Sarah Ziegler – Wo ist denn die Kamera?

Artikel weiterempfehlen

Um Artikel über soziale Netzwerke weiterzuverbreiten, müssen Sie diese aktivieren - für mehr Datenschutz.

7. Juli 2012 Print This Post

Während eines Volontariats beim WDR kam Sarah Ziegler erstmals mit der Kinderradiosendung LILIPUZ in Kontakt. Dort gefiel es ihr so gut, dass sie sich entschloss zu bleiben. Zunächst als Mitglied im „Klicker-Nachrichtenteam“, später dann als eine von insgesamt sieben Moderatoren des WDR-Kinderradios. Im Interview erzählt uns die 28-jährige Kreuzauerin was ihr an ihrer Arbeit besonders viel Spaß macht, was LILIPUZ auszeichnet und dass sie Kindern manchmal erst erklären muss, was Radio eigentlich ist.

Frau Ziegler, was macht das Kinderradio LILIPUZ so besonders?

LILIPUZ zeichnet sich dadurch aus, dass alle, die hinter dieser Sendung stehen, mit ganz viel Herzblut und Leidenschaft dabei sind. Ich hoffe, dass die Kinder, die uns jeden Tag zuhören auch merken, dass wir alle unheimlich viel Spaß daran haben. Nur so ist es uns möglich, ihnen jeden Tag eine wunderschöne Stunde Radio zu bieten.

Und welche besonderen Eigenschaften muss eine LILIPUZ-Moderatorin mitbringen?

Man muss auf alles vorbereitet sein. Kinder sind manchmal unberechenbar. Die legen schon einmal während eines Telefongesprächs in der Live-Sendung einfach den Hörer auf. Und ich glaube auch, dass man ein bisschen verrückt sein muss – aber positiv verrückt, und sich noch ein wenig sein „inneres Kind“ bewahrt haben. Mit Themen wie Tod, Armut oder Politik muss man sicherlich sensibler umgehen, aber auch nicht zu emotional. Wir wollen den Kindern immer ein gutes Gefühl vermitteln und sind bei Fragen auch immer erreichbar.

Seit Mai diesen Jahres ist mit Kelebek erstmals ein deutsch-türkisches Magazin im digitalen Kinderradiokanal KiRaKa auf Sendung. Wie kam es zu dieser Idee?

Die eigentliche Idee entstand während unserer Aktion „LILIPUZ macht Schule“, bei der wir jeden Donnerstag Schulen in Nordrhein-Westfalen besuchen. Man kann sich der Realität nicht verschließen, dass in manchen Regionen sehr viele Kinder mit türkischen oder anderen ausländischen Wurzeln beheimatet sind. So entstand der Gedanke, dass man auch diesen Kindern eine Plattform bieten möchte. In der Sendung können Kinder Fragen stellen – sei es über ein Gericht, das sie bei einem türkischen Freund gegessen haben oder über eine für sie fremde Tradition. Außerdem gibt es türkische Nachrichten und man kann zusammen mit den Moderatoren Basti, Nalan und Gökce ein wenig Türkisch lernen.

        Sarah Ziegler im LILIPUZ-Studio

Wie hat sich Ihrer Meinung nach der Medienumgang von Kindern in den letzten Jahren verändert?

Als ich vor ein paar Jahren bei LILIPUZ angefangen habe, bekam ich von meinen Hörern noch keine Freundschaftsanfragen auf Facebook. Das ist jetzt anders. (lacht) Wenn wir Schulen besuchen, kommen teilweise sogar Kinder auf uns zu und fragen, wo denn die Kamera sei. Sie sind sehr fixiert auf Fernsehen und Internet – das Medium Radio ist für einige völlig fremd. Wenn sich die Kinder aber erst einmal mit dem Thema beschäftigt haben, kommen die meisten aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.

Haben Sie als Moderatorin auch die Möglichkeit mit eigenen Ideen das Programm selbst mitzugestalten?

Auf jeden Fall. Wir sind insgesamt sieben Köpfe im LILIPUZ-Moderatorenteam und glücklicherweise auch alle sehr kreativ. Wir tauschen uns oft untereinander mit Ideen aus. Eine meiner Sendungen drehte sich beispielsweise rund um das Thema „Zugfahren“ und ich hatte die Idee, während der Sendung so zu tun als säße ich die ganze Zeit selbst im Zug. Die Redaktion freut sich natürlich über unsere Ideen und hilft uns dann dabei, diese zu realisieren.

Gibt es vielleicht einen Moment, der Ihnen im Zusammenhang mit LILIPUZ besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, das war noch in meiner Zeit als Klicker-Autorin. Wir waren mit Lilipuz macht Schule in Gescher/Westfalen unterwegs und hatten eine unserer verrückten Ideen, die noch morgens am Frühstückstisch entstanden ist. Gescher hat ein bekanntes Glockenmuseum und wir riefen über das Radio alle Einwohner dazu auf, uns ihre Glocken zu bringen. So eine Art Stadtwette sozusagen. Ich war damit beauftragt, die Gescheraner mit ihren Glocken auf dem Schulhof in Empfang zu nehmen. Besonders optimistisch, unser Ziel von 50 Glocken zu erreichen, war ich allerdings nicht. Und nach einer halben Stunde hatten sich doch tatsächlich 50 Menschen mit rund 100 Glocken auf dem Schulhof versammelt. Als Wetteinlös hat unser gesamtes Team dann live on Air „Bruder Jakob“ zum Besten gegeben. Das haben wir aber auch unglaublich gern gemacht, weil wir an diesem Tag gemerkt haben, wie viele Menschen wir tatsächlich erreichen und was wir dadurch bewegen können. Dabei wird immer gesagt „Radio ist tot“. In diesem Moment war Radio so lebendig. Es war einfach unfassbar.

Was würden Sie persönlich Eltern als Ratschlag in Bezug auf den Medienumgang ihrer Kinder mit auf den Weg geben?

Eltern sollten den Medienkonsum ihrer Kinder nicht zu sehr kontrollieren. Vielmehr müssen sie ihre Kinder begleiten und ihnen vorher erklären, was das eigentlich ist und wie es funktioniert. Ich denke, das ist ein Aspekt, der oft vernachlässigt wird. Mit Hintergrundinformationen zu Fernsehen, Internet oder auch Radio können sich die Kinder dann meist selbst eine Meinung bilden und sie geben ihnen auch eine gewisse Orientierung.

 

medienbewusst.de bedankt sich bei Sarah Ziegler für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

 

LILIPUZ läuft täglich von 14:05 Uhr bis 15:00 Uhr live auf WDR5 und im KiRaKa, auf dem die Sendung jeden Tag um 17 Uhr zudem wiederholt wird. Das deutsch-türkische Magazin „Kelebek“ läuft jeden Mittwoch von 15 Uhr bis 16 Uhr live im KiRaKa. Wir von medienbewusst.de haben die Radiosendung vor einiger Zeit bereits unter die Lupe genommen, lesen Sie unser Urteil hier noch mal nach.


Kevin Stanowski

Bildquelle:
© WDR/Simin Kianmehr
© z. Verf. gestellt von Sarah Ziegler

Ähnliche Beiträge

Kommentare