„Die Welt mit Kinderaugen sehen“ – Ein Interview mit Liedermacher Burghardt Wegner

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12. August 2015 Print This Post

'Die Welt mit Kinderaugen sehen' - Ein Interview mit Burghardt WegnerSchon seit vielen Jahren macht Burghardt Wegner unter dem Künstlernamen „Grünschnabel“ Kindermusik. Am 15. Mai ist sein zwölftes Album „Lazuli. Kindermusik für die ganze Familie“ erschienen. In einem Interview hat er uns mehr über sich und seine Arbeit verraten.

Dein Künstlername ist Grünschnabel, was bedeutet dieser Name für dich?
Das ist eine Art Alter Ego, also im Prinzip eine andere Daseinsform von mir selber. Entstanden ist das, weil meine Schwester mir einen Plüschpapagei mit grünem Schnabel geschenkt hat. Zeitgleich habe ich an meiner ersten Kassette als Kinderliedermacher gearbeitet. Auf das Cover kam dann der Papagei. Und weil der einen grünen Schnabel hatte, war der Name naheliegend.
Zum anderen sind Grünschnäbel, also die Kinder, meine Hauptzielgruppe. Erwachsene sagen das Wort eigentlich, weil sie neidisch auf die Kinder sind, weil die noch alles dürfen und die Erwachsenen nicht mehr. Das hat einen negativen Anklang. Ich wollte das durch die Namensauswahl zum Positiven wenden. Und wenn ich mich selbst als Grünschnabel bezeichne, erwähne ich damit auch das Kind in mir, das immer noch da ist.

Du warst schon Lehrer und Mitglied einer Folk-Rock Band. Wie kamst du dazu, Kinderlieder zu schreiben?
Ich hab als Kind schon sehr intensiv Musik wahrgenommen, habe leidenschaftlich gern gesungen und bereits im Grundschulalter einige Gedichte und Melodien erfunden. Irgendwann mit zwanzig hab ich in einen Kinderwagen reingeguckt, da lag ein schlafendes Kind, da habe ich spontan ein Schlaflied geschrieben. Das ist prompt bei einem Wettbewerb aufgenommen und abgedruckt worden. Es war toll, die Kindermusik zu entdecken und mich selber zu erinnern, dass es solche Musik damals nicht gegeben hat, als ich Kind war und sie gut hätte gebrauchen können. Während meines Lehramtsstudiums habe ich eine musikalische Früherziehungsgruppe betreut. Es sind dann durch diese Arbeit mit Kindern immer mehr neue Kinderlieder entstanden und das wurde dann immer größer.

Würdest du deinen Beruf als Traumberuf bezeichnen?
Musik spielt eine sehr große Rolle in meinem Leben. Sich was auszudenken und davon zu leben, das ist wirklich ein Traum. Mit Kindern zu arbeiten und sie zu unterhalten, sie dazu zu bringen, dass sie mitsingen und Spaß an der Musik haben, das ist einfach wunderschön.

Burghardt Wegner
Burghardt Wegner

Du sagst, deine Lieder sind für Kinder von 0 bis 100. Was willst du den Erwachsenen mit deiner Musik geben?
Ich bin überzeugt, dass in jedem Erwachsenen noch ein Kind steckt. Es ist wichtig, dass man nicht verlernt, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Man sollte offen wie ein Kind durch die Welt gehen, natürlich mit dem Verantwortungsbewusstsein eines Erwachsenen. Ich möchte den Erwachsenen zeigen, dass ich mit meiner Musik auch sie anspreche. Sie sollen sich trauen, mitzumachen und Spaß zu haben.

Woher bekommst du die Ideen für deine Lieder?
Die Musik schreib ich oft ohne zu wissen, wovon sie handeln wird. Manchmal entstehen auch mit einer Idee sofort die Melodie und der Text. Der Text dauert meistens ein bisschen länger. Große Zubringer von Ideen waren immer meine Kinder, die sind jetzt aber schon ein bisschen rausgewachsen. Sie versorgen mich trotzdem mit Anregungen, aber nicht mehr so oft wie früher. Das Leben in der Familie mit Kindern ist einfach so inspirierend. Eigentlich muss man nur aufschreiben, was man erlebt, so sind auch viele meiner Lieder entstanden. Jetzt besuche ich manchmal meine Frau in dem Kindergarten, in dem sie arbeitet, da schnapp ich oft was auf. Ich fahre einfach mit offenen Augen durch die Welt und stolpere über Sachen, aus denen dann ein Lied wird.

Dein zwölftes Album „Lazuli“ ist vor Kurzem erschienen. Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis und hast du schon Vorstellungen, was als nächstes kommen soll?
Ich bin damit wirklich sehr zufrieden, ich finde das neue Album schön. Es steckt voller Abwechslung und ich hatte großen Spaß daran, die Lieder aus meinem Kopf für alle hörbar zu machen. Dabei hatte ich viel Unterstützung von weiteren Musikern und, wie immer, von singenden Kindern. Besonders gern mag ich die Lieder „Papa grill“, das Saxophonquartett-Stück „Scheibenwische“ und den Dance-Titel „Glück“, den ich für meine drei Töchter komponiert habe. Und 2016 wird es dann Zeit für eine Best-Of-CD, mit Liedern von all meinen Alben und natürlich auch neuen Bonustracks.

Möchtest du den Lesern von medienbewusst.de noch etwas mitteilen?
Mit der Selbstverständlichkeit, mit der Erwachsene den Kindern spezielle Bücher, Hörspiele und Filme für Kinder kaufen, sollten sie auch Musik für Kinder auswählen. Bei Büchern würde man nie sagen: Es braucht keine Kinderliteratur geben, die Kinder können das lesen, was die Erwachsenen lesen. Die Wichtigkeit aktueller Kindermusik wird oft unterschätzt, dabei gibt es so viele gute Kinderliedermacher.

Medienbewusst.de bedankt sich bei Burghardt Wegner für das Interview und wünscht ihm für die Zukunft weiterhin viel Freude und Erfolg.

Linda Ullmann

Bildquelle:
© okapi-music (photomatzen)

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