Kindertag-Special: „Was war nochmal ICQ?“

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1. Juni 2015 Print This Post

Was war noch mal ICQ? Noch bevor Soziale Netzwerke wie Facebook oder Nachrichtendienste wie Twitter Einzug auf nahezu jedes Smartphone von Jugendlichen hielten, gehörte das Chatten per ICQ zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen vieler Jugendlicher. Anlässlich des heutigen Kindertages blicken wir zurück auf viele Stunden vor dem heimischen PC und hinterfragen, warum sich der Nachrichtendienst nicht durchsetzen konnte.

Die Abkürzung ICQ steht für die englische Phrase „I seek you“, was so viel bedeutet wie „Ich suche Dich“. Gegründet im Jahr 1998 von dem amerikanischen Onlinedienst AOL, verbreitete sich das Programm, mit dem man online Nachrichten verschicken konnte, rasend schnell und wurde auch bei deutschen Jugendlichen zum beliebten Zeitvertreib.

Madita Pierenkemper
Madita Pierenkemper

Grundidee des kostenlosen Programms ist, dass die Benutzer online miteinander chatten oder sich zeitverschoben Nachrichten schicken können. Erinnerte das Verschicken von E-Mails damals eher noch an Briefe schreiben, gab es mit ICQ zum ersten Mal ein Programm, mit dem lässig miteinander geplaudert („chatten“) werden konnte, ohne sich großartig Gedanken über Kommasetzung oder die passende Wortwahl machen zu müssen. Ganz unter dem Motto „Ich schreibe, wie ich spreche“.

Ich selbst konnte den Hype um ICQ anfangs nicht verstehen. Das lag zum größten Teil daran, dass wir damals noch für jede Minute, die wir im Internet gesurft haben, zahlen mussten. Heute für viele Jugendliche kaum mehr vorstellbar, als ich dreizehn war aber durchaus noch üblich. Je mehr sich das Programm aber in meinem Freundeskreis durchsetzte, desto größer wurde auch mein Interesse. Bis ich schließlich selbst Teil der ICQ‑ Community wurde.

Jeder Nutzer, der sich bei ICQ registriert, bekommt eine eigene ICQ-Nummer zugewiesen. Diese hat quasi den gleichen Zweck wie eine Handynummer. Gibt man im Suchfeld eine ICQ-Nummer ein, findet man den dazugehörigen Nutzer und kann ihn seiner Kontaktliste hinzufügen. Nimmt der andere Nutzer die Kontaktanfrage an, kann man anfangen zu chatten. Hatte ich in meiner Kontaktliste anfangs nur meine engsten Freunde, weitete sie sich schnell auf über 200 Kontakte auf. Dementsprechend mehr Zeit verbrachte ich vor dem Computer. Zusätzlich zur Chatfunktion, wurde ICQ nach einiger Zeit um kleine Minispiele erweitert. So konnte man Freunde zu Duellen herausfordern, was zum einen mehr Abwechslung brachte, zum anderen aber auch die Nutzungsdauer noch einmal erhöhte.

So wie mir ging es zu dieser Zeit vielen Jugendlichen. Telefonate wurden durch Chats ersetzt. Statt SMS verschickte man seine Nachrichten nun online. Rückblickend betrachtet zeigte sich schon hier ein unaufhaltsamer Trend. Heutzutage kommunizieren Kinder und Jugendliche fast nur noch über Applikationen (Apps), die das Internet nutzen. Zwar hat sich das Endgerät vom PC hin zum Smartphone gewandelt, aber sowohl Schreibweise als auch Nutzungsdauer sind nahezu identisch. Dass ICQ dann so rasch von der Bildfläche verschwunden ist, lag vermutlich genau an diesem Umschwung zu mobilen Endgeräten.

Unsere Redakteurin meint:
Obwohl meine eigene Nutzungsdauer des Online Nachrichtendienstes im Nachhinein betrachtet sehr bedenklich war, so ist sie verglichen mit der heutigen Nutzung von anderen Messengern wie Whats App und Telegram noch gering. Es zeigt sich also wieder einmal, dass Kommunikation sich in einem ständigen Wandel befindet. Besonders bei Jugendlichen setzten sich neue Apps schnell durch, können aber auch genauso schnell wieder verschwinden, wie das Beispiel von ICQ zeigt.

Madita Pierenkemper

Bildquelle:
© Privat

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