KinderMedienCamp – Das etwas andere Ferienlager

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30. November 2008 Print This Post

Kinder wollen den richtigen Umgang mit Medien lernen. Das alljährliche Kinder-Medien-Camp in Ilmenau bietet ihnen diese Möglichkeit. Workshops, die verschiedene mediale Bereiche abdecken, fördern Medienkompetenz bei Kindern. Doch zur Realisierung ist viel Engagement und Organisation nötig. Thomas Helbig ist einer der leitenden Organisatoren und spricht im Interview mit medienbewusst.de…

Helbig.jpgThomas Helbig ist Student der Mechatronik an der TU Ilmenau. Mag die Wahl des Studiengangs nicht offensichtlich eine Verbindung zu Medien nahe legen, ist Thomas doch seit mittlerweile sechs Jahren in verschiedenen Vereinen und Projekten an der TU Ilmenau ehrenamtlich tätig, unter anderem in der Forschungsgemeinschaft elektronische Medien e.V. (FeM e.V.). Über diese kam er 2006 zu Kinder-Medien-Camp, als er half, die FeM e.V. als Projektträger zu gewinnen. Dies geschah ein Jahr nach Gründung des Camps im Rahmen einer studentischen Arbeit von Katrin Kegler und Katy Schädlich. Seitdem gehört Thomas zu den leitenden Organisatoren – ein guter Grund dafür, ihn und seine Arbeit im Interview näher kennenzulernen.

medienbewusst.de: Thomas, denkst du, dass es wichtig ist, Kindern den Umgang mit Medien näher zu bringen und die Medienkompetenz zu fördern?
Ich finde es ist enorm wichtig, den Kindern so früh wie möglich den verantwortungsvollen Umgang mit Medien näher zu bringen. In der heutigen Zeit kommen die Kinder immer früher mit den unterschiedlichsten Formen von Medien in Kontakt. Sie müssen daher schnell lernen, welchen Informationen und Quellen sie trauen dürfen, wie sie sich selber schützen können und nicht zuletzt was Realität ist und was nicht.

Siehst du in der zunehmenden Medialisierung und Technisierung eher Gefahren oder Möglichkeiten für Kinder?
Ich sehe genau genommen beides. Zum Einen bestehen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Nie war es so einfach an Wissen und Informationen heran zu kommen. Zum Anderen bestehen dabei jedoch auch große Gefahren, für die Kinder früh genug sensibilisiert werden müssen. Falschinformationen oder Verzerrung der Realität durch unterschiedliche Berichterstattung im Internet und im Fernsehen, Abonnement-Fallen im Telekommunikationsbereich bis hin zu fehlender körperlicher Ertüchtigung sind nur einige wenige Beispiele, die jedoch gut die große Bandbreite bestehender Risiken verdeutlichen.

Hast du ein persönliches Interesse daran gerade Kindern Medien näher zu bringen?
Mein persönliches Interesse daran hat sich im Laufe der Zeit mit dem Kinder-Medien-Camp und anderen Veranstaltungen, wie der Messe Kinder-Kult in Erfurt, mehr und mehr verstärkt. Dabei ist mir vor allem eins klar geworden: Ich bin in einer Generation groß geworden, die mit den jetzigen Medien gewachsen ist. Die heutigen Kinder werden genau genommen mit einem Mal in eine riesige bunte Welt geworfen, die sie mit den unterschiedlichsten Reizen absolut überflutet. An dieser Stelle sollten sie eigentlich Anleitung von ihren Eltern oder den Lehrern erhalten. Doch diese sind zum Großteil selbst durch die rasende Entwicklung der elektronischen Medien überfordert. In meinen Augen steht daher meine Generation in gewisser Weise in der Pflicht Hilfestellungen zu geben.

Könntest du kurz beschreiben, was die Medien-Workshops bieten? Wie viel Freiraum haben die Kinder?
Die Workshops bieten den Kindern genau genommen sehr viel, da von Anfang versucht wird sie voll zu integrieren. Sie sollen unter Anleitung gezielt eigenständig handeln und damit ihre eigenen Ideen und Kreativität einbringen.
Beim Workshop Hörspiel beispielsweise bekommen die Kinder die grundlegenden Mittel in die Hand, mit denen man ein Hörspiel machen kann. Wie sie aber etwa gewisse Geräusche „einfangen“ oder imitieren können, dabei müssen sie sich schon selber einbringen. Dadurch entsteht unter Anleitung der Workshopleiter ein kompletter kreativer Prozess. Die Kinder denken sich selber eine Geschichte aus, die sie erzählen wollen. Überlegen sich dann, wie sie diese umsetzen können und halten am Ende des Kinder-Medien-Camps das fertige „Produkt“ in den Händen. Allein dadurch, dass die Kinder so etwas selber gemacht haben, lernen sie auch die Dinge zu hinterfragen, die sie alltäglich erleben.

Was glaubst du nehmen die Kinder von den Workshops mit?

Das ist für mich schwer zu sagen, da ich selber hauptsächlich im Hintergrund tätig bin und mich weniger an den Workshops direkt beteilige. Ich glaube aber, dass die Kinder sehen, was sie selber schaffen können in Bereichen, die sie bisher nur von außen kannten. Mit Sicherheit werden sie dadurch auch viele Dinge eher verstehen und tiefgründig hinterfragen können.

Trotz starker Nachfrage ist die Zukunft des Kinder-Medien-Camps unklar, da das Projekt von ehrenamtlichen Helfern, in der Regel von Studenten, abhängig ist. Diese zu finden wird immer schwerer. Daran sind vor allem die veränderten Prüfungszeiten Schuld, die mit der Ferienzeit der Kinder kollidieren. Dies stellte schon in diesem Jahr ein erhebliches Problem dar. Es wird aber über eine Lösung und eine eventuelle Terminverlegung des Kinder-Medien-Camps nachgedacht, damit dieses außergewöhnliche Angebot auch in Zukunft bestehen kann.

Das Kinder-Medien-Camp ist im Veranstaltungskalender des Kreisjugendrings Ilm-Kreis e.V. aufgeführt. Die Teilnahme erfolgt entsprechend dem Eingang der Anmeldung. Es heißt also Augen und Ohren auf, um hoffentlich im nächsten Jahr dabei zu sein! Mehr Informationen gibt es zudem auf der Webseite.

Deborah Schmidt

Bildquelle: Jörg Junge

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