und fühlt sich alleine gelassen. Deshalb freue ich mich auch schon sehr auf den zweiten Elternabend.“ Eine andere Frau spricht an, dass es schwierig sei, auf der einen Seite das Kind nicht aus zu grenzen, indem man Sachen verbietet, sie aber auf der anderen Seite die Gefahren zum Beispiel im Internet sehe und ihr Kind davor schützen möchte.

So geht es scheinbar vielen hier, denn sehr schnell füllen sich die Tafeln mit Fragen wie: „Fernseher im Kinderzimmer?“ oder „Computer als notweniges Lernmittel?“ Selbst als Schulleiterin Döring den offiziellen Teil des Elternabends beendet, bleiben zahlreiche Eltern noch dort, um weiter zu diskutieren und Fragen zu notieren. Das Thema ist wichtig, klare Informationen und aktiver Austausch erwünscht.

Diskussionsbedarf und Interesse der Eltern an dem Thema „Kinder und Medien“ waren groß. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Das Team von medienbewusst.de stellte den Eltern ausreichend Informationsmaterial zur Verfügung. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Janina Seit

Bildquellen:
© medienbewusst.de

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