Was bekommen unsere Kinder auf die Ohren?

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5. Januar 2011 Print This Post

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Betrachtet man die aktuellen Charts, fällt auf, dass vornehmlich englische Lieder und internationale Interpreten die Spitzenplätze belegen. Im Radio werden Songs von Rihanna und Katy Perry rauf und runter gespielt und die ganz Kleinen schwärmen für Justin Bieber und Hannah Montana. Da stellt sich für Eltern schon mal die Frage: Was hören unsere Kinder da eigentlich? Sind die Texte kindgerecht oder besteht ernsthaft Anlass zur Sorge darüber, was das Kind da zu hören bekommt?                                     

Die englische Sprache ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, täglich sind wir von Anglizismen umgeben beziehungsweise reden teilweise „Denglisch“. Nach dem Aufstehen wird erstmal der Swag aufgedreht, um sich dann so richtig gestylt nach draußen zu stürzen und den beef mit den Homies zu schlichten. Spätestens jetzt versteht die Elterngeneration und besonders deren Eltern ihre Nachkommen gar nicht mehr. Anscheinend ist gerade bei der jüngeren Generation die Verwendung englischer Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch zum Trend geworden und zumindest dann unabdingbar, wenn man cool sein und mithalten möchte.

Liedtexte werden vorzugsweise in Englisch verfasst und dies nicht nur von Muttersprachlern. Auch nationale Bands und Interpreten greifen in ihrem Songs bevorzugt auf die englische Sprache zurück. So singt Jimi Blue Ochsenknecht, Sohn des Schauspielers Uwe Ochsenknecht davon, dass das sexy Mädchen lieber kleine rote Hotpants tragen sollte, damit eine richtige Romanze in Gang komme. Übersetzt man die Texte ins Deutsche, so klingen diese oftmals absurd.

Stars wie Lady Gaga, Eminem oder Pink sind die Idole vieler Kinder und Jugendlichen. Mit diesen Leuten identifiziert sich die heranwachsende Generation, schaut zu ihnen auf, versucht sie in Kleidung, Stil, Verhalten nachzuahmen und ganz wichtig, sie können sich unter Gleichgesinnten über ihre Lieblingsstars austauschen. Vorbilder sind also unverzichtbar für Kinder, nichts desto trotz fragen sich Eltern natürlich, inwiefern diese Stars wirklich auch Vorbildfunktion haben. Ein Kriterium dafür ist beispielsweise wie kindgerecht ihre Liedtexte sind.

Schon beim oberflächlichen Hören von Songtexten fällt auf, dass es vordergründig um das Thema Liebe geht; um den Schmerz, welcher damit häufig einhergeht und zunehmend um Sexualität. In Rihannas Song „Rude Boy“ (zu deutsch: ungezogener/unanständiger Junge) geht es vordergründig um den sexuellen Akt an sich: „Come here, rude boy, boy, can you get it up? Come here, rude boy, boy, is you big enough? Take it, take it, baby, baby, take it, take it, love me, love me [...].“ Die Übersetzung lautet gewählter ausgedrückt, ob denn der ungezogene Junge eine Erregung bekommen kann und ob „er“ groß genug sei.

Rapper Eminem thematisiert in seinem Lied „Love the way you lie“ zusammen mit Rihanna den Beziehungsstress und das Verletztsein, das mit komplizierten Beziehungen einhergeht und rappt in drei Strophen ausführlich von den Problemen und dem Streit zwischen zwei starken Charakteren. Auch Lady Gagas Texte werden stark kritisiert und sind nicht immer unbedingt für Kinderohren gemacht. So lässt sie in „Bad Romance“ (üble/kranke Romanze) ihren grenzwertigen Liebesbegierden freien Lauf: „I want your ugly, Ⅰ want your disease. Ⅰ want your everything as long as it´s free. Ⅰ want your love…“ Sinngemäß bedeutet das: „Ich will deine Häßlichkeit, ich will dein Leiden, ich will alles von dir, solange es umsonst ist. Ich will deine Liebe [...].“

Aber all diese Personen sind nun einmal, wie bereits erwähnt, Idole. Eltern können und sollten ihren Kindern nicht das Schwärmen oder Anhimmeln ihrer Vorbildern verbieten, denn diese individuellen Helden helfen beim Großwerden. Kinder lernen unter anderem, dass auch ihre Lieblingsstars mit Problemen zu kämpfen haben und diese meistern. Sie vermitteln ihnen das Gefühl, verstanden zu werden, insbesondere während der Pubertät.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen: Teen-Stars, wie Justin Bieber oder Hannah Montana, singen zwar auch über die Liebe, sind aber in ihrem Vokabular nicht zu kritisieren. Ihre Texte sind nicht überfüllt mit sexistischen Aüßerungen oder Anspielungen.

Es ist zu empfehlen, das Gespräch mit dem Kind zu suchen, besonders wenn der Eindruck entsteht, dass das Anhimmeln eines Stars sich negativ auf das Kind auswirkt. Zu bezweifeln ist, dass die Jüngeren die Texte en detail verstehen, gerade dann kann ihnen im Gespräch aufgezeigt werden, welche Themen ihre Idole in deren Songs in welcher Weise musikalisch umsetzen und inwieweit dann noch eine Identifizierung mit dem Star möglich ist. Eine Möglichkeit für Eltern herauszufinden wie kindgerecht die Texte der Kinderstars sind, ist die Suche über Google, beziehungsweise gleich über Webseiten, wie www.lyrics.de oder www.magistrix.de.

Übrigens, im Falle, dass sich die (Groß-) eltern letztlich noch fragen, was eigentlich gemeint ist, wenn im Jugendjargon davon gesprochen wird, den Swag aufzudrehen oder beef zu schlichten: Sie (Jugendliche) gehen erst einmal frisch rausgeputzt (swag) unter Leute, treffen sich mit ihren besten Freunden (homies) und falls es Streitigkeiten (beef) gab, sollen diese natürlich behoben werden.

Isabell Schulz

Bildquelle:
© m.schuckart – Fotolia.com

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