„Justus Jonas würde nicht auf ein Punk-Rockkonzert gehen, ich schon“

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16. Mai 2011 Print This Post

Visuell sagt Oliver Rohrbeck vielleicht nicht Jedem etwas, aber auditiv ist er bestimmt Vielen ein Begriff. Oliver Rohrbeck ist nämlich einer der bekanntesten Synchron‑, Hörspiel‑ und Hörbuchsprecher unserer Zeit. Als erster Detektiv Justus Jonas von den drei Fragezeichen, als Freddy in Bibi und Tina oder als feste Synchronstimme von Ben Stiller sollte er Jung sowie Alt zu Ohren gekommen sein. medienbewusst.de sprach mit ihm unter anderem über seine Arbeit, seine Entwicklung und seine Zukunftspläne.

Oliver, wie bist du dazu gekommen Synchron‑ bzw. Hörspielsprecher zu werden?

Ich habe schon früh Schauspielerfahrung gesammelt und wurde dann im Alter von sechs Jahren sozusagen bei der Arbeit vor der Kamera für die Sesamstraße entdeckt. Man war der Meinung, ich habe Talent und hat mich dann zu einer Synchronsprecheragentur geschickt. Meine erste Sprechrolle war Pinoccio aus dem Disney-Zeichentrickfilm und dann kam Eins aufs Andere und weitere Sprechrollen.

Wie war das für dich schon so früh in die Rollen Anderer zu schlüpfen?

Für mich war das als Kind sehr spannend und cool. Ich konnte mich in verschiedene Rollen hineinversetzen und fand das sehr abwechslungsreich und nie langweilig. Das hat meinen natürlichen Spieltrieb gefördert.

Was ist für dich das Besondere an deiner Arbeit?

Vor allem die Abwechslung und Herausforderung, immer wieder in andere Rollen zu schlüpfen. Das ist es, was für mich meinen Beruf aus‑ und interessant macht.

Es ist unumstritten, dass deine wohl bekannteste Rolle, die als Justus Jonas von den drei Fragezeichen ist. Konntest du dich damals im Alter von 13 Jahren mit dieser Rolle identifizieren?

Justus Jonas ist natürlich eine besondere Rolle für mich. Ich spreche ihn seit mittlerweile 30 Jahren, habe mit 13 Jahren angefangen, als Justus selbst erst 13 oder 14 war und nun ist er 18. Aber identifizieren konnte ich mich nicht mit wirklich mit der Figur. Ich habe zu der Zeit das Ganze schon eher als schauspielerische Arbeit und Erfahrung angesehen. Er ist auch ganz anders als ich. Justus ist ja eher der Schlaumeier und Besserwisser, aber auch sehr clever und einfühlsam und nicht der Typ, der zum Punk-Rockkonzert gehen würde, ich schon. Justus Jonas und ich, wir respektieren und bewundern uns, ich schätze diese Rolle sehr.

30 Jahre sind eine lange Zeitspanne. Gab es Probleme, als der Stimmbruch kam?

Es gab zum Glück keine Probleme während der langen Zeit, die ich Justus Jonas spreche. Ich kam zwar schon in den Stimmbruch, aber der war wohl nicht so intensiv oder ausgeprägt. Das war schon in Ordnung.

Angenommen, ein Kind fragt dich, wie er oder sie HörspielsprecherIn werden kann. Was antwortest du?

Ich würde ihm raten, sich bei einer Synchronfirma vorzustellen und dort sein Glück zu probieren. Erwachsene bringen bei diesem Job meist eine Schauspielausbildung mit, aber das kann man ja von Kindern nicht erwarten. Diese Synchronfirma würde schauen, ob das Kind Talent hat und es kommt dann auch vor, dass Kinder zwischen Synchronfirmen hin und her geschickt werden oder dort angefragt wird, ob wieder Kinder gecastet wurden und jemand für ein neues Projekt dabei ist.

Du bist selbst Vater von zwei Kindern. Sind sie mit deinen Arbeiten groß geworden?

Meine Kinder hören heute noch sehr gerne Hörspiele und sind natürlich damit groß geworden. Zum Glück konnten sie gut genug differenzieren. Für sie war es nicht unbedingt die Stimme ihres Vaters, die sie da hörten. Sie konnten somit ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Darüber bin ich froh.

Wie sah das in deiner Kindheit aus?

Ich habe es geliebt, Hörspiele zu hören und bin damit groß geworden. Zu meiner Zeit gab es ja auch noch nicht so viele Fernsehprogramme und die Fantasie von Kindern wurde durch sie nicht beeinträchtigt.

Du sprichst das Fernsehen an. An welche Medien sollten Kinder herangeführt werden?

Ich habe darauf geachtet, dass meine Kinder mit Büchern jeglicher Art aufwachsen und empfand das als sehr wichtig. Ich habe ihnen jeden Abend zum Einschlafen aus Büchern vorgelesen und das wussten sie auch sehr zu schätzen. Generell halte ich es wirklich für unverzichtbar, dass Kinder an Bücher herangeführt werden. Diese Art von Geschichtenerzählen regt noch die Fantasie von Kindern an und setzt ihnen nicht alles vor, wie das im Fernsehen der Fall ist.

Kommt es vor, dass du auf Grund deiner Stimme auf der Straße erkannt wirst?

Ja, das kommt sogar ziemlich häufig vor. Zum Beispiel wenn ich in ein Taxi steige oder irgendwo anrufe, dann werde ich schon des Öfteren gefragt: „Kenne ich Ihre Stimme nicht irgendwoher?“. Wegen meiner vielen Livelesungen, werde ich mittlerweile allerdings auch aufgrund meines Aussehens erkannt.

Hast du persönlich Lieblingsprojekte oder Lieblingsstücke?

Eigentlich nicht. Ich mag immer die Projekte, die ich gerade mache und ich freue mich immer auf die nächste Produktion, die ich angenommen habe und da stecke ich dann mit vollem Herzen drin. Ich sage jetzt nicht so etwas, wie: „Ich hab vor zehn Jahren Dies und Jenes gemacht und das war das Tollste der Welt“. Ich kann davon auch wieder loslassen und freue mich dann auf die nächste Sache und gehe sie mit genauso viel Leidenschaft und Herz an wie ein Projekt vor vielleicht zehn Jahren.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Ich habe ja immer ganz viele Projekte gleichzeitig am Laufen. Ich habe ein eigenes Studio, in welchem wir für verschiedene Verlage Hörbücher und Hörspiele produzieren. Zudem habe ich einen eigenen Verlag. Über diesen veranstalten wir Lesungen, aber auch Live-Hörspiele und planen jetzt schon, was bis Jahresende noch an Stücken realisiert werden soll. Zeitgleich überlege ich aber auch oft immer schon, was man im nächsten Jahr alles machen könnte. Es ist also viel zu tun.

medienbewusst.de bedankt sich bei Oliver Rohrbeck für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

Isabell Schulz

Bildquellen:
Porträtfoto © Hanna Kuzu
© Zimtstern_2k – flickr.com

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